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DARKYRA BLACK: Interview mit Darkyra

13.04.2016 | 11:37

"Musiker sein ist sie etwas, das sich in meine Seele gebrannt hat. Ein niemals enden wollendes Bedürfnis, etwas zu erschaffen, das gehört werden will."

DARKYRA BLACK hat zwei Alben herausgebracht, anhand derer ich die Faszination des Musikhörens, die uns alle hier umtreibt, besonders leicht erklären kann. Diese Alben haben alles, was Lieblings-Alben bieten können: unvergessliche Songs, die lange Musikabende krönen, magische Momente, bei denen man immer wieder nur gebannt zuhören kann und sonst nichts anderes, Melodien und Texte, die berühren und bewegen. So sind "Dragon Tears" und "Fool" seit ihrem Erscheinen konstante Begleiter für mich geworden. Und obwohl sie noch keine lange Zeit auf dem Buckel haben, wage ich die Zukunftsprognose, dass sie mich noch sehr lange auf's Beste unterhalten werden.

Musikalisch bietet DARKYRA BLACK eine sehr eigenständige Form des Symphonic Metals, der geschickt mit Prog- und Gothic-Elementen ausstaffiert wird und durch den starken Fokus auf die Stimme einen sehr individuellen und intimen Eindruck von den Gefühlen der Sängerin vermittelt.



Zur Faszination eines Künstlers gehört auch seine Live-Präsenz, und hier gab es eigentlich zu vermelden, dass DARKYRA und ihre neue Band aus Perth, Australien, ihre Koffer packen und sich zwei Wochen lang auf deutschen und niederländischen Bühnen zeigen würden. Leider wird diese Tour aus gesundheitlichen Gründen nicht stattfinden und DARKYRA wird demnach auch nicht bei der von POWERMETAL.de organisierten "A NIGHT TO REMEMBER" am 16. April in München auftreten können.

Nichtsdestotrotz gibt es genügend Gründe für ein Interview mit dieser bemerkenswerten Künstlerin.

Thomas: Bezaubernde Darkyra, Dein aktuelles Album "Fool" ist ein Konzeptalbum über allerlei Narren. Ich frage mich, wie das Album in Europa bisher aufgenommen wurde.

Darkyra: Wir haben schon ein paar mehr CDs als vom Debüt "Dragon Tears" verkauft und die Reviews waren großartig [hier 10 Punkte und Platz 4 im Dezember-Soundcheck - TB]. Leider hatten wir Probleme mit einem unzuverlässigen Vertrieb, also ist "Fool" eine weitere Eigen-Veröffentlichung. Aber "Dragon Tears" verkauft sich auch noch ganz gut. Ich habe jetzt fast meine gesamte erste Pressung verkauft.

Erzähl doch mal ein bisschen was über diese "Fools".


Auf "Fools" geht es um all die Narren, die ich um mich herum sehe. Alle Menschen haben ihre Macken, die ich hier - gemischt mit ein paar Fantasy-Elementen - thematisiere. Wir sind doch alle auf die eine oder andere Weise Narren, und ist es nicht der Mix dieses närrischen Vielerleis, der unserer Welt den Dreh gibt?

Klar wäre das Leben ärmer, wenn man sich nicht über irgendwelche Dummheiten aufregen könnte...



Ein bisschen Zeit ist ja schon seit der Aufnahme von "Fool" vergangen. Für das Recording hast Du wieder auf dasselbe Team an Session-Musikern zurück gegriffen und wie schon bei "Dragon Tears" wurde es in Athen aufgenommen. Bist Du noch zufrieden damit?

Ja, ich liebe das Album immer noch. Ich denke, dass die Musik in eine wirklich tolle Richtung geht, und man merkt ihr an, dass sie von der Liebe aller Beteiligter durchstrahlt wird. Ich werde es vielleicht für immer im Herzen behalten, auch weil mit ihm all die schönen Erinnerungen verbunden sind, die ich bei der Aufnahmen in Athen mit Gary (King), George (Boussuonis; Keys), George (Ammons Ginis) und Beto (Dinelli; Gitarre) hatte. Für mich fließt "Fool" ein wenig besser als das Debüt, welches während einer längeren Zeitspanne geschrieben wurde. Folglich reflektiert es auch unterschiedlichere Stimmungen. "Fools" wurde viel schneller realisiert und ist wohl weniger "moody" als "Dragon Tears"

Und kommt damit besser auf den Punkt. Das dürfte insbesondere für diejenigen interessant sein, denen "Dragon Tears" zu verspielt und verwinkelt war. Hier gibt es definitiv mehr Metal und klare Hooks.

A propos "mehr Metal". Ein Track, 'Truth Or Dare', wurde von der Metal-Ikone Tony Dolan (MPIRE OF EVIL, VENOM INC.) eingespielt. Wie kam da der Kontakt zustande?


Gary King [Studiomusiker und Drummer auf DARKYRAs beiden Studioalben - TB] hat den Kontakt vermittelt. Tony ist super! Er mochte den Song wirklich gerne und war so happy, beitragen zu dürfen. Klar ist er eher für einen anderen Stil bekannt, aber dieser Mann hat so viele Talente, sogar Schauspielerei!

Tony Dolan war auch mal kurz im Gespräch, DARKYRA auf Tour zu begleiten, doch das hat leider nicht in den Zeitplan gepasst. Vielleicht klappt das ja, wenn man die Tour nachholen wird...

Ein weiterer ganz besonderer Track auf "Fool" ist das düstere 'Desparation', das textlich wie musikalisch aus dem Rahmen fällt.

Die Idee zu 'Desparation' ist schon sehr alt und stammt aus der Zeit, als ich begonnen habe, Musik zu machen Diesen Song habe ich immer schon lange im Sinn gehabt, aber es hat bis "Fool" gebraucht, um ihm endlich den passenden Refrain zu verschaffen. Wie alles, das ich schreibe, hat auch dieser Song eine starke persönliche Bedeutung. Hier geht es darum, mit ansehen zu müssen, wie etwas Schlimmes mit jemanden passiert, der mir viel bedeutet, ohne etwas für ihn tun zu können.

Der Track hat für mich so einige der viel beschworenen "magischen Momente". Ich muss da manchmal and PORTISHEADs Beth Gibbons denken.


Das ist nicht das erste Mal, dass mich jemand mit anderen Sängerinnen vergleicht, u.a. Grace Lick (JEFFERSON AIRPLANE) oder CHER wurden schon häufiger genannt. BETH GIBBONS sagt mir allerdings gar nichts. Aber ich versuche wirklich nicht, jemand anderes zu sein als ich selbst. Ich versuche eigentlich nur, alle Farben meiner Stimme zu erforschen und zu sinnvoll einzusetzen. Aber ich denke, das wird die Leute nicht davon abhalten, Vergleiche anzustellen.

DARKYRAs Gesangstil ist für mich in der Tat einzigartig. Deshalb frage ich nach DARKYRAs musikalischer Vergangenheit und danach, wie sie diesen unverkennbaren Stil entwickelt hat.

Ich habe sehr spät mit dem Singen angefangen und bin da eher hinein gestolpert. Ich war schon Ende zwanzig, als ich meine ersten Stunden bei einer Opernsängerin aus Perth nahm. Meine erste Band hatte ich mit 28, sie hieß ENCOUNTER und spielte einen Mix aus Alternative Metal, Prog Rock und ein bisschen Goth. Das war eine super Zeit und ich bin nach wie vor mit allen befreundet, vor allem Kristjan Gils (KRIPKE’S ILLUSION), der wie ein Bruder für mich ist. Wir hatten ein paar Gigs, nahmen eine EP auf, die wir aber nicht veröffentlichten, hier hat die Qualität einfach nicht gereicht. Danach musste ich ein paar Jahre lang erst einmal herausfinden, was ich überhaupt will. So richtig habe ich in dieser Zeit zu keinem der Projekte gepasst, in die ich involviert war. Cover-Bands boten aber eine gute Gelegenheit, verschiedene Gesangs-Stile auszuprobieren. Eine der letzten Sachen vor DARKYRA BLACK nannte sich CAPRYCORN. Wir spielten eklektischen Prog, doch nach einer Zeit wurde es mir dort zu technisch und es hat am Ende für die Songs keinen Unterschied mehr gemacht, ob ich nun singe oder nicht.

Meine erste Intention mit DARKYRA war es, zu experimentieren. Das erste Ziel war es, einmal einen Song von Anfang bis Ende zu kreieren, der um meine Vocals herum geschrieben ist. Ich wollte alles herausfinden, was ich mit den Vocals machen kann inklusive aller Makel und Fehler, aber im Sinne des Gefühls für die Musik. Ich konnte so etwas niemals mit den vorherigen Bands machen. Keiner hat hier je mit Vocals im Sinn musiziert. Glaub mir, es ist etwas anderes, wenn jemand dir ein Stück Musik gibt und dir sagt, du sollst da mal was drauf singen. Ich finde, das funktioniert einfach nicht besonders gut, vor allem wenn die Musik nicht auf eine Art geschrieben ist, die eine Stimme erstrahlen lässt.




Hieraus erklärt sich auch, weshalb DARKYRA BLACK nicht von Beginn an als "richtige" Band gestartet wurde und stattdessen Session-Musiker für die Aufnahmen der beiden Alben engagiert wurden.


Es gibt nur wenige Musiker in Perth, die an Symphonic Metal, Prog oder Gothic Rock interessiert sind. Bis auf Death, Thrash und Black Metal wird hier nichts anderes als Metal angesehen. Versteh mich nicht falsch, es gibt hier in Perth viele tolle Musiker, doch wenn es um Musik geht, die eine gewisse Dynamik erfordert und Metal mit Groove verbinden soll, wird es ein wenig schwierig für die Leute, die gewohnt sind, hart und schnell zu spielen. So habe ich erst im letzten Jahr wirklich Leute gefunden, die die von mir angestrebte Art von Musik respektieren und verstehen, wie sie gespielt werden muss. Erst jetzt fühle mich überzeugt und wohl dabei, die "Last" zu teilen. Und als Band wollen wir nach der Tour nun auch versuchen, uns gemeinsam auf die nächste Stufe der Kreativität zu hieven.


Das wird sicher hochinteressant. Bislang hat DARKYRA wie schon oben erwähnt, in Eigenregie komponiert und für die Aufnahme und Produktion mit Session-Musikern zusammen gearbeitet. Wie kann man sich das vorstellen? Sagt man denen, was sie tun sollen und dann spielen sie es einfach?

Alle Session-Musiker, mit denen ich arbeiten durfte, waren sehr professionell und dabei auch gute Berater, die bereit sind, alles zu tun, was für den gewünschten Musikstil das Richtige ist. Sie haben meine Songs immer so behandelt als wären es ihre eigenen und dafür ihren Herzen und Seelen gegeben. Ich gab ihnen immer eine extrem grobe Idee von den Songs, aus der man Gefühl und den Klang meiner Vision erahnen konnte. Doch dann gab ich ihnen freie Hand, ihre eigenen kreativen Ideen auszuleben. In meinem Fall konnte dieser Art der Produktion also gar nicht schief gehen. Nur ist es eben eine sehr teure Art und Weise, Dinge zu bewegen.




Das Ergebnis ist in beiden Fällen mitreißend und hört sich zu keiner Sekunde so an, als wäre es von "Musik-Söldnern" eingespielt. Doch jetzt hat DARKYRA eine eigene Band mit Musikern aus Perth zusammengestellt. Die geplante Euro-Tour wäre das erste Mal gewesen, dass DARKYRA sich außerhalb Austaliens zeigt. Australien ist jedoch trotz des guten Rufs seiner Musiker arg weit weg von uns und in Europa Fuß zu fassen ist nicht leicht. Speziell für DARKYRA, die bislang noch jeden Karriereschritt selbst organisiert, ist der Weg steinig.

Ja, für mich ist es auch manchmal ein wenig hart zwischen Vollzeit-Job, meinem Dasein als Ehefrau und Mutter und meiner Musik zu jonglieren. Zeit zum Schreiben zu finden, ist eine Herausforderung, aber eben auch eine schöne Befreiung und ein Weg, die Realität und den Alltag für eine Zeit hinter mir zu lassen. Dazu kommt dann noch die Zeit, die verschlungen wird, wenn man sich selbst vermarktet. Man muss Geld für PR organisieren, Social Media und Websites pflegen, Fotos organisieren, Gigs an Land ziehen, sich um's Artwork kümmern u.v.m. Aber das muss eben alles getan werden, wenn man keinen formalen Repräsentanten hat oder Geld, um für all diese lästigen extra Services zu bezahlen, ohne die das Musikerdasein sicher noch mehr Spaß wäre. Aber auf der anderen Seite habe ich jetzt auch zwei außergewöhnlich kunstvoll gestaltete Alben geschaffen, die für immer auf dieser Welt sein werden.

Ich denke, für eine kleine Handvoll Liebhaber bereichern sie jetzt schon das Leben und ich fände es schön, wenn es noch mehr werden würden. DARKYRA selbstredend natürlich auch...


Ich fände es großartig, wenn es DARKYRA BLACK unter die Top 5 im Symphonic Metal machen würde, aber realistisch gesehen schätze ich die Chancen dafür eher gering ein. Dazu kommt der Kampf gegen digitale Piraterie und die großen Plattenfirmen wollen heutzutage auch keine großen Risiken mehr eingehen. Vielleicht ändert sich aber mit unserem neuen Management Grand Sounds PR etwas daran. Mir geht es über allem darum, Musik zu machen und solange es diejenigen gibt, die mehr davon hören wollen, ist das schon mehr, als ich zu träumen wage. Alles, was darüber hinaus geht, sehe ich als Bonus, und DARKYRA BLACK als eine echte Perth-Band aufzubauen, war hoffentlich erst der Beginn einer Zeit, von der wir uns noch viel mehr Spaß erhoffen.

Zu diesem Spaß gehört sicherlich, zu touren, zu reisen und andere Orte der Welt zu sehen. Und aufgeschoben ist ja noch lang nicht aufgehoben. Die DARKYRA BLACK-Shows in Europa werden kommen, da bin ich felsenfest von überzeugt!

Und nicht auszudenken, wenn sich bei DARKYRA BLACK ein kleines Feuer ausbreiten würde, wie es andere australische Bands wie KARNIVOOL oder DEAD LETTER CICRUS in Europe entzündet haben. Wie wichtig wäre ein solcher Erfolg für DARKYRA BLACK?


Erfolg ist eine treibende Kraft, die unser Feuer antreibt, ohne welches wir nicht nach dem nächsten Abenteuer trachten würden. Aber für mich wird immer die Musik an erster Stelle stehen. Für mich ist sie etwas, das sich in meine Seele gebrannt hat. Ein niemals enden wollendes Bedürfnis, etwas zu erschaffen, das gehört werden will.


Und solange dieses Feuer brennt, kann auch die schlimmste Krankheit überstanden werden. DARKYRA wird stärker denn je zurückkommen. Wir glauben daran!

Redakteur:
Thomas Becker

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