top banner 156
side banner 157

DE/VISION: Interview mit Steffen Keth

01.01.1970 | 01:00

DE/VISION sind bereits seit 15 Jahren in der hiesigen elektronischen Szene aktiv. Man könnte also die beiden symphatischen Musiker Steffen Keth und Thomas Adam als alte Hasen im Musikzirkus bezeichnen. Ihre neue Scheibe "6 Feet Underground" wurde deutschlandweit erwartet und herbeigesehnt. Am 28.06.04 ist es soweit und der neue Sturmlauf der Bensheimer nimmt seinen Lauf. Ich kontaktierte vorab Sänger und Komponist Steffen, um ihm einige Infos zur neuen Scheiblette zu entlocken.

Alex:
Zunächst einmal würde ich gerne etwas zur Geschichte DE/VISIONs wissen. Könnt ihr mich hinsichtlich eurer musikalischen und unmusikalischen Wurzeln auf den neuesten Stand bringen?

Steffen Keth:
Thomas und ich kennen uns schon über 20 Jahre und seit der Gründung von DE/VISION 1988 gehen wir diesen Weg gemeinsam. Anfangs bestand die Band aus den vier Mitgliedern Stefan Blender, Markus Ganßert, Thomas Adam und Steffen Keth. Die ersten Veränderungen vollzogen sich dann im April 1991, da Stefan seinem Privatleben den Vorzug gab. Den ersten Vertrag unterschrieben wir dann 1993 bei Strange Ways Records – Hamburg. 1996 dann erster Charterfolg mit dem Album "Fairyland?", 1997 dann Wechsel zum Major Wea Records, auf dem wir weitere Erfolge feiern konnten. In dieser Phase fingen wir dann auch an, uns Gedanken über musikalische Veränderungen zu machen, die wir dann auf "Void" auslebten. Auch live zollten wir dieser Veränderung Tribut, und touren seitdem mit Schlagzeuger und Gitarrist durch die Lande. Durch ausbleibenden großen Charterfolg dann die Trennung vom Major Wea im Frühjahr 2000. Auch innerhalb der Band lief es nicht mehr rund, und so kam es im August 2000 zu einer weiteren Trennung. Markus Ganßert, der musikalisch andere Wege einschlagen wollte, verließ die Band. In Drakkar/E-Wave Records hatte man aber sehr schnell eine neue Heimat gefunden, mit der man bis zum heutigen Tage sehr gut zusammenarbeitet. Im Juli 2003 wurde dann der letzte Schnitt vollzogen, und man trennte sich vom langjährigen Management der Band. 16 Jahre Musikbranche, mit all ihren Höhen und Tiefen.

Alex:
Die meisten Reaktionen auf "6 Feet Underground", auch die der großen Fanzines, waren überwiegend positiv und überschwänglich. Einige sprechen von eurer bisher besten Scheibe. Wie seht ihr das?

Steffen Keth:
Natürlich freut es uns, wenn wir auf positive Resonanz mit dem neuen Album stoßen. Die meisten Bands erzählen auch von ihrer neusten Scheibe, dass es ihr bislang bestes Album sei. Für mich steht fest, dass wir nun einen wirklich würdigen Nachfolger des heiß diskutierten 2000er-Albums "Void" erschaffen haben.

Alex:
Ihr habt zu dem Song 'Unputdownable' auch ein Video produziert. Wie lief die Produktion ab und wer war alles daran beteiligt?

Steffen Keth:
Das Video wurde von den AVA-Studios/Nürnberg gedreht. Drehort war außerhalb von Berlin, in der Nähe von Bernau. Die Kulisse war ein Schloss, welches aber durch die Wirren der Zeit als solches nicht mehr zu erkennen war. Die Story ist gleich erzählt, da es diese nicht wirklich gibt. Es sollten einfach schöne Bilder entstehen, die den Song visuell unterstützen. Im Video selbst sind ausnahmslos nur Steffen und Thomas zu sehen, obwohl wir bei einer Szene nicht ganz sicher sind, ob dass nicht unser verwunschener Produktmanager Marius ist. Habe seitdem nix mehr von dem gehört *hahaha*

Alex:
"6 Feet Underground" ist meiner Meinung nach zweischneidig ausgefallen. Einerseits sehr sonnig und freundlich, andererseits sehr finster und sperrig. Was sagst du dazu?

Steffen Keth:
Genau so sehen wir das auch, da in uns natürlich zwei Seelen brennen, die natürlich musikalisch zum Ausdruck gebracht werden wollen. Zum einen sind wir überwiegend positiv denkende Charaktere, aber ab und an gewinnen die etwas morbiden, düsteren Gedanken die Oberhand. Ich denke, nur wenn man beiden Seiten seines Wesens gewisse Freiheiten gewährt, kommt es zu dieser Ausgewogenheit. Ich muss aber sagen, dass für uns die positiven Momente auf "6 Feet Underground“ deutlich überwiegen, auch wenn es der Albumtitel nicht unbedingt suggeriert.

Alex:
Kannst du mir etwas über die Texte auf "6 Feet Underground" erzählen?

Steffen Keth:
Thomas verarbeitet in seinen Texten Dinge, die um ihn herum ´geschehen, die er aufnimmt, und auf seine eigene Art lyrisch verpackt. Über die textlichen Inhalte haben wir schon in der Vergangenheit nicht in der Öffentlichkeit geredet, und wollen diese Linie auch beibehalten, da es uns ein zuwider ist, dem Hörer alles vorzuschreiben. Für uns als Künstler ist es nicht immer wichtig, dass man uns gleich versteht (musikalisch wie auch textlich). Es ist es eine größere Genugtuung, wenn wir feststellen, dass man sich mit unserer Musik beschäftigt und sich seine eigenen Gedanken zu den Songs macht.

Alex:
Wie entstehen eure Songs? Setzt ihr euch gemeinsam in einen Raum um kreativ zu werden oder arbeitet jeder für sich seine Ideen aus?

Steffen Keth:
Unsere Arbeitsweise hat sich all die Jahre bewährt, und für das Songwriting bin ich verantwortlich. Mir ist es auch wichtig, dass ich meine Ideen anfangs ohne Einflüsse von außen skizzieren kann. Erst wenn ich der Meinung bin, dass ich die Grundidee eines Songs gut finde, befördere ich diese an die Oberfläche und spiele sie dann Thomas vor. Wenn er dann der Meinung ist, dass er damit nichts anfangen kann, wird der Song nicht weiterverfolgt. Es ist aber schon sehr erstaunlich, wie wir in all den Jahren zusammengewachsen sind, denn bis auf kleine Reibungspunkte klappt die Zusammenarbeit sehr gut. Genauso verfahren wir mit den Texten, für die Thomas alleinig zuständig ist. In enger Zusammenarbeit mit unserem Produzententeam Schumann & Bach entsteht dann ein Album wie "6 Feet Underground"

Alex:
Wie sieht es dieses Jahr mit euren Tourplänen aus. Ist schon irgendwas spruchreif?

Steffen Keth:
Natürlich werden wir auch unser neustes Werk den Fans und Gönnern unserer Musik live darbieten. Ab September sind wir für 16 Shows in Europa unterwegs und was uns ganz besonders freut, ist die Tatsache, dass wir erstmalig auch in Italien spielen werden. Für unsere deutschen Shows kann man übrigens Originaltickets unter www.poponaut.de günstig erwerben. Für den Oktober sind dann weitere Konzerte im Ausland geplant. Russland werden wir für zwei Shows besuchen, und wir hoffen auch noch ein paar Konzerte in den USA spielen zu können.

Alex:
Ihr seid in diesem Jahr auf dem Wave-Gotik-Treffen aufgetreten. Als Headliner habt ihr die Truppe im Haus Auensee angeführt. Irgendwelche Impressionen?

Steffen Keth:
Uns ist aufgefallen, dass die Stimmung im Haus Auensee um ein Vielfaches besser war als bei unserem letzten Gig im Rahmen des WGTs. Es war auch eine gute Möglichkeit, zwei neue Songs aus "6 Feet Underground" dem Publikum zu präsentieren, und nach der langen Phase des Songwritings und der anschließenden Produktion des Albums eine gelungene Abwechslung. Es hat ne Menge Spaß gemacht, und gerade aus dem Ausland haben wir sehr viele positive Reaktionen erhalten, da uns die meisten natürlich zum ersten Mal live erlebt haben und doch sehr überrascht waren, dass wir nicht in dieses typische Klischee eine Elektroband passen.

Alex:
Was erwartet ihr hinsichtlich der Veröffentlichung von "6 Feet Underground" von eurem Label Drakkar?

Steffen Keth:
Unsere Erwartungen haben Drakkar schon längst erfüllt. Sie haben uns den Freiraum gegeben, den wir benötigen, um solch ein Album zu erschaffen. Natürlich hoffen wir nun, das in uns gesetzte Vertrauen zu erfüllen. Wir als Band sind wirklich sehr froh darüber, mit diesem Label arbeiten zu dürfen, denn unsere Bandgeschichte hat gezeigt, dass es auch anders laufen kann. Ich hoffe, dass unsere Fans dies auch so sehen, und sich dies in den Verkaufszahlen niederschlagen wird. Nur so ist es gewährleistet, dass wir auch weiterhin unsere Kreativität so freizügig ausleben können.

Alex:
Ihr habt seit 1990 unzählige Scheiben veröffentlicht. Kannst du das Gefühl beschreiben, das bei jeder anstehenden Veröffentlichung vorherrscht?

Steffen Keth:
Natürlich ist man auf eine gewisse Art gespannt, wie das Album in der Öffentlichkeit ankommt. Trotz alledem sind wir um einiges entspannter geworden. Es würde uns einfach freuen, wenn wir, wie oben schon erwähnt, das in uns gesetzte Vertrauen honorieren könnten.

Alex:
Wie sieht es in nächster Zeit mit Projekten aus? Irgendwas am Start?

Steffen Keth:
Die eine oder andere Idee steht im Raum, aber wirklich spruchreif ist davon im Moment noch nichts

Alex:
Wie würdest du unseren Lesern DE/VISION in deinen eigenen Worten beschreiben?

Steffen Keth:
Wir sind "Unputdownable".

Alex:
Was erwartet den geneigten Hörer auf euren Konzerten?

Steffen Keth:
Im Moment arbeiten wir gerade mit unserem Lichtdesigner Daniel Faillia an einer sehr geilen Lightshow für die anstehende Tour im Herbst. Auf der Bühne werden wir wie all die Shows zuvor von Achim Färber am Schlagzeug und Lars Baumgardt an der Gitarre unterstützt. Wir werden eine Mischung aus alten Songs und der neuen Scheibe "6 Feet Underground" spielen, so dass jeder Fan, ob lange dabei oder erst neu hinzugekommen, auf seine Kosten kommen wird.

Alex:
Irgendwelche letzten Worte an eure Fans?

Steffen Keth:
Wir danken euch, dass ihr uns all die Jahre die Treue gehalten habt und wir dadurch unseren Traum verwirklichen konnten. Natürlich hoffen wir, dass dies noch etliche Zeit so bleiben wird. J

Alex:
Alles klar, Steffen. Ich wünsche euch ein erfolgreiches Jahr 2004 und positive Fanresonanzen auf "6 Feet Underground". Verdient hat es diese tolle Scheibe allemal.

Steffen Keth:
Freut uns, dass auch bei dir die Scheibe solch einen Anklang findet, wir danken für das Interview und warten nun mal ab, wie sich die zweite Hälfte des Jahres für uns entwickelt.

Kontakt: DE/VISION; Postfach 550105; 10371 Berlin; www.devision-music.de; band@devision-music.de






Redakteur:
Alex Straka

Login

Neu registrieren