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ENOCHIAN THEORY: Interview mit Ben, Sam & Shaun

23.10.2012 | 19:36

Im vergangenen Monat haben die Briten von ENOCHIAN THEORY zum ersten Mal als Headliner in Deutschland aufgespielt. POWERMETAL.de präsentierte und berichtete.

Jetzt könnt ihr auch unser Interview mit den sympathischen Musikern lesen, die es sich auch nach einer anstrengenden Show gerne mit Redakteur Nils am Merchandise-Tisch gemütlich gemacht haben. Auf dem Verhörsessel: Sänger/Gitarrist Ben, Drummer Sam und Bassist Shaun.

 

Zuerst einmal: das war eine tolle Show. Aber das ist erst das dritte Mal, dass ihr in Deutschland auf Tour seid. Konntet ihr z.B. auf dem Night of the Prog-Festival neue Fans gewinnen?

 

Shaun: Ich denke schon, zumal das ein ziemlich großes Festival war. Wir hatten jedenfalls viel Spaß!

 

Sam: Heute waren einige Leute, die uns vom Festival kennen und deswegen nach Oberhausen gekommen sind. Warst du auch da?

 

Leider nicht, aber ich kenne das Festival noch vom Jahr davor. Jedenfalls habe ich ein paar Fragen zum Einstieg, weil viele unserer Leser ENOCHIAN THEORY noch nicht kennen werden. Zunächst: woher kommt der Begriff "enochian" und was für einen Bezug zur Band hat er?

 

Ben: Enochisch ist eine alte Sprache, die von John Dee aufgezeichnet wurde. Er war königlicher Berater von Elizabeth der Ersten und hat sie in Sachen Wissenschaft, Religion und allerlei anderen Dingen beraten. Er war maßgeblich an der Dokumentation der enochischen Sprache beteiligt, die ungefähr tausend Wörter kennt. Sie wurde damals benutzt um mit Engeln Kontakt aufzunehmen, und auch die Engel sollen sie untereinander benutzen. Nunja, dann ist da noch das Wort Theorie im Bandnamen. Ich denke, Religion ist eine Theorie, eine gute Vermutung. Wissenschaft ist es ebenso. Und sieh Dir mal die Abkürzung an, sie lautet E.T. für extraterrestrisch. Für mich - und ich wette die Jungs sagen etwas ganz anderes - geht es darum herauszufinden, wo wir als Menschen gerade stehen. Wir werden es herausfinden müssen.

 

Was deine Texte ziemlich gut reflektieren. Aber ihr habt sie auf der aktuellen LP erstmals abgedruckt, wieso das?

 

Shaun: Viele Fans haben uns darum gebeten weil sie wissen wollten, über was gesungen wird. Insbesondere die Fans aus anderen Ländern die nicht so gut Englisch sprechen.

 

Ben: Außerdem hat uns das Label etwas getrieben, es zu tun. Ich meine, schau dir mal das hier an (er blättert durch das Booklet der "Evolution...").  Das ist Kunst. Und jetzt vergleiche das mit dem Booklet des aktuellen Albums. Durch die abgedruckten Texte musste der Künstler das quasi in fünf Minuten zeichnen. Aber wir wurden dazu gedrängt, auch wenn ich nicht glücklich damit bin.

 

In einem Interview hast du mal gesagt, dass deine Intention nicht die ist, dass die Fans sich nur oberflächlich die Texte ansehen, sondern sich genauer damit befassen.

 

Ben: Ja, sollen sie doch selbst herausfinden, was etwas bedeutet. Die alten Texte sind inzwischen auch alle online, aber ich werde mich hüten, jedes Wort davon zu erklären. Weißt du was ich meine?

 

Ja, ich denke schon. Ich mag es auch lieber, wenn man sich tatsächlich mit einer Sache auseinandersetzt, anstatt nur zu konsumieren. Das wird aber doch wahrscheinlich auf die meisten eurer Fans zutreffen, oder nicht?

 

Shaun: Sie wollen jedenfalls wissen, worüber gesungen wird. Also haben wir sie online gestellt.

 


 

Ben: Irgendwann war der Punkt erreicht wo wir per E-Mail und Facebook ständig nach den Lyrics gefragt wurden, also haben wir mal diesen, mal jenen Text rausgeschickt. Irgendwann gab es sie dann alle auf speziellen Websites.

 

Danke für die Erklärung! Ich würde noch einmal auf den Schaffensprozess eurer Musik zurückkommen. Wenn man euch auf der Bühne sieht, bekommt man den Eindruck, dass ihr eure Musik mindestens genau so für euch selbst macht, wie für die Zuhörer. Wie seht ihr das?

 

Sam: Ganz klar, die Musik ist erstmal Selbstzweck.

 

Ben: Ich sehe auch gar keine andere Möglichkeit, die Leute sind ja nicht dumm. Wenn du den Fans etwas vormachst, werden sie es merken. (Daraufhin folgt eine sehr unterhaltsame Imitation eines x-beliebigen Pop-Cover-Musikers.) Wenn es dir selbst etwas bedeutet, kommt das auch im Publikum an.

 

Sam: Und dann macht es auch Spaß zuzuhören. Man muss die Emotionen des Musikers hören können.

 

Ben: Das wird wohl jeder Künstler so sehen, egal ob Maler, Musiker oder Bildhauer. Man tut es für sich selbst und wenn andere es mögen, umso besser.

 

Shaun: Und als wir mit ENOCHIAN THEORY angefangen haben, gab es nur uns selbst.

 

Sam: Weil niemand sonst zugehört hat...

 

Was hat euch denn bewogen, die Band zu gründen?

 

Sam: Es hat mit der Freundschaft angefangen. Shaun und ich kennen uns noch aus der Schule und haben irgendwann angefangen, zusammen Musik zu machen. Irgendwan lief uns dann Ben über den Weg, wir haben es einfach genossen, Musik zusammen zu machen.

 

Shaun: Wir waren erstmal nur für uns selbst bis wir festgestellt haben, dass ja auch andere Leute unsere Musik mögen könnten.

 

Ben: Da entstand dann der Wunsch, eine CD aufzunehmen.

 

Shaun: Es hat sich alles irgendwie richtig angefühlt. Wir machen das nicht um "in einer Band zu spielen", ich tu mich gerade schwer es vernünftig zu erklären.

 

Ben: Wir werden solange als ENOCHIAN THEORY spielen bis es keinen Spaß mehr macht, dann ist Schluss. Die Jungs hier sind absolut verrückt, die fahren hunderte und aberhunderte von Kilometern mit dem Auto nach Deutschland, nur um hier ein einziges Konzert zu geben. Dabei verlieren wir zwar einiges an Geld, aber darum geht es ja nicht vorrangig. Wir lieben es einfach, auf der Bühne zu stehen. Diese zwei Stunden, darum geht es. Solange jemand da draußen uns sehen möchte, versuchen wir es irgendwie möglich zu machen.

 

Vermutlich könnt ihr nicht von der Musik leben und betreibt das ganze gewissermaßen als Hobby. Gefällt euch dieser Status oder würde ihr lieber mit Musik euren Lebensunterhalt verdienen?

 

Shaun: Es gibt wohl nichts, was wir lieber tun würden. Es tut sich ja einiges zur Zeit, es geht vorwärts. Es fühlt sich so an als würden wir jeden Tag neue Fans dazu gewinnen.

 

Ben: Das Publikum heute Abend zum Beispiel, wir haben erst gerade eine Show in London gespielt - was nicht weit von unserer Heimat entfernt ist - und es waren nicht einmal halb so viele da wie heute. Es ist so großartig hierher zu kommen und zu spielen, auch wenn es manchmal schwierig ist, Shows zu buchen.

 

Seid ihr extra für diese eine Show nach Deutschland angereist?

 

Shaun: Ja, das sind wir. Ist das Hingabe?

 

Auf jeden Fall! Lasst uns darüber sprechen, was gerade so passiert. Ich habe etwas von einem neuen Album gehört. Geht ihr dieses Jahr noch ins Studio?

 

Shaun: Dieses Jahr wohl nicht mehr. Wir versuchen noch so viele Shows wie möglich zu spielen, zwar überwiegend Support-Shows, aber wir wollen auf die nächste Stufe.

 

Das ist toll. Jetzt, wo ich Bens GOJIRA-Shirt sehe, wollte ich euch nach dem Songwriting fragen. Ist z.B. GOJIRA eine Band, die du dabei hörst?

 

Ben: Ich würde nicht gerade sagen, dass es mich beim Schreiben beeinflusst, da wir alle die unterschiedlichste Musik hören. GOJIRA mochte ich schon bevor ich bei ENOCHIAN THEORY eingestiegen bin. Ich habe ihre erste EP, war auf einem der erste Konzerte in London und so weiter. Also kein direkter Einfluss, aber ich mag halt Metal.

 

Hört ihr also keinerlei Musik während des Songwritings?

 

Shaun: Nein, eigentlich nie.

 

Ben: Wir kommen gar nicht dazu, aktuelle Bands zu verfolgen. Es gibt einfach zu viel neues. Trotzdem mögen wir ziemlich verschiedene Arten von Musik: Drum'n'Bass, Trance, Dubstep. Nahezu alles, wie du siehst. Man weiß nie, was einen als nächstes berührt.

 

Wenn du schon über Schubladen sprichst, mögt ihr das Label "Prog"?

 

Shaun: Wir haben uns ehrlich gesagt nie so bezeichnet, die Presse hat damit angefangen.

 

Sam: Wobei der Begriff des Progressiven schon irgendwo passt, denn darunter kann man ja die verschiedensten Arten von Musik fassen, nicht nur Metal. Unwohl fühlen wir uns damit nicht.

 

Ben: Außerdem ergeben sich daraus auch glückliche Umstände. Seit einer Weile haben wir wieder ein Prog-Revival, was uns natürlich mehr Aufmerksamkeit beschert. Ich habe keine Ahnung warum, aber es kommt alles in Wellen.

 

So wie meine Fragen, ich hätte noch eine zu eurer Show. Vielleicht ist sie aber auch zu banal: hattet ihr etwas bestimmtes im Sinn bei dem Plan, eure beiden letzten Alben einfach am Stück zu spielen?

 

Shaun: Das heute war quasi unsere erste richtige Headliner-Show und wir hatten zwei Stunden zu füllen. Da war es klar, dass wir die beiden "richtigen" Alben spielen würden. Mehr geht nicht!

 

Ben: Natürlich war es auch eine Reaktion auf das, was die Fans uns nach Konzerten immer sagen: es war toll, aber ihr habt Song xy von Album z nicht gespielt. Dieses mal kann sich niemand beschweren, denke ich.

 

Vorhin sind ein paar Namen gefallen als es darum ging, in wessen Vorprogramm ihr gerne mal spielen würdet. OPETH und KATATONIA, wenn ich mich richtig erinnere.

 

Ben: Wir würden mit jedem zusammen spielen, solange wir gefragt werden. Klar ist es besser, wenn wir auch musikalisch dazu passen. Aber wählerisch sind wir nicht wirklich.

 

OPETH sind hier in Deutschland ziemlich groß, die Konzerte eigentlich immer ausverkauft.

 

Ben: Ja, OPETH ist eine große Band geworden. Wir haben leider den Zuschlag nicht bekommen, weil sie mit ANATHEMA diese spezielle Akustik-Geschichte machen. Vielleicht sollten wir auch mal eine Akustik-Show anbieten. Wie auch immer, solange bei einem Publikum von 300 Menschen 10 dabei sind, die uns mögen: toll! Selbst wenn es nur einer ist und die anderen 299 uns beschissen finden, treibt uns das an.

 

Was für ein Schlusswort. Danke Euch für das Interview und bis zum nächsten Mal!

 

 

 

Den Konzertbericht mitsamt den Bildern findet ihr hier!

 

Redakteur:
Nils Macher

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