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DECADENCE: Interview mit Metallic Kitty

21.01.2009 | 11:06

Metallic Kitty, die Sängerin der schwedischen Thrasher DECADENCE, sprach mit uns über ihre Band, den aktuellen Dreher "3rd Stage Of Decay", aber auch über ein an sich hier nur schwer denkbares Thema: Puppen.

Meiner Meinung nach ist es mittlerweile durchaus als "dekadent" im eigentlichen Sinne des Wortes zu bezeichnen, dass unzählige hoffnungsvolle Formationen trotz hochwertiger Veröffentlichungen nicht in gebührender Form respektiert werden. Ich will hier aber erst gar nicht mit Begriffen wie Ignoranz oder dergleichen auffahren, sondern mich doch eher zurückhalten. Allerdings ist es schon bedenklich, dass durch den "Überschuss" an Neuerscheinungen mitunter eintritt, dass immer mehr Nachwuchsformation mehr oder weniger unterzugehen drohen, weil ihnen gegenüber dekadentes Verhalten an den Tag gelegt wird.
Aber egal, es bleibt schließlich jedem selbst überlassen, womit er sich das Leben versüßt. Sollte das Verlangen nach hochklassigem Thrash Metal mit brachialem Damengesang gegeben sein, folgt meinerseits die dringende Empfehlung sich eingehend mit DECADENCE zu befassen. Die SchwedInnen haben vor kurzer Zeit ihr bereits drittes Album mit dem Titel "3rd Stage Of Decay" zum wiederholten Male in Umlauf zu bringen versucht und konnten zumindest mich damit voll und ganz überzeugen.
Sängerin Metallic Kitty gibt sich nicht nur am Mikro keinerlei Blöße, das Mädel hat sich auch als sehr eloquente Interviewpartnerin entpuppt.

Walter:
Da DECADENCE hierzulande immer noch knöcheltief im Underground verankert sind, bitte ich zunächst um die Historie der Formation:

Kitty:
Um die Ursprünge der Band zusammenzufassen, muss ich zwar ein wenig ausholen, aber ich denke, ich werde in wenigen Sätzen das Wichtigste vermitteln können. DECADENCE wurden im Jahr 2003 in Stockholm gegründet. Mit von der Partie waren zu Beginn Kenneth Lantz (g.), Simon Galle (g.), Joakim Antman (b.), Erik Röjås (dr.) und meine Wenigkeit. Seit dieser Zeit haben wir ein Demo und drei Alben aufgenommen und sind im Moment (wenn auch nur noch zu viert, da nur noch Kenneth die Saiten dehnt) sogar schon damit beschäftigt unser viertes Studioalbum aufzunehmen. Unser aktuelles Album "3rd Stage Of Decay" ist nunmehr weltweit über Massacre Records erschienen. Unsere Musik bezeichnen wir selbst als Melodic Thrash Metal, wir sehen uns ein klein wenig als Bindeglied zwischen Melodic Death und Thrash Metal, denn bei uns findet man sowohl die Aggression des Thrash, wie auch die Härte des Death Metal, allerdings verzichten wir auf Keyboards um nicht an Heftigkeit zu verlieren. Stattdessen wird man DECADENCE wohl auch deshalb als eigenständig anerkennen, weil ich versuche mit meinem Gesang die Extreme vom Growlen bis hin zum Schreien auszuloten, was verdammt gut zu unserem Sound passt.

Walter:
Es ist dir und euch auch fraglos gelungen, ein eigenständiges Werk abzuliefern, ganz ohne "Fremdeinwirkung" hat das aber noch niemand geschafft. Welche Bands lassen sich denn als gemeinsame Nenner für DECADENCE angeben, um eure Einflüsse dingfest machen zu können?

Kitty:
Unsere Roots liegen sicher im Thrash Metal, aber auch aus dem Death-Metal-Bereich gibt es jede Menge an Einflüssen herauszuhören. Wir versuchen die Härte und den Speed mit zwingenden Melodien zu verquicken und zudem auch den technischen Anspruch nicht zu kurz kommen zu lassen. Wichtige Bands, die es diesbezüglich zu nennen gilt, sind auf jeden Fall METALLICA und KREATOR, aber auch DEATH und TESTAMENT.

Walter:
Wie du bereits selbst erwähnt hast, kommt "3rd Stage Of Decay" nicht zum ersten, sondern mittlerweile bereits zum dritten Mal in die Läden. Was hat es damit auf sich?

Kitty:
Zunächst haben wir das Album in Eigenregie eingespielt und über das Mini-Label HTI-Records in limitierter Version aufgelegt. Diese ursprüngliche Ausgabe stammt übrigens bereits aus dem Jahr 2006. Ein gutes Jahr später haben wir dann einen Deal bei Spiritual Beast für den japanischen Markt erhalten und das Album erschien dort quasi "offiziell" über besagte Firma. Mittlerweile konnten wir bei Massacre Records einen weltweiten Veröffentlichungsdeals einstreichen und deshalb ist "3rd Stage Of Decay" im August 2008 zum dritten Mal aufgelegt worden.

Walter:
Wie sind denn die Reaktionen darauf ausgefallen?

Kitty:
Es war schlichtweg überwältigend, die zahlreichen Reviews, die noch dazu allesamt positiv und wohlwollend ausgefallen sind, zu lesen und mitzuverfolgen. Es macht uns sehr glücklich und bestärkt uns immens in unserer Vorgehensweise. Ihr könnt euch jetzt schon auf das nächste Album freuen!

Walter:
Warum gerade Massacre Records? Wie kam die Zusammenarbeit zustande?

Kitty:
Im Prinzip haben wir es unserem Freund Maurice Swinkels (LEGION OF THE DAMNED) zu verdanken, denn er hat das Label quasi dazu überredet, sich mit unserer Musik näher zu beschäftigen und nur kurze Zeit später hatten wir bereits ein Angebot von Massacre auf dem Tisch.

Walter:
Gibt es eine bestimmte Erfolgserwartung hinsichtlich dieser Zusammenarbeit?

Kitty:
Auch wenn wir bereits das dritte Album am Start haben, sehen wir uns selbst noch als Debütanten. Zwar waren wir uns schon 2006 bewusst, dass "3rd Stage Of Decay" unser bislang stärkstes Album sein würde, doch in Wahrheit hat uns, mit Ausnahme unserer wenigen, eingefleischten Fans, zuvor doch kaum jemand wirklich wahrgenommen und der Großteil der Metal-Heads wird wohl auch jetzt noch eher von einem Newcomer sprechen, wenn er den Bandnamen DECADENCE vernimmt. So gesehen ist es für uns ein Traum, nun endlich einen dermaßen imposanten Plattenvertrag zu besitzen und von daher muss ich auch zugeben, dass sämtliche Erwartungen, nämlich zumindest einigermaßen als Band wahrgenommen zu werden, mittlerweile erfüllt werden konnten.

Walter:
Das heißt, ihr seid mit eurer momentanen Business-Situation vollauf zufrieden?

Kitty:
Auf jeden Fall! Wir sind mit Sicherheit auch auf dem richtigen Weg und für den Anfang könnte es wohl auch kaum besser laufen.

Walter:
Erste Erfahrung mit Veröffentlichungen habt ihr ja bereits, wie aber sieht es an der Live-Front aus?

Kitty:
Wir haben auch diesbezüglich bereits ein wenig Erfahrung sammeln können, auch wenn sich unser Aktionsradius im Moment noch rund um Stockholm beschränkt. Unser bisheriges Highlight war eine gemeinsame Show mit CENTINEX und den norwegischen Black Metallern RAGNARÖK. Trotz völlig unterschiedlicher Fanscharen sind wir an jenem Abend von beiden "Gruppen" gut aufgenommen worden, das war ehrlich gesagt mächtig beeindruckend.

Walter:
Gibt es denn Pläne "3rd Stage Of Decay" auch live zu promoten, eventuell sogar im Rahmen einer Tournee?

Kitty:
Dieses Album promoten wir im Prinzip seit fast drei Jahren, deshalb bitte ich für eine Tournee noch um etwas Geduld, haha. Aber spätestens dann, wenn unser nächstes Werk fertig ist, hoffen wir auch bei euch in Deutschland gastieren zu können!

Walter:
Ist Deutschland denn euer einziger wichtiger Markt oder gibt es noch andere "dekadente" Regionen?

Kitty:
Im Moment sieht es so aus, als ob Deutschland wirklich der essentiellste Markt für uns wäre, aber natürlich läuft es auch in Japan ganz prima. Etwas überraschend kam für uns eher, dass es auch in den USA gar nicht übel für uns aussieht.

Walter:
Besteht denn euer "Erfolgsgeheimnis" zumindest zum Großteil darin, dass du als Sängerin mit von der Partie bist? Ich meine, ihr solltet zumindest sämtliche Fans von HOLY MOSES und auch ARCH ENEMY gewinnen können?

Kitty:
Ob man sich als Metal-Head bloß wegen der Sängerin für DECADENCE interessiert, bleibt jedem selbst überlassen. Für uns ist es jedoch viel wichtiger, dass sich die Fans für die Musik der Band begeistern können. Wir arbeiten und funktionieren schließlich als Team und wollen deshalb auch als solches gesehen werden.

Walter:
Sehr diplomatisch. Wie funktioniert denn das Teamwork, wenn wir vom Songwriting sprechen?

Kitty:
Kenneth Lantz und ich sind in erster Linie die Komponisten der Band, allerdings kommen spätestens im Proberaum, wenn aus ersten Ideen mitunter ganze Songs, zumindest aber Fragmente dafür entstehen, die Ideen aller Mitglieder ins Spiel. Diesen Entstehungsprozess haben wir uns angeeignet und es besteht überhaupt kein Grund daran etwas zu ändern, denn es funktioniert alles reibungslos.

Walter:
Zu den, auf beschriebene Weise fertig gestellten Songs kommen dann noch die Texte, die allesamt irgendwie zum Bandnamen passen, oder?

Kitty:
Ja, der Großteil der Texte behandelt in irgendeiner Form den Begriff "Dekadenz", wir lassen jedoch jede Menge an Interpretationsmöglichkeiten offen. Dadurch ergibt sich für den Betrachter auch der Umstand, dass unsere Texte nicht unbedingt positiver Natur sind. Da ich meine Inspirationen für die Lyrics mitunter sogar aus Albträumen beziehe, ist es nun einmal so, dass nicht alles immer nur wunderhübsch ist. Meine Texte können durchaus als Art Spiegel meiner Persönlichkeit betrachtet werden und beschreiben zumindest zum Teil Sequenzen meines ganz persönlichen Werdegangs.

Walter:
Diese sehr persönlichen Ansätze merkt man auch im Ausdruck deiner Stimme. Man kann durchaus von einem Seelenstriptease sprechen, wenn Kitty ihre lyrischen Ausführungen ins Mikro singt, röhrt, oder gar schnaubt. Aber dieses Mädel hat auch noch eine ganz andere, eine fast schon kitschige, zuckersüße Seite und jobbt nebenbei quasi als "Model", und zwar für eine Puppenkollektion. Für die Sängerin einer Underground-Band wohl definitiv Neuland, oder?

Kitty:
Eine eigenwillige Geschichte, ich weiß. Miko und Kisakino, zwei japanische Künstler, haben bereits vor einiger Zeit "Metallic Kitty"-Puppen entworfen. Zunächst war ich geradezu entsetzt, denn ich wusste nicht wirklich darüber Bescheid und bin eher zufällig über die Myspace-Seite von Miko dahinter gekommen, dass die beiden ihr zunächst eher scherzhaftes Unterfangen durchaus verwirklichen. Es hat mich allerdings sehr gefreut, dass Miko selbst ein großer DECADENCE-Fan ist, deshalb gab ich ihr und Kisakino meinen Segen dafür. Mittlerweile gibt es Puppenfiguren von mir in meiner Original-Bühnenkleidung [zu bestaunen auf http://metallickitty.decadence.se - d. Verf.], haha. Schon eigenartig, aber auch unterhaltsam. Die Figuren werden als Teil unseres Merchandise offiziell zu erhalten sein und werden mit Zertifikat und einem Autogramm von mir ausgeliefert. Um ehrlich zu sein, habe ich noch gar nicht darüber nachgedacht, dass mir damit etwas bestellt ist, was wohl zwar im Musik-Business, keineswegs aber im Underground alltäglich ist.

Walter:
Ich bin schon gespannt, was uns da diesbezüglich noch so ins Haus steht, Nachahmer gibt es ja überall. Was wir von DECADENCE in Zukunft zu erhaben, beantwortete "Model" Kitty wie folgt:

Kitty:
Wie schon erwähnt, befinden wir uns im Moment im Studio um unser nächstes Album einzuspielen. Die Schlagzeugarbeit ist jedoch bereits erledigt und auch die Rhythmusgitarren und auch der Bass sind mehr oder weniger fertig. Ursprünglich wollten wir ja schon im Spätherbst 2008 damit am Start sein, doch durch die abermalige Veröffentlichung von "3rd Stage Of Decay" haben wir sämtliche weiteren Tätigkeiten für "Album Nummer vier" nach hinten verschoben. Das exakte Veröffentlichungsdatum obliegt nun Massacre Records, die sich aber darum kümmern werden, dass es nicht allzu lange dauern wird. Ich fühle mich unseren eingeschworenen Fans gegenüber nämlich verpflichtet, sie nicht mehr lange warten zu lassen, denn sie müssen sich nunmehr bereits seit 2006 gedulden um endlich neues Material von uns zu erhalten. Um es kurz zu machen: Erwartet in Bälde ein ungemein intensives Werk von DECADENCE, auf dem wir unseren Melodic Thrash Metal auf noch höherem Level präsentieren werden!

Walter:
Wir nehmen dich beim Wort Kitty und erwarten ein mächtiges Thrash-Metal-Feuerwerk!

Redakteur:
Walter Scheurer

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