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EQUILIBRIUM: Jahresabschluss-Interview

08.01.2010 | 15:13

Einen Tag vor Silvester 2009 versammelte sich die EQUILIBRIUM-Crew am Partytisch, um gemeinsam das Jahr 2009 zu rekapitulieren und Ausblicke auf die Zukunft zu geben.

Das Jahr 2009 liegt endgültig hinter uns. Vieles bleibt zurück, manche Sachen will man lieber in den Keller packen. Doch bevor die Pakete geschnürt werden, krallen wir uns die Pagan Metaller von EQUILIBRIUM einen Tag vor Silvester zum entspannten Plausch.

Enrico:
Wie läuft denn die Schrei!Nachten-Tour bisher?

Helge:
Grässlich (kollektives Gelächter)!

Enrico:
Ihr wirkt auch etwas müde.

Helge:
Ich muss vorneweg sagen, dass wir mittlerweile einen sehr reduzierten Wortschatz haben und einige Adjektive häufiger vorkommen werden. Und wenn uns eine Frage nicht gefällt, wird diese mit einem knappen Insider beantwortet. Aber zurück zu deiner Frage - die Tour läuft ziemlich gut. Das war jetzt so ein Insider, weil grässlich in diesem Fall wirklich gut bedeutet.

Enrico:
Was waren denn bisher die Highlights der kurzen Tour?

Andreas:
Das Essen (kollektives Gelächter). Die Konzerte waren eigentlich alle gleich gut.

Helge:
Der erste Auftritt war richtig gut, da waren wir alle auch noch frisch. Aber das Essen ist echt ein Highlight. Ich habe heute zum Beispiel Früchte gegessen, von denen ich nicht einmal den Namen bisher wusste.

Sandra:
Das muss man wirklich mal betonen und ist nicht selbstverständlich. Auch für Vegetarier - dass es da nicht nur Kartoffeln mit Salz gibt.

Enrico:
Seid ihr alle Vegetarier?

Ein fast kollektives: Nein!

Enrico:
Also kein Straight-Edge-Pagan-Metal. Ist für den letzten Gig des Jahres 2009 irgendwas Besonderes geplant?

Helge:
Nicht wirklich. Wir werden auch nach der Show sofort nach Hause fahren, weswegen auch keine große Abschiedsparty geplant ist. Die war gestern.

Enrico:
Deswegen seht ihr alle so müde aus (zustimmendes Nicken allerorts).

Helge:
Wir machen jetzt einfach ruhig und heben unsere letzte Kraft für die Show auf.

Enrico:
Silvester steht vor der Tür. Wie sieht eure Abendplanung aus? Großes Fest oder leck mich am Arsch?

Andreas:
Wir werden uns morgen in alle Himmelsrichtungen verstreuen. Jeder fährt zu anderen Freunden oder in andere Länder.

Enrico:
Wer fährt denn ins Ausland zum Feiern?

Manuel:
Ich!

Enrico:
Wohin geht es denn?

Manuel:
Nach Italien, meine Familie lebt dort.

Enrico:
Wenn ich mich hier so umschaue, frag ich mich grad, warum ihr mittlerweile alle Bärte tragt?

Sandra:
Nicht alle!

Enrico:
Fast alle!

Helge:
Weil es cool ist und weil wir es können (kollektives Gelächter).

Enrico:
Das Jahr ist nun fast vorbei - was wird vom Jahr 2009 hängen bleiben?

Andreas:
Das erste Mal England mit dem Gig auf dem Bloodstock-Festival war sicherlich das Highlight. Die Geisterbahn auf dem Bloodstock war definitiv genauso ein Höhepunkt (lacht).

Enrico:
Das ist dieses Festival in einem Vergnügungspark, richtig?

Helge:
Genau, da kann sich das Oktoberfest noch eine Scheibe abschneiden.

Andreas:
Die Geisterbahn kann ich jedem empfehlen.

Helge:
Du musst dir vorstellen: Ein Metalfestival, bei dem du Autoscooter oder in einer Geisterbahn fahren kannst. Es hat mehr von einem Familienausflug denn von einem typischen Metafestival. Keine Nackten, keine Besoffenen, kein Müll.

Sandra:
Dafür viele Kinder.

Helge:
Und aller zwei Stunden einen afrikanischen Bongotrommelkurs in einem Zelt. Du kannst da Faschingsmasken kaufen, aber keine Metalshirts.

Andreas:
Außergewöhnlich, aber verdammt cool.

Enrico:
Was bleibt noch hängen?

Helge:
Der Summer-Breeze-Auftritt...

Sandra:
Eigentlich das ganze Summer-Breeze-Wochenende.

Manuel:
Österreich war auch unvergesslich.

Helge:
Aber das müssen wir aus Pietätsgründen einfach auslassen.

Enrico:
Wie sehen denn eure Pläne für 2010 aus?

Sandra:
Also direkt nach dem Jahreswechsel wollen wir ins Studio gehen und unser neues Album aufnehmen. Die Tour wird dann im Herbst folgen. Wir wollen einfach richtig Vollgas geben.

Enrico:
Gibt es schon einen konkreten Erscheinungstermin?

Andreas:
Es soll am 25. Juni erscheinen.

Enrico:
Habt ihr schon einen Namen für das Werk?

Andreas:
Nein, den haben wir noch nicht.

Enrico:
Was können die Fans erwarten? Vor einem halben Jahr hörte man Stimmen, dass es etwas düsterer werden solle.

Rene:
Die Vorankündigungen, die man ein halbes Jahr vorher raushaut, ändern sich eigentlich auch ständig. Mal hat man Bock auf etwas Ruhigeres, mal auf etwas Düsteres, deswegen kann man das einheitlich gar nicht so bestimmen. Momentan sieht es so aus, als ob es wie bei "Sagas" eine breite Palette werden wird. Langsame, schnelle, düstere, brachiale oder auch unglaublich fröhliche Stücke werden darauf zu finden sein. Die Scheibe wird sehr abwechslungsreich sein und die eine oder andere Überraschung enthalten.

Enrico:
Ich bin bzw. war ehrlich gesagt überrascht, dass ihr euch mit dem nächsten Album so viel Zeit gelassen habt. Viele hätten sicher erwartet, dass ihr recht schnell das dritte Album veröffentlicht, um an den Erfolg sofort anzuknüpfen. War die relativ große Spanne so geplant?

Rene:
Letztendlich war es ein ganz natürlicher Fluss. Klar, die Plattenfirma möchte natürlich, dass jedes Jahr ein Album erscheint, aber wir haben das so gewählt, um auch zu garantieren, dass wir eine gute Qualität abliefern. Zwei Jahre nach "Sagas" ist ein guter Abstand, immerhin waren darauf knapp 80 Minuten Musik und wir haben es noch nicht mal geschafft alle Songs durchzuspielen.

Enrico:
Es gibt ja wirklich im Moment einige Pagan-Bands, die gefühlt jede Woche ein Album herausbringen.

Rene:
Dann hast du aber genau das Problem, dass die Alben dann recht ähnlich klingen. Das wollen wir vermeiden. Wir wollen unsere Grundzüge beibehalten, aber immer wieder neue Elemente hineinbringen.

Enrico:
Ihr beobachtet sicherlich auch die musikalischen Kollegen. Was sind denn da eure Lieblinge?

Sandra:
Bei mir ist es im Moment WINTERSUN. Da warte ich auch sehr gespannt und hoffe auf das neue Album.

Helge:
Ich war auf der Heidenfest-Tour sehr von PRIMORDIAL angetan. Das war einfach sehr schön. Einfach ein bodenständiger, freundlicher und sehr zuvorkommender Metaller.

Enrico:
Lass uns jetzt mal den "Goldenen Helge" vergeben. Band des Jahres 2009?

Helge:
INSOMNIUM. Da muss ich gar nicht lange überlegen. Das war einfach meine Entdeckung des Jahres.

Enrico:
Song des Jahres?

Helge:
'Down With The Sun' von INSOMNIUM. Was ich auch noch ziemlich heftig fand, war "Evangelion" von BEHEMOTH. Ich mag auch ab und an mal einen Arschtritt (lacht).

Enrico:
Film des Jahres?

Helge:
Da gab es ja eine Menge cooler Filme. Worauf ich lange gewartet habe und was mir eine Menge Freude bereitet hat war "2012". "Terminator 4" fand ich auch toll, genau wie "Star Trek".

Enrico:
"Star Trek"?

Helge:
Ja, mein Bruder war früher Trekki und da musst ich eben auch trekken (lacht).

Enrico:
Festival des Jahres?

Die ganze Gruppe brabbelt "Summer Breeze".

Helge:
Natürlich war England auch ein Erlebnis, denn es hatte den Reiz des Neuen. Es war auch das erste Mal, dass wir zu einer Show geflogen sind. Beim Summer Breeze war die Show einfach geil und wir hatten eine super Aftershowparty, aber dafür die schlechteste Herberge (kollektives Gelächter).

Enrico:
Der peinlichste EQUI-Moment geht an?

Lautes Gelächter ... offensichtlich denken alle das Gleiche.

Helge:
Na ja, vom Faktor "Jetzt möchte ich sofort weg sein" gibt es einen.

Andreas:
Wie könnte man das jetzt am Treffendsten erklären? Wir hatten zum Soundcheck ein Lied angespielt, was wir nicht im Set hatten. Das muss manche von uns offenbar sehr verwirrt haben. Dann war der Monitorsound wirklich grottenschlecht, dass man nicht mehr erkennen konnte, was jetzt vom Klicktrack und was vom Harddisk-Player kommt. Und dann haben einige zunächst das Stück gespielt, welches wir nicht im Set hatten, weil manche dachten, dass wir es eben doch spielen. Die andere Hälfte hat sich dann überzeugen lassen und wollte dann einfach mal mitspielen. Ab der Hälfte des Songs haben wir uns dann auf ein Lied geeinigt.

Sandra:
Wir haben alle so herrlich doof dabei geschaut, weil keiner wusste, was los war.

Helge:
Das war so arschpeinlich (lacht).

Enrico:
Das war jetzt hoffentlich kein 10-Minuten-Track?

Sandra:
Nein, das ganze dauert nicht mal zwei Minuten, kam uns aber wie zehn Minuten vor (lacht).

Enrico:
Wo war das denn?

Helge:
Das war in München beim Helion-Festival.

Sandra:
Davon gibt es auch ein Video bei YouTube (und zwar genau hier - Anm. d. Verf.).

Enrico:
2010 steht auch das Wacken Open Air auf dem Plan. Euer zweiter Auftritt nach 2005. Welche Erinnerungen habt ihr an diese Show?

Helge:
Das war wie ein Film, der so vorbeiläuft. Wir haben auf der Partystage um 10 Uhr abends gespielt. Es war einfach hervorragend und hat eine Menge Spaß gemacht. Das haben wir uns beim ersten Song aber auch verspielt bzw. unser damaliger Schlagzeuger (lacht).

Andreas:
Man kann sagen, dass wir uns die künstlerische Freiheit genommen haben und einfach früher aufgehört haben - es war sozusagen ein alternatives Ende.

Enrico:
Habt ihr noch abschließend ein paar Worte an die Powermetal.de-Leser?

Sandra:
Für die, die vielleicht jetzt auf dieser Tour waren und das lesen, bei denen möchte ich, möchten wir uns bedanken. Ihr habt euch echt für uns die Köpfe eingeschlagen. Ihr macht diese Shows für uns unvergesslich!

 

Redakteur:
Enrico Ahlig

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