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DRILLER KILLER: Interview mit Cliff

22.03.2006 | 14:37

"The 4QMangrenade". Ein Albumtitel, ein Statement und Zusammenfassung der Musik, die sich dahinter verbirgt. Kaum in den Player gelegt, explodiert auch schon die ganze Bude, alles stinkt umgehend nach Bier, und man kann testen, was 'ne Fensterscheibe letztlich alles aushält. Die Urheber dieser Attacke nennen sich DRILLER KILLER und asseln sich seit über zehn Jahren durch die Hardcore-Punk-Szene. Bandsprachrohr Cliff gab sich im Interview zwar etwas zugeknöpft und konnte sich auch nicht an jede Einzelheit erinnern, lieferte aber trotzdem ein paar unterhaltsame Einblicke in den ganz gewöhnlichen Crust-Wahnsinn. Und wer schon immer wissen wollte, warum der Stuttgarter Zoo einen Besuch wert ist, liest am besten weiter.

Oliver:
Hi Cliff! Erst mal Glückwunsch zum neuen Album. Ist 'ne ziemliche Bombe geworden.

Cliff:
Danke!

Oliver:
Wie konnte es überhaupt so weit kommen? Immerhin schreiben wir bereits das Jahr 2006, und ihr seid immer noch da. Irgendwas ist also gründlich schiefgelaufen, oder?

Cliff:
Wir sind wie dein Arschloch, wir werden immer da sein. Und wir treten Arsch wie immer.

Oliver:
Fast hättet ihr aber gar keine Arschtritte mehr verteilt, da bei euch erneut das kollektive Chaos ausgebrochen war. Erzähl mal, was passiert ist.

Cliff:
Wir haben im ganzen Jahr 2004 Schlagzeuger und Bassisten getestet, aber nix passte so richtig. Anstatt uns bei den Rehearsals für die Posten gegenseitig auf die Nerven zu gehen, entschieden wir uns, komplett anderem Kram nachzugehen. Das machte es aber im Gegenzug nicht leichter, das Schiff in Gang zu setzen, während die Crew an Bord ging. Wir buchten dann das Studio, mussten alles über den Haufen werfen und buchten wieder. Dann gab's Verzögerungen und noch mehr Verzögerungen. Blabla… Ich kann mich eigentlich nicht mehr so genau erinnern.

Oliver:
Das Ganze fing ja damit an, dass sich euer Bassist Svend unter sehr mysteriösen Umständen aus der Band ausgeklinkt hat.

Cliff:
Das ist verrückt. Er drehte komplett durch, wirklich komplett. Er konnte sich keine neuen Songs merken und die alten nicht mehr spielen. Er machte es sich zur Gewohnheit, auf die Bühne zu kotzen und gab uns Namen, die du sonst nur deinem Hund gibst. Mit anderen Worten: Er stand unter dem Pantoffel und wurde später abserviert. Ich glaube, er wohnt jetzt in Kanada oder irgendwo da in der Nähe.

Oliver:
Trotz allem habt ihr es dann doch in ein Studio geschafft und 'ne sehr spontan klingende Platte eingetrümmert. Wie lange haben die Aufnahmen letztlich gedauert?

Cliff:
Vierzehn Tage, glaube ich. Wir brauchten am Ende mehr Zeit, als wir eigentlich geplant hatten, da sich das Chaos in der Band bis in den Aufnahmeprozess zog. Als wir mit dem Mix anfingen, hatte ich erst sechs Tracks eingesungen. Der Plan war, alles schnell und easy über die Bühne zu bringen, so dass wir am Ende nicht mit einem "Cold, Cheap & Disconnected Vol.2" (Album aus dem Jahr 2002 - Anm. d. Verf.) dastehen, weil das die verdammenswerteste Platte meiner gesamten Karriere war, aber wie du vielleicht weißt, auch das verflucht beste DRILLER KILLER-Album bis jetzt.

Oliver:
Coole Platte, keine Frage. Allerdings knallt "The 4QMangrenade" auch ordentlich. Wer ist eigentlich mit dem extrem lässigen Titel gemeint?

Cliff:
Er oder sie muss eine mies gelaunte Person mit 'ner bestimmten Einstellung sein, glaube ich - so 'ne Art menschliche Handgranate oder in unserem Fall: die "4QBandgrenade". Wie auch immer: "Kakeface", der Typ, der auf dem Cover und dem Poster der limitierten Vinyl-Edition zu sehen ist, ist das Biest, von dem wir hier reden. "Buy now or suffer in kake!"

Oliver:
Wo wir gerade bei Freaks sind: Wer würde bei euch die "Hässlichkeits-Formel-Eins" ('Ugliness Formula One'; ein Song der Platte - Anm. d. Verf.) gewinnen?

Cliff:
Diese Kreatur, die mal in einem Käfig im Stuttgarter Zoo lebte. Das war so 'ne Art Lebewesen, das von zurückgebliebenen Hippie-Mutanten abstammte. Unfassbar hässlich wurde es als Pflanze - oder noch besser: Kraut - aufgezogen. Eine Bedrohung für das Universum und in jeder Beziehung wertlos.

Oliver:
Antwort des Monats! Dann bin ich auch mal auf die Erklärung gespannt, wer sich hinter 'The Fast, The Fucked, The Furious' verbirgt.

Cliff:
Das sind wir. Aber nicht in diesem Zusammenhang. Der Song handelt von einem Freund, der letztlich kein Freund war. "We were both fast but when he got totally fucked I got fuckin' furious."

Oliver:
Lass uns kurz konkret über die Musik sprechen: Ihr habt auf der Platte einen Fünfzig-fünfzig-Mix aus dreckigem, räudigem Hardcore-Punk und dreckigem, räudigem Rock'n'Roll. Hat sich das einfach so ergeben oder wolltet ihr ein solches Gleichgewicht auf der Scheibe haben?

Cliff:
Teilweise. Alle Absichten, die wir hatten, als wir mit den Aufnahmen anfingen, lösten sich ganz schnell in Rauch auf. Das Interessante war, dass ich mich gar nicht mehr erinnern konnte, was sie eigentlich waren. Ich musste Tage damit zubringen, Texte umzuschreiben und einige Sachen zu ändern, die nicht so funktionierten, wie sie eigentlich sollten. Und beim finalen Mix haben sich dann noch zwei Tracks verabschiedet, die ich für die Höhepunkte hielt und von denen ich dachte, dass sie jeden anderen Song killen könnten. Aber im Nachhinein war es besser so.

Oliver:
Wie würdest du den DRILLER KILLER-Sound im Jahr 2006 eigentlich generell definieren?

Cliff:
Er ist wie das Ozonloch, er wird mit jeder "DKade" größer und gefährlicher.

Oliver:
Ihr ward noch nie 'ne Hardcore-Band, die mit einem Begriff wie "straight edge" in Verbindung gebracht werden konnte. Hattet ihr jemals Probleme mit der Hardcore-"Elite"?

Cliff:
Wir sind die Hardcore-"Elite"!

Oliver:
Hast du unter den aktuellen Hardcore-Truppen einen Favoriten?

Cliff:
Ich mag ACCION MUTANTE - obwohl sie aus Stuttgart sind.

Oliver:
Okay, dann lass uns bei diesem kurzen Frage-Antwort-Spiel bleiben. Ich nenne dir ein paar Begriffe, und du kommentierst sie bitte. Los geht's: Crust.

Cliff:
Crust ist 'ne Sounddefinition.

Oliver:
Metalcore.

Cliff:
Wovon zur Hölle redest du?

Oliver:
Jetzt darfst du dich zwischen zwei Sachen entscheiden. "Dawn Of The Dead" oder "Day Of The Dead"?

Cliff:
'Today Of The Dead' (ein Track der Scheibe - Anm. d. Verf.) mit DRILLER KILLER.

Oliver:
Emo oder Screamo?

Cliff:
Ich ziehe Demotapes vor.

Oliver:
"Ace Of Spades" oder "Bomber"?

Cliff:
"Bomber".

Oliver:
CRADLE OF FILTH oder DIMMU BORGIR?

Cliff:
"Cliffteen and life you got it!"

Oliver:
Logisch. Bier oder Whiskey?

Cliff:
"Red Bull Amphetamine Special".

Oliver:
Wirf doch abschließend mal einen Blick in die Zukunft. Was machst du in zehn Jahren?

Cliff:
Ich werde am 14. DRILLER KILLER-Album arbeiten. Titel: "4QU Barbecue".

Redakteur:
Oliver Schneider

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