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EELSHOW, THE: Interview mit Raphael Schicktanz

18.02.2005 | 12:06

Nicht erst seit gestern macht in Raum des Bodensees eine Band namens THE EELSHOW die Gegend unsicher. Dass sie für ihren modernen, non-political Brit-Punk den Kultstatus dort nicht zufällig genießt, macht die letzte Veröffentlichung "...And Earth Stood Stupid" deutlich. Von der EP konnte man den Track 'The Devil's Wife' auf der ersten ALL FREAKS PUNK-Kompilation verewigen. Was die charismatische Band über ihr Album, das Touren und vieles mehr zu sagen hat, erläuterte mir ein gutgelaunter Raphael, seineszeichens für den Gesang zuständig.

Mick:
Hallo, mit wem habe ich jetzt die Ehre? Stell dich bitte kurz vor!

Raphael:
Mein Name ist Raphael Schicktanz und ich kümmere mich bei THE EELSHOW um den Gesang und das Songwriting.

Mick:
Da ihr, das liegt nun mal auf der Hand, noch eine relativ unbekannte Band seid, stell eure Band doch mal kurz vor. Was gibt es wissenswertes über euch/dich?

Raphael:
Wir existieren in dieser Besetzung seit ungefähr Anfang 2001. Wir kommen allesamt aus Lindau und sind auch außerhalb der Band befreundet. Zurzeit sind wir auf Grund des Studiums räumlich voneinander getrennt und treffen uns seltener als früher. Ansonsten sind wir wohl wie die meisten Bands, die Musik über alles lieben.

Mick:
Woher kommt der Name THE EELSHOW? Wie seid ihr auf den Aal gekommen?

Raphael:
Unsere alte Formation trug den Namen SILLY SEASON. Mit dem Zugang zweier neuer Bandmitglieder kam auch die Lust auf einen neuen Namen. Dieser ist dann eigentlich ganz spontan vor einem Auftritt entstanden. Trotzdem lehnt sich der Bandname an den Titel eines Filmes an.

Mick:
Da ich euch ja nun durch den ALL FREAKS-Sampler kenne, würde ich gern damit anfangen. Die CD hat mich überzeugt, nicht aber das Format. Da war ich eher skeptisch. Als eine der veröffentlichten Bands musstet ihr auf jeden Fall 300€ blechen. Tut euch das Geld jetzt leid? Wie ist es euch seither ergangen?

Raphael:
300 Euro sind schon viel Geld! Dennoch erhoffen wir uns durch diese Investition, dass wir auch außerhalb des Bodenseeraums die Möglichkeit haben uns einen Namen zu machen. Dabei geht es uns vor allem um den Kontakt mit den anderen Bands und um die daraus resultierenden Konzerte. Bis jetzt hat sich in dieser Hinsicht aber noch nichts getan.

Mick:
Laut dem Promoschreiben, das ich erhalten hatte, gab es auch eine Tour der Bands vom Sampler. Wie war das für euch? Gab es für euch überhaupt eine Tour?

Raphael:
Da wir als ziemlich letzte Band zu der "All Freaks"-Community dazu gestoßen sind, haben wir die letzte Tour zeitlich verpasst. Wir hoffen aber, dass es bei der nächsten klappt.

Mick:
Würdet ihr das Format weiterempfehlen?

Raphael:
Können wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen.

Mick:
Kommen wir zu eurem Album. Wie in meinem Review schon erwähnt, hat mich der Sound schon sehr angenehm überrascht. Das klingt alles gar nicht so sehr nach Eigenvertrieb. Muss ein gutes Studio gewesen sein.

Raphael:
Da muss ich dich leider enttäuschen. Die CD haben wir in kompletter Eigenregie in unserem Proberaum aufgenommen. Ein achtspuriger Harddiskrecorder war alles, was wir zu Verfügung hatten. Unser Gitarrist und unser Bassist haben die Aufnahmen dann gemastert und produziert.

Mick:
Wieso enttäuschen? Eher überraschen. Dann kann ich euch nur ein fettes Lob dafür aussprechen. Respekt!
Was hat es mit dem Album-Titel auf sich? Soll "...And Earth Stood Stupid" die Reaktion der Welt auf euer Album darstellen, oder wie ist das zu verstehen?

Raphael:
Das war unser Gedanke, ja. Der Titel ist übrigens einer "Futurama"-Folge entnommen.

Mick:
Ach so ist das! Wenn ich mir die witzigen Fotos im Booklet eurer Scheibe anschaue, dann überrascht es mich irgendwie nicht, dass ihr "Futurama" mögt.
Würdest Du mir zustimmen, das 'The Devil's Wife' der beste Song des Albums ist? Welcher ist dein persönlicher Liebling?

Raphael:
So direkt kann man das nicht beantworten. Da ich die Songs schreibe, beurteile ich sie danach, wie lange sie mir beim Spielen Freude machen. Bei 'The Devil's Wife' fühle ich mich eigentlich immer wohl. Ich denke, das Lied nutzt sich in musikalischer Hinsicht nicht so schnell ab. Deswegen würde ich es schon als kleinen Hit unserer EP bezeichnen. Mein Favorit ist dennoch zweifelsohne 'Down'.

Jones: (fachsimpelnd) Meiner Meinung nach gibt es auf allen Alben immer einige wenige Songs, die Hymnencharakter besitzen. Songs, die sehr eingängig sind und einen hohen Wiedererkennungswert haben. Auf unserer Platte ist das schon 'The Devil's Wife'. Sicher ist dieses Lied das Aushängeschild unserer EP, aber ob es das Beste ist, will ich nicht sagen. Ich finde sie alle fein.

Mick:
Warum nur eine EP? Ihr klingt nicht wie Leute, denen die Ideen ausgehen.

Raphael:
Ideen haben wir zur Genüge. Doch ist das Aufnehmen sehr zeitintensiv. Da wir in dieser Hinsicht noch Laien sind, hätte die Aufnahme eines kompletten Albums zu viel Zeit in Anspruch genommen. Und wir wollten einen richtigen Tonträger so schnell wie möglich veröffentlichen.

Mick:
Sprechen wir ein bisschen über euch als Band. Was gibt es da zu berichten? Was waren eure bisher größten Erfolge, oder auch Niederlagen?

Raphael:
Nun ja, wir lieben wohl alle die Musik und teilen zudem Freundschaften miteinander. Wenn ich an Erfolge denke, dann wohl an die Konzerte, die wir als Support von namenhaften Bands, wie etwa UNWRITTEN LAW oder JOACHIM DEUTSCHLAND hatten.
Eigentlich sehen wir es aber als größten Erfolg, dass wir als Band gut funktionieren und das wir in musikalischer Hinsicht den Vorstellungen aller Bandmitgliedern entsprechen.

Mick:
Ihr macht, schon in Hinblick auf die ausschließlich englischen Texte, nicht gerade typischen Punk. Würdet ihr euch überhaupt als Punk-Band bezeichnen?

Raphael:
Unsere Wurzeln liegen klar im Punk Rock. Trotzdem versuchen wir uns von dieser Tatsache nicht einschränken zu lassen. Die Musik wird von jedem Mitglied mit eigenen musikalischen Vorlieben und individuellen Ideen angereichert, dennoch ist es wichtig einen gewissen Leitfaden zu verfolgen. Und in unserem Falle ist dies der Punk Rock.

Mick:
Inwiefern seid ihr in diesem Zusammenhang politisch? Ihr habt zwar den Song 'Anarchy In These Days', dennoch haltet ihr euch genreuntypisch zurück.

Raphael:
Als Band sind wir überhaupt nicht politisch und halten uns, wie du bemerkt hast, mit konkreten politischen Äußerungen zurück. Dadurch, dass ich die Texte schreibe, bekommen diese thematisch eine rein subjektive Note. Dabei will ich mit unseren Texten niemanden belehren. Die Texte sind meist so gestaltet, dass sie genügend Freiraum für eigene Auslegungen bieten. Bei einem politischen Hintergrund wäre das nicht mehr gegeben.
Im Falle von 'Anarchy In These Days' wird unsere Gesellschaftsstruktur dargestellt, wodurch der Song politisch wird. Diese Art von Text ist dennoch eine Ausnahme. Trotzdem schließe ich weitere einzelne politische Songs nicht aus.

Mick:
Apropos Politik, hast du eine Meinung zu George W. Bush? Oder hältst du unsere nationale Politik für wichtiger?

Raphael:
Jeder hat wohl eine Meinung zu George W. Bush. Seine Politik kann man auf keinen Fall gut heißen, doch ich denke, dass in all den Diskussionen über diesen Mann schon alles über ihn gesagt wurde.
Wie du bereits angesprochen hast, ist es meiner Meinung nach wichtig, sich politisch zu informieren und aktiv zu werden. Und das vor allem auf der nationalen Ebene.

Mick:
Auch wenn es mit Musik nichts zu tun hat, würde ich gerne deine Meinung zu der Flutkatastrophe in Asien wissen. Hand aufs Herz, hast du Geld gespendet?

Raphael:
Das Ereignis an sich ist natürlich sehr tragisch und hat unvorstellbares Leid mit sich gebracht. Nur hat diese Katastrophe auch einmal mehr gezeigt, wie groß der Einfluss unserer Medien auf die Menschen ist. Die endlosen Berichterstattungen animierten viele von uns zum Spenden. Dies ist natürlich löblich, denn das Geld wird dringend gebraucht. Es ist nur leider so, dass anderes Leid auf unserer Welt durch mangelnde Medienpräsenz ignoriert wird. Täglich sterben Tausende an Hunger. Solche Ereignisse oder Bilder scheinen nicht spektakulär genug zu sein, um darüber zu berichten. Ein Teil unserer Band hat gespendet.

Mick:
Kommen wir auf euch zurück, und auf das, was in Planung ist. Wie sieht es eigentlich mit einer Tour aus? Wo seid ihr schon überall hingetourt?

Raphael:
Eine Tour über einen längeren Zeitraum haben wir noch nicht gemacht. Anfangs hatten wir unsere Auftritte in der Voralpenregion und im Allgäu. Später dann auch in Österreich und in der Schweiz. Innerhalb von Deutschland sind wir über Freiburg noch nicht hinaus gekommen.
Mit Hilfe von Marc Jehnes von "Spiderweb Records" versuchen wir dieses Jahr eine kleine Tour durch ein paar Städte Deutschlands zu organisieren.

Mick:
Wer kann euch was vormachen? Wer sind eure Idole?

Raphael:
Vorbilder im eigentlichen Sinne haben wir nicht. In musikalischer Hinsicht gibt es viele Menschen und Bands, die uns inspirieren und wichtig sind. Sie dienen uns oft als Anhaltspunkt. Aber entsprechen wollen wir ihnen nicht.

Mick:
Abschließend überlasse ich dir hiermit das Wort, für was auch immer du den Lesern von Powermetal.de mitteilen möchtest.

Raphael:
Auf jeden Fall möchten wir uns bei dir für das Interview und das positive Feedback bedanken. Wir würden uns freuen, wenn einige Leute Lust auf unsere Musik und unsere Band bekommen haben. In diesem Sinne, vielen Dank Powermetal.de.

Mick:
Vielen Dank für die Geduld. Und ich hoffe, man sieht sich auf einem Konzert. Ich werde nach THE EELSHOW in jedem Fall die Augen offen halten.

Redakteur:
Michael Langlotz

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