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ETERNAL REIGN: Interview mit Mick

23.10.2010 | 15:23

Mit "The Days Of Reckoning" haben ETERNAL REIGN einmal mehr bewiesen, dass auch deutsche Bands klassischen US Metal spielen können. Es wird Zeit, dass dies hierzulande auch entsprechend gewürdigt wird. Wir sprachen mit Gitarrist Mick.


Mick, als erstes Mal Gratulation zum gelungenen, neuen Album "The Dawn Of Reckoning", dass in unserem August-Soundcheck einen guten 6. Platz erreicht hat. Wie sind denn die Reaktionen auf das Album bisher?


Danke Dir, Peter! Die Reaktionen auf das Album waren ganz gut, natürlich sind da auch durchaus kritische Reviews dabei gewesen, aber das ist ja ganz normal. Ich bin da ganz dankbar für, allerdings kommt es immer darauf an wie 'objektiv' man so ein Album beurteilt, manchmal muss man da doch ein wenig schmunzeln, wenn man liest das Dirk nicht singen kann oder die Band einen 'langweiligen' Song wie 'Devil & Daughter' geschrieben hat, wo doch eigentlich jeder wissen sollte, dass das ein BLACK SABBATH-Song ist, hahaha. Naja, und die übliche Klatsche beim ROCK HARD sowie beim HAMMER kennen wir ja schon, vor allem wenn beim HAMMER scheinbar die Praktikantin das Review verfassen durfte, nachdem sie ja MAIDEN nach eigenen Angaben das erste mal in Wacken erleben durfte, haha! Aber im Grossem und Ganzen sind wir da schon zufrieden, schließlich sind wir im HEAVY ganz knapp am 3. Platz vorbeigerutscht und waren noch VOR BLIND GUARDIAN, hehe.

Ihr wart ein paar Jahre mehr oder weniger in der Versenkung verschwunden, die VÖ von "The Days Of Reckoning" wurde mehrfach verschoben. Was ist in all der Zeit denn passiert?

Ja, das war schon echt blöd. Das begann schon mit der Veröffentlichung von "Forbidden Path", da hat uns kurz vorher unser damaliger Keyboarder Thomas verlassen und wir mussten da Ersatz besorgen, was dann durch Björns Einstieg geklappt hatte. Dann wurde uns zweimal der Proberaum gekündigt, die ersten Songs liefen nicht so, dann waren wir natürlich ein bisschen unterwegs u.a. mit GUN BARREL in Dänemark, haben in Bremen z.B. mit LETHAL gespielt und während dieser Zeit immer weiter am Material gefeilt. Tja,und dann ist auch noch unser Gründungsmitglied Andre (Drums) aus beruflichen Gründen ausgestiegen. Also neuen Drummer finden, ihn einspielen und so weiter, das alles macht es nicht so einfach, die Moral zu halten, denn unsere Jobs & Family schlagen ja auch noch zu Buche. Der Grund, dass sich das dann noch weiter verschoben hat, obwohl wir im September 2008 das Studio gebucht und angezahlt hatten war, dass der Typ, dem das Studio gehörte, sich über Nacht aus dem Staub gemacht hatte! Da waren wir nun.... Geld weg, kein Studio und Videoaufnahmen von uns, die wir schneiden lassen wollten als Bonus-DVD, waren auch weg! Gott sei dank hat man Freunde, die ein bißchen Aufnahmeequipment besitzen und die uns dann geholfen haben im April 2009 dann endlich "The Days Of Reckoning" in Angriff zu nehmen. Unser Wunsch war es dann, das Achim Köhler den Mix macht und der hatte nicht immer Zeit, dadurch war alles erst im September 2009 abgeschlossen. Die VÖ war dann letztlich im August 2010 und so schnell sind dann fünf Jahre rum.

Wo siehst du denn die Unterschiede zwischen "The Days Of Reckoning" und dem Vorgänger "Forbidden Path"? Ich würde behaupten, dass ihr etwas ausufernder und verspielter geworden seid, was man auch an der Songlänge durchaus festmachen kann. Siehst du das ähnlich?

Also mir persönlich ist es immer wichtig, dass sich jedes Album vom Anderen unterscheidet, man aber trotzdem ETERNAL REIGN bleibt. Waren wir auf "Crimes Of Passion" noch sehr melodisch, hatten wir bei "Forbidden Path" schon den Härtegrad etwas angezogen. Was "The Dawn Of Reckoning" ausmacht ist, dass Björn z.B. musikalisch aus einer vollkommenen Richtung kommt als die Keyboarder, die wir vorher hatten. Dadurch sind die Songstrukturen etwas anders, einige würden sagen 'progressiver'. Ich sage mal: geplant war da nix, die Songs kommen so wie sie kommen und dieses mal sind sie halt hier und da etwas länger geworden.


Eure Wurzeln liegen immer noch klar im US Metal, was bei den größeren deutschen Bands (abgesehen von BRAINSTORM) immer noch eine echte Ausnahme ist. Woher kommt diese Vorliebe für Bands wie BREAKER, VICIOUS RUMORS oder POWERMAD?

Das hat wohl damit zu tun, dass ich halt mit diesem Zeug aufgewachsen bin und schon immer Bands dieser Art geliebt habe. Die US-Metal-Bands der 80er haben mich halt sehr geprägt, das schlägt sich halt auch in meinen Songideen wieder. Dirk und ich ergänzen uns da auch sehr, da VICIOUS RUMORS, alte QUEENSRYCHE, SAVATAGE, METAL CHRUCH etc. gemeinsame Faves von uns sind. Der Rest steht auf unterschiedliches von AC/DC über JUDAS PRIEST bis PINK FLOYD oder auch Bands neuerem Datums.

Obwohl ihr immer mit einem kleinen Budget ausgestattet sein dürftet, fahrt ihr immer ausbalancierte, natürliche, wuchtige Produktionen auf. Wieso bekommen das so viele Bands heute nicht mehr hin? Wo liegt da das Geheimnis?

Was du so zu wissen glaubst, haha... Das Budget war nie richtig klein, allerdings muss man auch nicht mehr 15.000 Euro ausgeben, um eine gute Platte zu machen. Außerdem sind wir bisher bei jedem Album in Vorleistung gegangen und haben dann immer einen Bandübernahmevertrag gemacht. Dabei war es dieses mal so, dass wir die Aufnahmen zu Achim geschickt hatten und er uns mehrere Vorschläge für den Mix gemacht hat. Wir haben ihn nach Abschluss des Albums beim PRIMAL FEAR-Konzerts in Hamburg aber erst das erste mal persönlich getroffen. Natürlich nimmt so eine Person einen nicht unbeträchligen Teil des Budgets ein, aber es hat sich echt gelohnt. Bei den ersten beiden Alben haben wir halt mit dem Typen, der uns später gelinkt hat, im Mixing Room gesessen und waren vor Ort, um das Ding zusammen gut klingen zu lassen. Ich denke aber schon, dass es einige junge Bands gibt, die es schaffen, ohne grosse Namen oder Kohle eine gute Produktion zu fahren. Man muss sich halt die Zeit dafür nehmen.

Ihr seid mittlerweile bei Markus, Andreas & Pure Steel Records gelandet. Wieso hat das so lange gedauert, wo die Wahl doch eigentlich ziemlich naheliegend war? Lag das an euch und euren reichen, teuren Anwälten oder an Pure Steel, die euch mit Wasser & Brot abspeisen wollten?

Hahaha, nee, es war zuerst so, dass Limb (das letzte Label - PK) uns nach mehrmaligen Hören der fertigen, neuen Scheibe eröffnete, dass sie ihre Option für den Release jetzt doch nicht ziehen wollten, weil ihnen das Album nicht so gefiel wie "Forbidden Path". Es war ihnen zu modern und was nicht alles. Also waren wir frei und hatten uns auch schon vorher umgeschaut, es ist aber für eine deutsche Band, die nicht deutsch klingt, gar nicht so einfach. Doch dann kamen Andreas & Markus auf uns zu und wollten "The Dawn Of Reckoning" unbedingt machen. Sie waren total begeistert von dem Material. Wir sind wirklich froh, dass wir die 'Modalitäten' mit Pure Steel so aushandeln konnten, dass alle zufrieden sind. Außerdem ist es wirklich super ein Label zu haben, das sich in erster Linie für deine Musik interessiert und nicht nur für deine Verkaufszahlen.


Von der großen Karriere habt ihr euch - ähnlich wie eure Freunde von LANFEAR - mittlerweile verabschiedet. Ist es eigentlich viel einfacher und angenehmer so ganz ohne Druck Musik machen zu können? Und welche Lehren zieht ihr aus allem, was ihr im Business erlebt habt?

Naja, mal ehrlich, wer glaubt denn in diesem Buisness noch an eine grosse Karriere? Klar, da sind die jungen Wilden aus Schweden wie ENFORCER, STEELWING oder ODEN ORGAN aus Deutschland und noch andere, aber wenn du genau hinsiehst, ist die Metallandschaft soo auseinandergerissen mit seinen vielen Kategorien wie Death, Doom, Power, Melodic, Prog, blahblah-Metal, da, glaube ich, wird eben heute sehr selektiert. Gerade im Gegensatz zu früher, wo alles einfach Metal war. Die Festivals gehen auch schon kein Risiko mehr ein, deswegen darf man häufig auf mehreren Veranstaltungen eher die gleichen Truppen bewundern, vom Reunionwahn mal noch ganz abgesehen. Da bleibt einfach nur wenig Platz. Einige Bands wie EDGUY haben da ihren Weg gemacht und das freut mich, denn die SCORPKONS wollen ja nun einen Schlussstrich ziehen. Die Szene ist halt durch das Internet auch sehr schnelllebig geworden und es gibt soviel Musik wie schon ewig nicht mehr. Jeden Tag wartet jeder auf das nächste grosse Ding, ich bin mal gespannt, wie lange das alles gut geht.  Wir sind halt froh, wenn uns einer bucht oder wir einen coolen Support machen können. Der einzige Druck, den wir haben ist, dass wir von dem, was wir ausgegeben haben, um unsere Version von Metal unters Volk zu bringen, auch was wieder reinholen durch Konzerte und CD-Verkauf, um dann noch ein bißchen weitermachen zu können. Leben möchte von uns keiner von diesem Kram und das sehen LANFEAR ähnlich.

Wird man euch dennoch auf vereinzelten Gigs erleben, die nicht im 50km-Umkreis von Bremen sind oder muss ich mir da als Berliner gar keine Hoffnungen machen? Ihr hättet auch schon ein Bett.


Mal sehen was sich ergibt, ihr habt ja dieses 'Halford' in Berlin, vielleicht geht da ja was. Wir fangen auch schon an für nächstes Jahr zu planen. Obwohl.....ich habe mal gehört Berlin wär so gar nix für Metal, aber vielleicht ist das nur ein Gerücht!

Ist es leider nicht. Ihr habt gerade zu 'The Beast Within' ein Video gedreht. Wie war es denn mal Playback zu spielen? Kommen da echte Rockstargefühle hoch?


Das war echt ein hartes Stück Arbeit! Du musst da 20-30 mal am Tag deinen Song 'performen' und danach, weil du ja KEIN Rockstar bist, deine Anlage selbst abbauen und in den LKW schieben und zum Proberaum bringen. Dann bist du echt fertig, wenn du zuhause bist. Aber wir sind da guter Dinge. Es ist für die Leute von Cold Entertainment das erste Musikvideo, das sind noch ganz junge Burschen, die sonst eher Kurzfilme machen.Für 'The Beast Within' gab es aber kein Script, nur Bühne, Stacks, Nebel, Licht und 'ne Band die Power Metal spielt. Die Jungens sind jetzt am Schnippeln,wir hoffen euch das Ergebnis bald präsentieren zu können!

Wir warten gespannt.

Redakteur:
Peter Kubaschk

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