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DARKYRA BLACK: Interview mit Darkyra Black

28.03.2014 | 22:43

"Ich glaube, dass jede Frau von der endgültigen Liebe träumt. Davon, ihre Seele voll und ganz hinzugeben, also nicht nur körperlich, sondern auf eine Art und Weise, die nicht mit Worten beschrieben werden kann."

"Dragon Tears" markiert für mich schon jetzt ein ganz großes Highlight des Jahres 2014. Ich habe selten ein derart intensiv gesungenes Konzeptalbum gehört. Darkyra erzählt mir, dass sie mit Interviewanfragen überhäuft wird und ist bislang sehr zufrieden mit den Reaktionen. Ich bekomme auch meinen Slot und wir reden über Liebe, Emotionen, große Pläne und den bösen Bunyip.


Thomas:

Wunderschöne Darkyra, es ist mir eine große Freude, Dich mit ein paar lästigen Fragen zu ärgern. Du kommst aus Australien, einem Land, das momentan eine große Anzahl sehr kreativer Bands hervorbringt. Die meisten wie z.B. KARNIVOOL, DEAD LETTER CIRCUS oder CALIGULA'S HORSE sind allerdings eher dem Prog- oder Artrock zuzuordnen. DARKYRA BLACK ist  jedoch auch hier etwas Neues und Einzigartiges. Warum gibt es so wenige singende Frauen in Deinem schönen Land?

Darkyra:  

Hi, Thomas, erstmal Dankeschön für das Interview und Dein tolles Review. Um Deine Frage zu beantworten, nun, ich denke, dass die meisten singenden Frauen bei uns von Bunyip, einer großen, mystischen Gestalt aus der Mythologie der Aborigines, das in Sümpfen, toten Flussarmen, Flussbetten und -sohlen, Bächen und Wasserlöchern lauert, gefressen werden.

Böser Bunyip...

Haha, entschuldige, ich spiele nur mit Dir, weil ich wirklich nicht weiß, wie ich diese Frage beantworten soll. Es könnte einfach nur daran liegen, dass unsere Bevölkerung einfach nicht in der Lage ist, genügend Vokalisten dieser Kategorie zu erzeugen.

Das ist ja sehr gut für Dich. Kannst Du mir erzählen, was DARKYRA BLACK so besonders macht? Warum sollten sich die Leute anstatt neuer Alben von WITHIN TEMPTATION oder LACUNA COIL "Dragon Tears" kaufen?

DARKYRA BLACK hat schon einen ganz anderen Sound als die von Dir genannten Bands. Klar, wir sind gotisch, wir sind symphonisch und wir sind progressiv, aber wir sind auch noch mehr. Wir zeigen Herz und einen Grad an Emotion, wie ich ihn von keiner anderen Band in diesem Genre bisher gehört habe. Wir klingen zwar symphonisch, aber nicht synthetisch. Verstehe mich nicht falsch, ich liebe die genannten Bands und besitze alle ihre Alben, doch meine Intention ist es nicht, diese Künstler zu imitieren, ich will einfach ich selbst sein.

Ich finde, das ist Dir sehr gut gelungen. "Dragon Tears" erzählt eine Konzeptstory, die auch am Ende des Albums in einer Art kurzem Hörspiel zusammengefasst wird. Diese Idee funktioniert auch prima, ich höre das Ding immer wieder komplett zum Ausklang der CD an. Könnest Du die Geschichte für den Leser kurz zusammenfassen?

Es geht um die Geisha Sakura. Nach dem Tod ihrer Mutter ist sie gezwungen, sehr schnell erwachsen zu werden. Sie heiratet einen reichen Mann, aber nur um überleben zu können und nicht aus Liebe. Sie verliebt sich in einen anderen Mann und wird schwanger, will ihren Ehemann verlassen, doch ihr Plan geht nicht auf. Ihr Liebhaber wird umgebracht und sie wird zusammengeschlagen und verliert ihr Kind. Sie wird schließlich wahnsinnig und schlachtet ihren Mann ab, während er schläft.

Das klingt fast etwas klischeehaft, wenn man es sich aber recht überlebt, könnte die Geschichte auch aus dem echten Leben stammen. Ich will nicht wissen, wie oft einer Frau solch ein Schicksal schon widerfahren ist. Und Du, Darkyra, bringst diese Geschichte so intensiv rüber, dass man denkt, Du würdest Dich während des Singens tatsächlich in dieses Geisha-Mädchen verwandeln. Könntest Du mir beschreiben, wie Du das schaffst? Und wie viel von Sakura ist in Deiner wahren Persönlichkeit vorhanden?

Nun, die Geschichte ist erstmal reine Fiktion. Dennoch glaube ich, dass jede Frau von der endgültigen Liebe träumt. Davon, ihre Seele voll und ganz hinzugeben, also nicht nur körperlich, sondern auf eine Art und Weise, die nicht mit Worten beschrieben werden kann. Vielleicht existiert diese Liebe nicht in der Wirklichkeit, doch wenn Du wirklich eine Darbietung vortragen willst, die einem solchen Charakter entspricht, musst Du in der Lage sein, genau so zu empfinden. Stell es Dir wie in einem Film vor: Man muss jede Szene, die der Charakter erlebt, versuchen, so wie er zu fühlen.

Jedenfalls bin ich von Durchlauf zu Durchlauf mehr von "Dragon Tears" ergriffen und während ich diese Zeilen tippe und die Musik, diese Stimme höre, durchfährt mich die Gänsehaut. Mein liebster Song ist 'Never Know'. Dieser Neunminüter scheint das zentrale Stück des Albums zu sein. Meine Güte, diese Melodien...

Bei diesem Track hatte mein Kollege George (Boussounis; Keyboards, Samples und Arrangements) zunächst einige Probleme, weil er so düster ist, dass er nicht verstanden hat, wie dieser in die Geschichte passen sollte. Möglicherweise hat er noch niemals zuvor so etwas Düsteres arrangieren müssen. Aber es war für mich eines der wichtigsten Stücke, denn es kommt zu dem Zeitpunkt der Geschichte, der den Wendepunkt des Hauptcharakters widerspiegelt, der Punkt, an dem Sakura auseinander bricht. Es ist die größte Furcht einer jeden Mutter, ihr Kind zu verlieren und hier geschieht es ja nicht einmal unter zufälligen Umständen. Es handelt sich um einen heimtückischen Mord an der größten Liebe, die eine Frau je empfinden kann, nämlich zu ihrem Kind! Und genau diese wurde ihr hier genommen.

Danke, Darkyra, jetzt verstehe ich den Track besser. Dieses traurige Geschehnis hast Du wirklich sensationell dargeboten. Und so etwas schreit ja nach einer Liveperformance. Können wir hier in Deutschland und Europa schon anfangen davon zu träumen?

Klar, das ist definitiv etwas, was wir uns zum Ziel setzen und die Produktion wird einfach nur spektakulär werden!

Na, da freuen wir uns doch. Doch wenn ich das richtig in Kopf habe, hat DARKYRA BLACK nicht einmal einen Plattendeal. Und am Ende meines Reviews artikuliere ich den Wunsch, die Band würde von einem großen Label wie Nuclear Blast entdeckt, groß herausgeputzt und auf eine fette Tour geschickt werden. Es würde eine große musical- oder theaterartige Produktion werden. Ist das Euer Ziel, oder wollt Ihr die Sache lieber unabhängig und mehr dem Underground verbunden durchziehen?

Was Du sagst, ist ganz klar etwas, von dem wir alle hier träumen. Es ist aber eine Frage der Zeit. Wir wollen einfach die richtige Heimat für unsere Musik finden.


Kommt schon, Labelbosse, hört Euch diese tolle Musik an und macht DARKYRA BLACK groß. Und ihr, liebe Fans anspruchsvoller und theatralischer Musik, holt euch dieses Highlight. Und Dir, liebe Darkyra, wünsche ich alles Glück der Welt.

Redakteur:
Thomas Becker

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