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Diskografie-Check: SAXON - Teil 2 | Platz 14 - 8

27.09.2021 | 12:29

Eigentlich müsste die Überschrift für diesen Teil unserer Diskographie sein: Das Mittelfeld. Aber nein, das kann ich so nicht schreiben. Die Qualität der sieben Platten der Briten in diesem Artikel würde anderen Bands für eine ganze Karriere reichen! Und das sage ich nicht nur als SAXON-Fan!

14. Platz: Thunderbolt (2018)

Der aktuelle Output der britischen Buben hat sich ins mittlere Drittel geschoben. Welchen Beweis braucht man mehr, dass die Jungs damals wie heute einfach eine feine, sehr befriedigende Metalband sind? Mit dem 2018er "Thunderbolt" gibt es eigentlich alles, was der SAXON-Fan erwartet: Einen tollen Titelsong als Opener, das machen die Herren ja gerne und häufig und gut, der als Anwärter auf eine zukünftige Setlist der Konzerte gelten muss, und danach eine Phalanx an fetten Metalsongs, bei denen einfach immer die Frage ist, wo sie sich nach ein, zwei, zwölf Monaten in den etwa 250 Liedern der Band einordnen. Wie so häufig sind die beiden folgenden Lieder 'The Secret Of Flight' und 'Nosferatu (The Vampire's Waltz)' absolut top und wie so häufig sind auch am Ende der Scheibe einige herausragende Lieder präsent. Die Frage der Reihenfolge entscheidet sich immer am Mittelteil. So auch hier, ein paar mittelmäßige Lieder lassen das Album nicht in die Topriege aufsteigen, aber hey, die ist mit Klassikern sowieso nahezu uneinholbar bestückt. Oder?

"Thunderbolt" ist eine willkommene Erinnerung für alle, die SAXON zum alten Eisen zählen wollten, dass die Jungs bis ins Grab rocken werden, wie Lemmy, dem sie mit dem absolut großartigen und überragenden 'They Played Rock 'n' Roll' huldigen. Das machen sie so gut, indem sie ihren Stil mit dem von MOTÖRHEAD verquicken, dass es eine Freude ist. Ja, das ist das Highlight des Albums, weil sich SAXON zurücknimmt und wirklich vor den alten Recken verneigt, dass man es ihnen abnimmt. Immerhin haben sie mehrere Touren mit Lemmy und Co absolviert, sie wissen, worüber sie musizieren.

In den deutschen Charts erreichte das Album übrigens einen sensationellen 5. Platz! Ziemlich gut finden wir es übrigens fast alle und verorten "Thunderbolt" zwischen Platz 17 und 12 in der Gesamtbetrachtung, nur Mahoni findet das Album so toll, dass er Platz sechs zückt! Okay, Mahoni, wir beide sollten bei einem Bier mal SAXON zusammen hören, unsere Ohren sind irgendwie nicht kompatibel. Sehr spannend. Übrigens: Deine Meinung interessiert uns auch, lass und doch mal im Forum wissen, wie du "Thunderbolt" einschätzt!



13. Platz: Forever Free

Ja, jetzt wird es wirklich zwiespältig. "Forever Free" ist eines der beiden Alben mit dem größten Abstand in den Wertungen der Redaktion. Zweimal die rote Laterne, einmal Vorletzter, das sagen Timo, Mahoni und ich, während Chris Platz 4 attestiert und der Rest zwischen Platz sieben und zehn zückt. Ja, was stimmt denn nun? Nach dem Album "Solid Ball Of Rock", mit dem sich SAXON wieder zurückgemeldet hatte, wollte die Band den Erfolg ausbauen und konnte tatsächlich einige starke Lieder schreiben wie den Titelsong und die Hymne 'Iron Wheels', auch wenn es irritiert, dass der Text nahezu identisch ist zu 'Calm Before The Storm', aber der neue Song ist besser. Ebenfalls in der Gewinnzone sind 'One Step Away', und 'Nighthunter' und 'Cloud Nine' sind immerhin schnell, lassen aber dadurch wieder etwas Melodie vermissen. Ansonsten sind aber noch einige Anleihen an die eher Glam-beeinflusste Zeit zu hören und einige der Lieder sind dann doch einfach zu simpel und klingen wenig inspiriert, zumindest in meinen Ohren, die ganz offensichtlich nicht der Mehrheit unserer Redaktion entsprechen. Dass mit der Coverversion des Willie-Dixon-Klassikers 'I Just Wanna Make Love To You' auch ein hoher textlicher Fremdschämfaktor hinzustößt, hilft mir bei der wohlwollenden Bewertung auch nicht. Und ja, ich finde das Ding schon im 1954er Original schrecklich.

Sänger Biff sagt über das Album, das immerhin zu einer Zeit entstand, als sich die Band neu finden musste und gleichzeitig den Druck des 1990er Erfolgsalbums verspürte, dass es vor allem am Produzenten Herwig Ursin scheitert, mit dem die Band einfach keine gemeinsame Wellenlänge fand und daher zwar kein schlechtes, aber doch ein etwas zielloses Album schuf[1].

Der Song 'Iron Wheels' wurde auch als Single veröffentlicht, aber das ist natürlich kein wirkliches Chart-Futter, schon gar nicht Anfang der Neunziger. Bemerkenswert ist, dass es von diesem Album eine Version mit einem Warhammer 40K-Cover gibt, aber das Ding ist natürlich mittlerweile ein gesuchtes Sammlerstück. Auch die Single gab es mit einem alternativen Cover auf Warhammer Records. Auf einer Neuausgabe von 2013 findet der Fan übrigens zwei zusätzliche Live-Stücke. Auffällig ist, dass, egal wie ein Album nachträglich eingeordnet wird, diese Phase SAXONs kommerziell durchaus erfolgreich war. In Deutschland konnte das Album acht Wochen lang in den Charts bleiben und immerhin Platz 58 erreichen.

[1] Byford, Biff, Tucker, John (2007): Never Surrender (Or Just Good Looking), Iron Pages, Berlin

 

12. Platz: Innocence Is No Excuse

Ja, der Titel passt meiner Ansicht nach gut zur Situation der Band, denn nach "Crusader" gibt es eigentlich keine Ausrede für ein so weichgespültes Album, auch wenn der Vorgänger bereits gegen die ersten fünf Göttergaben ziemlich abstinkt. Finde ich. Aber wie eben erwähnt gibt es zwei Alben, bei denen die Schere der Geschmäcker weit auseinander geht, und das zweite ist "Innocence Is No Excuse". Platz 3 von Jonathan, hohe Wertungen von Rüdiger, Tobias und Mahoni, mittlere von Walter, Timo und mir und dreimal Daumen runter von Chris, Stefan und Tommy. Puh, schwierig.

Studioalbum Nummer sieben sah die Band wieder nach Europa zurückkehren, waren doch die beiden Vorgänger "Power And The Glory" und "Crusader" in den USA aufgenommen worden. Diesmal begab sich die Band aus Steuergründen nach München[1], doch zuvor hatte man noch rechtliche Probleme auszustehen, da die Band mit ihrem alten Label vor Gericht gezogen war, um einen Wechsel zu erzwingen. Sänger Biff beschreibt ihr altes Label Carrere als fokussiert auf Singles, während SAXON doch eine Albumband war[1], aber er sagt auch, dass Carrere die Band und die Alben toll unterstützte und der Wechsel eine Management-Entscheidung war.

Jedenfalls zog sich der Fall ein halbes Jahr hin, in dem Byford und Dawson die Lieder für das kommende Album allein komponierten, ohne den Input der Gitarristen, was möglicherweise den weniger harten Ansatz erklärt. Was sicher ist, ist, dass "Innocence Is No Excuse" mit einem wirklich großen Budget produziert wurde, nachdem man einige Zeit nach einem Label gesucht hatte. Schlussendlich nahm die EMI die Band für drei Alben und einen großen Vorschuss unter Vertrag und kaufte Carrere gleich den gesamten Backkatalog der Band mit ab[1]. Als Produzenten engagierte man, als Mutt Lange, der eigentlich der Wunsch der Band gewesen war, aber nur mit einem anderen Labeldeal zur Verfügung gestanden hätte, nicht mehr möglich war, Simon Manhart. Dieser verpasste dem Album einen fetten, aber auch weicheren Sound, dem man auch die mehreren Hunderttausend Pfund Investition[1] durchaus anhört.

Auf der Habenseite sind solche eingängigen Lieder wie die drei Singles, 'Back On The Streets', einem schönen, eingängigen Rocker, von dem es auch eine Maxi-Version gibt, die 70 überflüssige Sekunden hinzufügt, 'Rock 'n' Roll Gypsy' und 'Broken Heroes', zu dem es auch ein Video gibt, die tatsächlich die sanftere Ausrichtung der Band gut auf den Punkt bringen, sowie 'Call Of The Wild', während der Rest des Albums von eher gewöhnungsbedürftiger Natur ist. Natürlich liegt es auch daran, dass man es immer mit den frühen Werken vergleicht und auch ein Übersong wie 'Crusader' eben nicht enthalten ist.

Die beiden ersten Singles erreichten im Vereinigten Königreich Chartplätze in den Siebzigern und sind für Fans der Band interessant, da sie mit 'Live Fast Die Young' und 'Krakatoa' sowie einem Live-Medley Songs enthalten, die nicht auf dem Album zu finden waren. In jedem Fall folgte man dem kommerziellen Ansatz, der auch noch einige Alben anhalten sollte, wählte ein seltsames Cover, von dem Sänger Biff Byford sagt, dass er das Model mochte, aber nicht die Fotos[1].

So scheiden sich die Geister an dem soften Ansatz, über den man schnell übersieht, dass es auf "Innocence Is No Excuse" einige wirklich starke Songs gibt, aber kommerziell ist das Album sehr ordentlich gelaufen und erreichte im UK Platz 36 und in Deutschland Platz 33. Ziemlich gut, aber dennoch enttäuschend für die EMI und zu wenig für die gewaltigen Ausgaben, die es mit sich brachte.

[1] Byford, Biff, Tucker, John (2007): Never Surrender (Or Just Good Looking), Iron Pages, Berlin

11. Platz: Sacrifice (2013)

2013 zeigte, dass auch die neuen Alben eine höhe Platzierung erreichen können. Das drittletzte, das zwanzigste Album, steht bei uns hoch im Kurs! Ich finde es aber auch leicht, "Sacrifice" zu mögen. Da ist erst einmal der überragende Titelsong, mit dem man alles in Grund und Boden metalt. Auch die coolen 'Warriors Of The Road' und 'Guardians Of The Tomb' und das Riffmonster 'Made In Belfast', gepaart mit ein paar typischen Rockern und dann noch dem eingängigen Höhepunkt 'Night Of The Wolf' lassen den Silberling einfach etwas herausragen aus dem neuen Schaffen. Das ist es dann auch, was "Sacrifice" im Vergleich mit dem direkten Vorgänger "Call To Arms" verbessert zeigt. Hatte man seine groovige Phase etwas zurückgelassen, die auf dem genannten Vorgänger seinen Zenit erreicht hatte, wollte SAXON anno 2013 wieder mehr Metal in die Rille prügeln, womit man bei den Fans die eine oder andere offene Drehtür einrannte. Vielleicht hatte auch der Wechsel zu Produzenten Andy Sneap einen Anteil an der neugewonnenen Aggressivität.

Wie auch immer, in unserer Redaktion finden besonders Mahoni und Timo das Scheibchen prächtig und wählen es in die Top Ten, während Chris, Tobias, Jonathan und ich es nur knapp schwächer einordnen. Aber mit einer Stimme sprechen wir dennoch nicht. Dass gerade Rüdiger dem Album keinen Fortschritt zu der von ihm wenig geliebten Phase zwischen 2009 und 2011 attestiert, verwundert mich, aber auch Tommy und Walter sind eher wenig begeistert. Wieder zeigt sich, dass man die Band auf verschiedene Art und Weise erleben kann.

Das Album erschien mal wieder in einer hübschen limitierten Fassung mit Bonus-CD. Diesmal sind darauf aber keine komplett neuen Lieder enthalten, sondern ein paar alternative Aufnahmen wie die Orchesterversion von 'Crusader', akustische Arrangements von 'Requiem' und 'Frozen Rainbow' und zwei Neuaufnahmen von 'Just Let Me Rock' und 'Forever Free'. Für die ganz großen Fans vermarktete man dann noch eine Sammlerbox mit Postkarten, Kapuzen-Pullover und einer Live-Scheibe, aufgenommen am 8.12.2012 in den Niederlanden. Dass es wieder einen dieser unsäglichen Digital-Bonustracks gab, ist ärgerlich. In diesem Fall heißt das Lied 'Luck Of The Draw' und ist..., ja, keine Ahnung, ich habe ihn auch noch nicht gehört. Kommerziell erreichte das Album in Deutschland Platz 14 und im UK war man erstmals seit 1988 wieder in den Top 100 der Albumranglisten! Eine würdige Nummer 20.



10. Platz: Saxon (1979)

Bei vielen Bands ist das Debütalbum ein unantastbares Meisterwerk, aber bei SAXON ist das eindeutig nicht der Fall. Die ganz großen Klassiker begannen erst im Folgejahr, die Musikhistorie gibt da keinen Platz her für eine zweite Meinung. Auf "Saxon" ist die Band noch tief im Rock 'n' Roll unterwegs, was ihr zwar sehr gut zu Gesicht steht, aber eben noch kein Heavy Metal ist.

Das Album wurde von John Verity produziert und Biff Byford sagt, dass es die Band zu dem Zeitpunkt der Veröffentlichung schon nicht mehr repräsentierte[1]. Dass die Band überhaupt einen Plattenvertrag bekam, lag auch daran, dass Carrere Angst hatte, vom frischen Kuchen der NWoBHM nichts abzubekommen und so nahm man die Band unter Vertrag, die den größten Bekanntheitsgrad hatte. Laut John Roach von MYTHRA spielten sich die Nordengländer jedes Wochenende den Popo ab bis hin nach Schottland und übernachteten in ihrem Van[2], allerdings vor ihrem ersten Album noch unter dem schwer vermarktbaren Namen SON OF A BITCH.

Die Highlights des Albums sind ganz eindeutig die beiden ersten Lieder, das instrumentale 'Rainbow Theme' und das tolle Siebziger-Prog-Feeling von 'Frozen Rainbow', das auch heute noch zurecht als eine der Großtaten der Band gilt. Dass die weiteren, zumeist kurzen Stücke noch aus der Findungsphase der Band stammen, hört man dem Stilmix durchaus an. Trotzdem hat das Album Charme und enthält mit 'Backs To The Wall' einen fetzigen Rocker und mit 'Militia Guard' ein Lied, nach dem die Band über Jahre hinweg ihren Fanclub benannte. Stilistische Schlenker sind zu dieser Zeit, in der sich SAXON noch in der Findungsphase befand, natürlich nicht unerwartet, rangen doch zwei Fraktionen in der Band um die Oberhand, nämlich Steve Dawson und Graham Oliver, die stilistisch die Ecke FREE und BLACK SABBATH befürworteten, und Biff, Pete Gill und Paul Quinn, die in Richtung DEEP PURPLE und LED ZEPPELIN tendierten[3].

In jedem Fall kann "Saxon" Stefan so sehr überzeugen, dass er einen 5. Platz vergibt, gefolgt von einem 6. Platz von Jonathan und Mahoni, Tommy, Walter und Rüdiger ordnen das charmante Frühwerk auch noch in die Top Ten ein. Nur ich finde es mit Platz 19 recht schwach, was aber einfach daran liegt, dass sich der Charme für mich vor etwa dreißig Jahren abgenutzt hat. Wahrscheinlich habe ich einfach Unrecht, aber irgendwo muss man es ja einsortieren.

[1] Byford, Biff, Tucker, John (2007): Never Surrender (Or Just Good Looking), Iron Pages, Berlin

[2] Jäger, Frank (2021): Interview mit John Roach (unveröffentlicht)

[3] Jäger, Frank (2016): Interview mit Paul Quinn (unveröffentlicht)

 

9. Platz: Dogs Of War (1995)

SAXON war wieder da! Das ist zumindest mein Eindruck aus dieser Zeit. War "Forever Free" doch noch eine zwiespältige Angelegenheit gewesen, schlugen die Sachsen gut zwei Jahre später wieder richtig zu! Mit diesem Donnerschlag war die Zeit der Dauerwellen und der Fremdschämtexte vorbei, es gab keine Anbiederung mehr an die Zwänge eines großen Labels, sondern stattdessen die große Rückbesinnung auf den Geist des Metals. Der Sound ist erdig, die Band scheint den amerikanischen Einfluss mit Ausnahme von 'Give It All Away' und 'Hold On', die beide eher in AOR-Richtung schielen, nicht mehr in den Vordergrund zu drängen, auch wenn er mehrfach durchschlägt, wie in den beiden fetten Südstaaten-Rockern 'Big Twin Rolling (Coming Home)' und 'Don't Worry'. Dazu muss der mit einem tollen Refrain versehene Titelsong und das heimliche Hochlicht 'The Great White Buffalo', ein Monster von einem Rocksong, als absolut essentiell für die Karriere SAXONs erwähnt werden. Es fehlt zwar der eine oder andere schnelle Song, aber die guten 'Demolition Alley' und 'Burning Wheels' sowie das coole 'Yesterday's Gone' machen den einzigen schwachen Song 'Walking Through Tokyo' schnell vergessen. Das finden auch die meisten in der Redaktion und vergeben gleich sechsmal Plätze unter den ersten acht, nur Mahoni hört das Album komplett anders.

Zu dieser Zeit braute sich etwas zusammen im SAXON-Camp. Graham Oliver wollte laut Aussage von Sänger Biff ein Live-Album hinter dem Rücken der Band veröffentlichen und wurde daher aus der Band geworfen[1], woraufhin er mit Steve Dawson, einem weiteren Ex-SAXON, eine Band namens SON OF A BITCH gründete. Das war leider noch nicht das Ende, denn die beiden wollten lieber unter dem Namen SAXON auftreten und gerichtlicher Ärger war vorprogrammiert. Allerdings führte es auch dazu, das Oliver auf "Dogs Of War" gar nicht zu hören ist, sondern ein Gitarrist aus den USA eingeflogen wurde, um mit Paul Quinn die Gitarren des Albums aufzunehmen. Anschließend kam Doug Scarratt zur Band, der auch heute noch dabei ist.

Es gab zu dem Album keine Single, auch ein Zeichen, dass die Anbiederei an den amerikanischen Markt endlich beendet war, sodass die letzten Re-Releases nur zwei Live-Stücke als Bonustracks aufweisen, darunter aber das tolle 'The Great White Buffalo'. Wie es sich gehört, kauften wieder einmal die deutschen Fans genug Alben, um es auf Platz 55 der Albumcharts zu hieven, in denen es acht Woche blieb. Das war zu einer Zeit, als es noch keine Downloads oder Streams gab und die Charts noch größere Bedeutung hatten.

[1] Byford, Biff, Tucker, John (2007): Never Surrender (Or Just Good Looking), Iron Pages, Berlin



8. Platz: Crusader (1984)

Ich erinnere mich gut daran, wie ich in der großen Pause zum Plattenladen gerannt bin, die neue SAXON-Scheibe mit einem ungläubigen, ehrfürchtigen Staunen ob des großartigen Covers erworben habe und den Rest des Vormittags auf heißen Kohlen in der Bank saß, konnte ich doch gar nicht schnell genug nach Hause kommen und die neue Göttergabe der Briten auflegen. Und dann kam nach einem epischen Intro das noch epischere 'Crusader'. WOW! Okay, 'A Little Bit of What You Fancy' als schneller Zwischengang ist auch okay, aber 'Sailing To America'? Wer hat denn meine SAXON mit Weichspüler gewaschen? Eine Coverversion von SWEET, okay, schnell umdrehen... Tja, zwei durchwachsene Lieder, eine starke Ballade und dann mit dem schwachen 'Rock City' das für mich möglicherweise schlechteste SAXON-Stück in ihrer Geschichte, was dann das gute, aber ebenfalls seichte 'Run For Your Lives' nicht mehr retten kann, machen ein Album aus, von dem ich mir einfach so viel mehr erhofft hatte. Was interessiert mich der amerikanische Markt, ich wollte mehr von den SAXON, die ich vergötterte!

Aber 1984 begann die seichte Phase, die die nächsten zehn Jahre dominieren sollte. Wie schon Album Nummer 5 wurde wieder in den USA aufgenommen, wo die Band viel Spaß und Parties hatte, aber den Einfluss der Musikszene Kaliforniens auch nicht aus ihrem Sound halten konnte. Natürlich ist der Titelsong ein unsterblicher Klassiker der Band, der übrigens zu einigen merkwürdigen Fotoshootings mit mittelalterlichen Kostümen und modernen Turnschuhen führte, die am Ende nicht genutzt wurden[1]. Die gelungene Ballade 'Do It All For You' wurde als Single veröffentlicht, genauso 'Sailing To America', ein Video gab es zu dem Lied 'Just Let Me Rock', dass auf MTV lief[2].

Ich wollte natürlich, dass SAXON lieber IRON MAIDEN nacheifern sollte, aber die Band orientierte sich eher an DEF LEPPARD. Blöd für mich, aber mit etwas größerer Objektivität sicher eher mein Problem als das des Albums. So ist mein 18. Platz auch der Ausreißer neben Tobias' 4. Rang und weiteren fünf Platzierungen in den Top Ten. Der Angriff auf die US Charts war allerdings weniger von Erfolg gekrönt, wie ein dortiger 174. Chartplatz beweist, aber Platz 18 im UK und Platz 20, dabei insgesamt zwölf Wochen in den Charts, in Deutschland zeigen, dass "Crusader" allgemein gut aufgenommen wurde und die Band irgendetwas richtig gemacht hat. Nur die Singles konnten kaum punkten. Trotzdem ist "Crusader" das bestverkaufte Album der Band und führte zur opulentesten Tournee der Band[3]. Da hatte man dann wohl doch irgendetwas richtig gemacht.

[1] Dome, Malcolm (2008): Booklet zum Re-Release von "Crusader", 2009

[2] Billboard Magazine, 10.3.1984, Seite 3

[3] Byford, Biff, Tucker, John (2007): Never Surrender (Or Just Good Looking), Iron Pages, Berlin

Hier ist nochmal der erste Teil unseres Diskograpie-Checks.

Redakteur:
Frank Jaeger

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