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CRYSTAL EYES: Interview mit Mikael Dahl

18.01.2007 | 11:03

Mag sein, dass der Name CRYSTAL EYES bislang noch nicht wirklich bekannt ist. Doch Fakt ist, dass diese Band bereits 1992 von Mikael Dahl und Niclas Karlsson gegründet wurde. Der Grund dieser beiden Jungs war, wie bei vielen anderen Musikern auch, eine eigene Band im Sinne ihrer musikalischen Vorbilder JUDAS PRIEST, IRON MAIDEN, ACCEPT oder BLACK SABBATH zu gründen und jede Menge Spaß dabei zu haben. Daran hat sich im Laufe der Zeit nichts geändert, denn CRYSTAL EYES haben erst vor kurzer Zeit ihr neuestes Werk "Dead City Dreaming" veröffentlicht.
Trotz der Tatsache, dass CRYSTAL EYES hierzulande noch nicht wirklich bekannt sind, liegt jeder der von "Greenhorns" spricht, völlig falsch, denn nach vier Demos, die zwischen 1992 und 1998 eingespielt wurden, erhielten die Schweden 1998 einen Vertrag bei Crazy Life Music, wo auch die ersten beiden Scheiben "World Of Black And Silver" (1998) und "In Silence They March" (2000) erschienen. Danach zog man es vor unter eigener Flagge in die Schlacht um Verkaufszahlen zu ziehen und so veröffentlichten CRYSTAL EYES fortan ihre Alben "Vengeance Descending" (2003), "Confessions Of The Maker" (2005) und das bereits erwähnte aktuelle Werk "Dead City Dreaming" auf dem Label Heavy Fidelity Records. Nicht nur dieses Label, das von Tommy Dahl, Mikaels Bruder, geführt wird, zeugt von Eigeninitiative, auch die Aufnahmen jener Scheibe erfolgten im bandeigenen Crystal Sounds Studio.
Für "Dead City Dreaming" gab es bisher die wohl besten Resonanzen seitens der Presse, weshalb das im Moment aus Mikael (g., - bis 2004 auch als Sänger auf den Alben der Band zu hören), Niclas Karlsson (g., - jedoch erst seit wenigen Monaten wieder mit von der Partie, da er zwischenzeitlich eine fast zehnjährige Auszeit eingelegt hatte), Nico Adamsen, einem dänischen Sänger, Claes Wikander (b., seit 1997 bei CRYSTAL EYES) und dem seit 2001 hinter dem Drumkit thronenden Stefan Svantesson bestehende Quintett auch frohen Mutes ist, was die aktuelle Scheibe betrifft.
Mikael war so frei und ließ sich auch gar nicht lange um ein Interview bitten.

Walter:
Wie kann man die musikalische Entwicklung von CRYSTAL EYES am besten beschreiben?

Mikael:
Unser Debüt "World Of Silver And Black" war in erster Linie von Geschwindigkeit geprägt und zwar nicht nur musikalisch. Alles lief unheimlich rasch ab. Seit 2002 besitzen wir ein eigenes Studio und deshalb ist es viel einfacher für uns an musikalische Ideen heranzugehen und diese auch aufzunehmen. Als Songwriter habe ich in der Zwischenzeit gelernt, dass weniger manchmal mehr sein kann, sprich ich muss nicht mehr alle Ideen, die ich habe, zwanghaft in einem Song verbraten, sondern schaffe es durchaus mir einiges für spätere Nummern aufzusparen. Ich bin der Meinung, dass wir uns stilistisch festigen konnten, so dass man CRYSTAL EYES zwar eindeutig als Heavy-Metal-Band identifizieren kann, wir es dennoch schaffen auf etwaige Klischees zu verzichten. Besser als auf dem aktuellen Album haben wir meiner Meinung nach noch nie geklungen.
Daniel Heimann, der "Confessions Of The Maker" eingesungen hat, war zweifelsohne ein begnadeter Sänger, aber Nico ist noch besser. Es tut auch gut Niclas Karlsson wieder in der Band zu haben. Niclas war ja bis 1995 bei uns, hatte dann aber die Band verlassen und kam erst während der Aufnahmen zu "Dead City Dreaming" wieder zu uns, als Jonathan Nyberg die Band verlassen hatte. In dieser Besetzung sind CRYSTAL EYES stärker als je zuvor und man kann nur hoffen, dass wir das auch bestätigen können.

Walter:
Zumindest was "Dead City Dreaming" betrifft, stimme ich dir zu. CRYSTAL EYES unterscheiden sich in Summe musikalisch zwar nur ein wenig von der "Konkurrenz", aber dieses gewisse Etwas macht die Band aus und lässt sich wohl auf unterschiedliche Einflüsse zurückführen.

Mikael:
Ich denke, dafür bin ich zuständig, denn ich habe schon immer nicht nur Bands wie IRON MAIDEN, ACCEPT und JUDAS PRIEST gehört, sondern war auch immer schon ein Anhänger von melodiösen Bands wie SCORPIONS, EUROPE, DEF LEPPARD oder BON JOVI. Vielleicht sind unsere Songs daher auch wesentlich melodiöser als die anderer Bands. Zudem habe ich auch ein Faible für diverse Rock und Popbands, aber die wage ich hier nicht zu erwähnen, haha.

Walter:
Wäre aber kein Problem, so lange ich mir diese Bands nicht zwingend anhören muss. Was mir an eurem neuen Album noch sehr positiv aufgefallen ist, nennt sich "Intensität". Hattet ihr von Beginn an vor, eure neuen Songs persönlicher und intensiver zu gestalten?

Mikael:
Nein, ich denke beim Komponieren niemals daran, wie sich ein Album im Endeffekt anhören wird. Ich schreibe Songs und Melodien, so wie sie mir in den Sinn kommen. Allerdings gestehe ich, dass ich für "Dead City Dreaming" sehr häufig in meinem Archiv gesucht habe, in dem mittlerweile gut 50 unfertige Songs zu finden sind, um mich daran zu bedienen. Genau das meinte ich mit Vorteil hinsichtlich eines eigenen Studios. Dadurch konnte ich meine aktuellen Kompositionen regelrecht auffetten. Es haben sich nämlich Passagen im Laufe der Zeit angesammelt, die zwar als eigene Songs nicht relevant waren, jedoch die fehlenden Passagen zu neuen Songs darstellten die Kombination perfekt harmonierte. Der Vers in unserem Titelsong beispielsweise stammt von einer Idee aus dem Jahre 1992 und auch der Chorus zu 'Temple Of Immortal Shame' ist nicht viel jünger. Abgesehen davon sind mir einige Songs aufgefallen, die noch nicht veröffentlicht wurden, es aber mit Sicherheit verdienten hätten, weshalb man in Bälde damit rechnen kann.

Walter:
Klingt interessant. Die Musik an sich hätten wir nun besprochen, wie sieht es denn mit den Texten aus? Kannst du uns die Songs von "Dead City Dreaming" diesbezüglich erläutern?

Mikael:
Aber klar doch. Der Text zum Titelsong 'Dead City Dreaming' wurde von Andreas geschrieben und basiert auf H.P. Lovecraft's "The Call of Chutulu". Auch die Idee zu unserem Cover wurde übrigens davon beeinflusst. 'Battlefield' ist Lied über Kriege, dessen Text man nicht wirklich ernst nehmen sollte. 'The Quest Remains' handelt davon, nicht wirklich zu wissen, wer man ist, 'The Narrow Mind' wurde davon inspiriert, dass sehr viele Menschen leider sprechen ohne vorher nachzudenken. 'Wall Of Stars' beinhaltet jenen Text, der am meisten Interpretationsfreiheit zulässt, mehr möchte ich dazu gar nicht sagen. Dafür gibt es zu 'Temple Of Immortal Shame' einen interessanten Hintergrund. Im Moment bin ich arbeitslos und dieser Song handelt von einem Ort, den ich vor einiger Zeit deswegen besuchen musste, haha. Noch persönlicher sind die Texte zu 'Into The Light', das von Freiheit handelt und 'Roads Of Loneliness', in dem es um Einsamkeit geht, ausgefallen. In 'Dawn Dancer' geht es um Menschen, die die Zukunft voraussagen können, nur der Titel 'The Halls Of Valhalla' braucht wohl nicht wirklich kommentiert zu werden.

Walter:
Was inspiriert euch als Musiker zu solchen Texten?

Mikael:
Andreas hat dieses Mal nur einen Text verfasst, bezieht aber seine Inspiration immerzu aus Büchern oder Filmen, was sich auch in 'Dead City Dreaming' bestätigt. Meine Texte dagegen sind eher persönlich gehalten und basieren auf dem Leben an sich. Zudem hoffe ich, dass man nicht alle unsere Texte zu ernst nimmt, denn auch der Spaß sollte nicht zu kurz kommen.

Walter:
Verständlich. Weniger Spaß lässt ja offensichtlich das Business zu, oder weshalb habt ihr mit Heavy Fidelity eine eigenes Label am Start?

Mikael:
Das stimmt. Heavy Fidelity wird von meinem jüngeren Bruder geführt und CRYSTAL EYES sind die einzige Band auf diesem Label, was sehr günstig ist, da wir als Band den perfekten Überblick über alle Businessangelegenheiten behalten.

Walter:
Dafür seid ihr aber budgetmäßig wohl eher eingeschränkt.
Gab es denn bereits Anfragen von größeren Labels, die euch unter Vertrag haben wollten?

Mikael:
Nein, bisher nicht.

Walter:
Schade eigentlich, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Hinsichtlich eurer Herkunft Schweden werdet ihr wohl auch ein Teil dieser Szene sein, die hierzulande sehr hoch geschätzt wird. Bestehen denn besondere Beziehungen zu anderen Truppen?

Mikael:
Es gibt hier wirklich unzählige gute Musiker und Bands und mit Formationen wie CANDLEMASS, Yngwie Malmsteen, TREAT, EVERGREY, LOST HORIZON, MORGANA LEFAY, ZONATA oder IRON WARE haben wir auch schon zusammen gespielt. Da wir allerdings in einer sehr kleinen Stadt zu Hause sind, existiert bei uns in ummittelbarer Umgebung keine sogenannte Szene.

Walter:
Dadurch ergibt sich aber im Gegenzug die Möglichkeit sich sehr eigenständig zu entwickeln. In welchen Regionen außerhalb der unmittelbaren Umgebung konnten CRYSTAL EYES bisher die meisten Fans rekrutieren?

Mikael:
Weiß ich ehrlich gesagt nicht. "Dead City Dreaming" wird zunächst in Europa, Nordamerika und Russland veröffentlicht, was uns sehr wichtig ist. Zudem hoffen wir das Album auch in Japan und Südamerika verkaufen zu können, denn auch dort sollte ein Markt für CRYSTAL EYES sein.

Walter:
Gerade Nordamerika könnte abermals ein interessanter Markt für traditionellen Metal werden. Was denkst du denn dort erreichen zu können?

Mikael:
Das könnte sein, obwohl ich der Meinung bin, dass es für uns sehr schwierig sein wird in Übersee reüssieren zu können. Unsere Alben waren über einen Vertrieb dort zwar allesamt auch erhältlich, aber ich muss gestehen, mir über Verkäufe generell nicht unbedingt den Kopf zu zerbrechen.

Walter:
Wie sind denn die Kritiken und Reaktionen auf "Dead City Dreaming" bislang ausgefallen?

Mikael:
Bis jetzt eigentlich sehr zufriedenstellend, vor allem unser neuer Sänger ist durchwegs gut weggekommen, was mich sehr positiv stimmt. Auch die Produktion ist schon des Öfteren lobend erwähnt worden und deshalb denke ich, dass wir alles richtig gemacht haben.

Walter:
Wird es denn auch Gigs geben um das Album amtlich zu präsentieren?

Mikael:
Na hoffentlich. Eventuell könnte sich sogar eine Tour als Support-Act ergeben und zudem verhandeln wir auch über etwaige Festivalauftritte im nächsten Sommer.

Walter:
Wir lassen uns einfach überraschen, was da kommen mag.

Mikael:
Gute Idee, aber seid euch sicher, dass wir nun verstärkt daran arbeiten, dass ihr CRYSTAL EYES auch live zu Gesicht bekommen könnt! Zudem sind wir aber auch schon wieder dabei neue Songs zu schreiben. Man darf also sicher sein, dass CRYSTAL EYES auch in Zukunft mit neuen Songs und Alben am Start sein werden und Auftritte werden hoffentlich auch noch dazu kommen!

Redakteur:
Walter Scheurer

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