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DRIVER: Interview mit Rob Rock

26.10.2008 | 18:19

DRIVER sind Ausnahmesänger Rob Rock und Gitarrist Roy Z, die 1989 eine EP herausbrachten und kurz vor der Veröffentlichung des Debütalbums von ihrer Plattenfirma gefeuert wurden. Achtzehn Jahre später erscheint nun das ursprüngliche Album und wird gar als Nachfolgealbum des legendären Werks von M.A.R.S. angepriesen. Frevel oder schlicht ein Marketingschachzug?

Rob Rock gehört seit vielen Jahren zu einem meiner Lieblingssänger im Metalbereich, der meiner Meinung nach für einen gewissen Qualitätsstandard steht. Daher war ich um so überraschter, dass er nun mit "Sons Of Thunder" ein eher seichtes und klassisches Melodic-Rock-Album abgeliefert hat. Dieses wurde im Vorfeld darüber hinaus auch großspurig als Nachfolgealbum des legendären Werks "Project: Driver" von M.A.R.S. aus dem Jahre 1987 angepriesen. Der sympathische Sänger stellte sich souverän meinen kritischen Fragen und nahm mir gleich zu Beginn reichlich Wind aus den Segeln.

Rob:
Damit habe ich nichts zu tun. Das war die Idee der Plattenfirma. M.A.R.S. und DRIVER sind definitiv zwei unterschiedliche Bands und haben eigentlich nichts miteinander zu tun.

Chris:
Wie kommt denn aber dann die Plattenfirma darauf, das neue Album so zu promoten?

Rob:
Das musst du die Plattenfirma fragen. Ich bin die einzige Gemeinsamkeit der beiden Bands. DRIVER wurde 1989 von mir gegründet, nachdem ich bei JOSHUA ausgestiegen bin. Somit ist DRIVER also auch keine direkte Nachfolgeband von M.A.R.S., sondern eine komplett neu gegründete Band, die mehr auf AOR-Rock spezialisiert ist als auf das klassische Metalzeug, das wir noch mit M.A.R.S. 1986 gemacht haben.

Chris:
Ist denn dann eine solche Promotion nicht auch schädlich für das Album? Immerhin weckt man damit enorme Erwartungen...

Rob:
Auch das musst du die Plattenfirma fragen, denn ich wurde nie in diese Entscheidung involviert. Ich würde diese beiden Bands auch niemals miteinander verbinden, denn es sind musikalisch zwei total unterschiedliche Richtungen.

Chris:
Hattest du denn im Vorfeld des Albums irgendwie Kontakt zu deinen alten Weggefährten Tony MacAlpine, Rudy Sarzo oder Tommy Aldridge?

Rob:
Ich würde die Jungs nur für ein neues M.A.R.S.-Album kontaktieren, aber nicht für die DRIVER-Scheibe, denn das sind Roy Z und ich.

Chris:
Warum habt ihr eigentlich damals nach so vielen großartigen Kritiken nicht weitergemacht?

Rob:
Tommy und Rudy bekamen ein Angebot von WHITESNAKE, welches sie natürlich nicht ausschlagen konnten.

Chris:
Nun gut, dann wollen wir mal das Thema "M.A.R.S." auch zu den Akten legen.

Rob:
Gut.

Chris:
Ich muss leider gestehen, dass ich deine Solosachen um einiges stärker finde. "Sons Of Thunder" klingt für mich zwar typisch nach Rob Rock, aber sehr kommerziell. Das riecht stark nach Kalkül und einem Schnellschuss.

Rob:
Damit liegst du komplett falsch. DRIVER bekamen 1990 einen Plattenvertrag bei Atlantic Records. Wir haben über dreißig Demos für sie gemacht und quasi in letzter Minute wurde beschlossen, in Zukunft mehr auf Grunge zu setzen. Die Songs unserer damaligen 24-Spur-Aufnahme haben aber den Test der Zeit bestanden und besitzen mittlerweile einen richtigen Kultstatus für viele Fans. Diese haben das Album auch vehement gefordert und wir haben es ihnen gegeben. Genau das, was sie erwartet haben. DRIVER war einfach ein bisher unvollendeter Traum von Roy und mir. Der größte Dank gebührt an dieser Stelle Georg von "Metal Heaven", der die Idee und den nötigen Einsatz hatte, um dieses Album vor allem für die Fans und natürlich auch für mich zu realisieren. Wie du siehst, das war mehr eine Herzensangelegenheit, bei der Geld keine Rolle gespielt hat.

Chris:
Bevor wir weitermachen: Welche Songs waren eigentlich auf dem ursprünglichen Demo, auf das letztendlich alles hinausläuft?

Rob:
'I'm A Warrior', 'Fly Away', 'Heart's On Fire', 'Only Love', 'Tears That I Cry' und 'I Believe In Love'. 'Change Of Heart' war außerdem auf einem 4-Track-Demo, das wir für Atlantic gemacht haben - muss so 1989/1990 gewesen sein. Die restlichen Songs sind alle komplett neu, wobei wir stark darauf geachtet haben, dass sie zur ursprünglichen EP passen. Die Fans wollten genau das Album, das 1990 erschienen wäre, so dass wir hart daran gearbeitet haben, den Geist und den Stil dieser Zeit einzufangen. Wir haben nie probiert, ein neues Album zu schreiben, sondern eher eine schlüssige Sammlung von klassischen DRIVER-Songs abzuliefern.

Chris:
Im Laufe der Jahre wurden ja bereits 'Change Of Heart' (von Bruce Dickinson) und 'I'm A Warrior' (von dir selbst) für jeweilige Soloalben verwendet. Warum habt ihr sie trotzdem nun noch einmal neu aufgenommen?

Rob:
Wir hätten niemals 'I'm A Warrior' weglassen können. Die Fans hätten uns umgebracht. Dieser Song war auf der Original-EP, so dass er einfach dazu gehört. 'Change Of Heart' wurde ebenfalls von den Leuten gefordert, denn die Originalaufnahme ist der Hammer. Bruce mochte den Song ebenfalls sehr und hat ihn später mit Roy für eines seiner Soloalben verwendet. Es ist aber ein Song von DRIVER und wir wollten den Fans einfach zeigen, wie die Originalversion geklungen hat.

Chris:
Kannst du dich denn nach mehr als achtzehn Jahren noch mit dem Sound identifizieren? Immerhin entwickelt man sich ja auch weiter...

Rob:
Auf jeden Fall. Ich bin wirklich glücklich mit dem Album und wir haben alle Ziele, die wir uns im Vorfeld gesteckt haben, auch erreicht. Es macht mir auch unglaublich Spaß, mal ein bisschen anders und relaxter als beispielsweise auf meinen Soloscheiben zu singen. Ich bevorzuge es eh, in den verschiedenen Bands oder für die unterschiedlichen Scheiben, auf denen ich singe, immer ein bisschen anders zu klingen. Ich versuche mich dabei der jeweiligen Musik anzupassen und das Maximum herauszuholen. Das unterscheidet mich von den meisten Sängern im Metalbereich, die immer nur einen Gesangsstil haben. Auf der anderen Seite kann man es sowieso nicht jedem Recht machen. Ich gebe immer mein Bestes und muss damit zufrieden sein, denn letztendlich muss vor allem ich damit leben.

Chris:
Auf das Album haben es letztendlich gleich drei Balladen geschafft. Hätte es nicht auch die eine oder andere weniger sein dürfen, und dafür vielleicht ein weiterer Power-Song wie 'Sons Of Thunder'?

Rob:
Nun ja, auf der damaligen EP waren halt schon zwei Balladen drauf und mit 'Change Of Heart', eine absolute Hitsingle, kam eben die dritte ruhige Nummer dazu. Noch einmal: DRIVER stehen eher für großartige Songs mit enorm vielen Melodien, nicht unbedingt für harte und schnelle Nummern. Damit hätten wir den Charakter der Scheibe etwas verfehlt.

Chris:
Okay, vielleicht bin ich tatsächlich mit den falschen Erwartungen, die nicht zuletzt durch die Ankündigungen der Plattenfirma geweckt wurden, an die Scheibe herangegangen.

Rob:
Nur M.A.R.S. kann M.A.R.S. sein. DRIVER ist eine Hard-Rock-Band mit Singles. Kein klassisch orientierter Metal.

Chris:
Geschnallt. Das heißt, ihr habt nicht versucht, ein modernes Album mit wirklich frischen Ideen zu schreiben, sondern habt bewusst in Kauf genommen, mittlerweile eventuell schon bekannte Songstrukturen oder Melodien zu verwenden, richtig?

Rob:
Könnte man so sehen.

Chris:
Wie lang habt ihr denn in das Songwriting für die neuen Songs verwendet, oder wurden die sogar erst im Studio geschrieben?

Rob:
Mal so, mal so. Normalerweise starte ich mit einem Demo und mache den Song im Studio dann fertig. Ich bin nie wirklich mit einem Song zufrieden, so lange er nicht komplett aufgenommen und an die Plattenfirma geschickt wurde. Es wird also ständig etwas geändert und verbessert.

Chris:
Haben wir es hier denn mit einer richtigen Band zu tun oder eher doch einem Projekt von Gitarrist Roy Z und dir?

Rob:
Definitiv eine Band. Neben Roy Z und mir sind noch Originalschlagzeuger Reynold Butch Carlson, Keyboarder Ed Roth und Bassist Aaron Samson mit von der Partie. Wir sind bereit, einen Schritt weiterzugehen. Wenn die Fans wollen, dann kommen wir auf Tour und werden ein weiteres Album machen.

Chris:
Gibt es denn schon konkrete Pläne für eine Tour?

Rob:
Wir sprechen gerade darüber, es steht aber noch nichts fest. Eventuell wird es 2009 auch weitere Konzerte von Rob Rock geben.

Chris:
Zurück zum Album: Etwas überrascht bin ich von der sehr handzahmen Produktion von Roy Z, der ja normalerweise ein richtiges Brett fährt.

Rob:
Wir wollten uns auch bei der Produktion eher an der Musik orientieren. Bei DRIVER stehen die Gitarren nicht so im Vordergrund wie vielleicht bei meinen Soloscheiben, daher passt dieser Sound einfach besser. Du solltest dir mal ein Bootleg der EP besorgen, denn dann wirst du wissen, was ich meine.

Chris:
Danach sollte ich vielleicht tatsächlich mal Ausschau halten, sofern es mein knapper Geldbeutel denn hergibt. Du hast mittlerweile so viele Scheiben veröffentlicht, wo würdest du "Sons Of Thunder" in deinem persönlichen Ranking einstufen?

Rob:
Ganz nah am Gipfel. Wir haben das, was wir uns vorgenommen haben, perfekt umgesetzt. Ich bin wirklich glücklich mit dem Endresultat. Die Songs sind großartig und die Produktion ist rund.

Chris:
Die Promo-CD von "Sons Of Thunder" wurde mit teilweise recht heftigen Ausblendungen der Songs verschickt. Das macht das Hören der Songs nicht unbedingt einfacher. Warst du an dieser Entscheidung beteiligt, denn nicht alle Promoscheiben von "Metal Heaven" besitzen diese Beschneidungen?

Rob:
Das war ein Versuch, den Diebstahl der Songs durch Vorabveröffentlichung im Internet zu verhindern. Offensichtlich hat es aber nicht geklappt, denn die Scheibe stand schon Monate vorher im Netz. Ich denke, das ist erbärmlich und unfair. Ich habe die Ausblendungen auch gehört und wünschte, du hättest die Songs in ihrer vollen Länge hören können, denn da sind einige starke Sachen einfach unter den Tisch gefallen. Es tut mir echt leid, aber die Fans werden die kompletten Songs bekommen.

Chris:
Das will ich ja auch stark hoffen, haha. Wie sieht die allgemeine Zukunftsplanung von Mr. Rock aus?

Rob:
Ich plane eine Live-DVD/CD (seiner Soloband - Anm. d. Verf.) vom Auftritt beim "Progpower 9"-Festival in Atlanta, Georgia, zu veröffentlichen. Wir haben ein Hammerset gespielt und ich kann es schon kaum erwarten, endlich mit der Bearbeitung des Filmmaterials beginnen zu können. Die DVD/CD wird 2009 über AFM Records erscheinen.

Chris:
Hast du keine Angst, irgendwann überpräsent zu sein? Dein Kollege, Jorn Lande, hatte damit eine Zeitlang zu kämpfen...

Rob:
Nein. Es ist besser auszubrennen, als einfach zu verschwinden. Es gibt eine komplett neue Generation an Musikfans, die eventuell noch nie von mir gehört hat. Hoffentlich werden sie es bald tun.

Chris:
Wie viele Takes brauchst du eigentlich pro Song im Studio?

Rob:
Drei. Mit dem ersten Durchgang wärme ich mich noch ein bisschen auf. Beim zweiten Mal gebe ich dann alles. Im dritten Durchlauf verbessere ich einzelne Parts, die ich in den ersten beiden Versuchen noch nicht hundertprozentig geschafft habe. Normalerweise ist der zweite Take der Entscheidende.

Chris:
Singst du lieber abends oder direkt nach dem Aufstehen?

Rob:
Ich bevorzuge den Abend. Doch habe ich in der Vergangenheit manchmal absichtlich morgens gesungen, um einen speziellen Ton zu bekommen, den ich für einen bestimmten Song gesucht habe.

Chris:
Nutzt du die moderne Technik mit all ihren Kopiermöglichkeiten?

Rob:
Das hängt ganz vom Tontechniker, dem Studio und letztendlich dem Produzenten ab. Wenn es nach mir geht, würde ich jeden Refrain singen, um ihnen allen eine andere Note zu geben.

Chris:
Du bist jetzt schon lange dabei. Woher nimmst du noch die Ideen für Melodien und Texte? Hast du keine Angst, dich irgendwie dauernd zu wiederholen?

Rob:
Ich versuche natürlich, mich nicht zu wiederholen. Normalerweise brauche ich als Inspiration nur die Gitarren und den Rhythmus der Drums, um ein bestimmtes Gefühl für den Song zu bekommen. Dann schaue ich mir die Nachrichten im Fernsehen an, um Ideen zu sammeln, oder lese die Bibel, um einen anderen Blick auf die gleichen Dinge zu bekommen. Außerdem schreibe ich mir coole Dinge und Phrasen auf, die ich im Laufe des Tages gesagt oder gehört habe. Man weiß nie, wofür man es mal gebrauchen kann.

Chris:
Wie weißt du, dass eine Melodie, die du gerade geschrieben hast, eine wirklich große ist?

Rob:
Wenn ich sie am nächsten Tag unter der Dusche noch singen kann und mich ohne Anstrengung daran erinnern kann. Ich probe sie immer wieder und feile daran, bis sie eine richtige Hookline geworden ist.

Chris:
Du hast ja einen religiösen Hintergrund und bist auch schon auf diversen christlichen Festivals oder Events aufgetreten. Gibt es einen Karren, vor den du dich niemals spannen lassen würdest?

Rob:
Kann ich dir nicht sagen. Bisher bin ich noch in keine Situation geraten, wo ich mir darüber hätte Gedanken machen müssen. Ich habe schon viele große Festivals gespielt und einige davon waren christliche Events. Das tangiert mich nicht wirklich. Ich bin da, wo man mich haben will.

Chris:
Okay, Rob. Vielen Dank für das etwas kritische Interview. An dieser Stelle wäre nun ein bisschen Platz, um ein paar Worte an deine deutschen Fans zu richten...

Rob:
Hello Germany! You guys know how to rock the earth and I look forward to see you again soon in 2009. Thank you for all of your support. It's always a pleasure for me to come to Germany.

Redakteur:
Chris Staubach

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