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CROWN OF THORNS: Interview mit Jean Beauvoir

01.01.1970 | 01:00

Jean Beauvoir kann man sicherlich guten Gewissens als "Multitalent" bezeichnen. Neben zahlreichen Solo-Platten hat er bereits mit solchen Größen wie KISS, den RAMONES, JOHN WAITE und LIONEL RICHIE zusammengearbeitet. Außerdem ist er der kreative Kopf der Band CROWN OF THORNS. Mit letzteren veröffentlicht er nun die neue Scheibe "Karma". Und auch zu dieser hat er seinen Fans einiges zu sagen.

Mathias:
Du hast ja ein bewegtes Leben hinter Dir und viele verschiedene Dinge im Bereich Musik gemacht. Was sind für Dich die wichtigsten Eckdaten Deiner Karriere?

Jean:
Eigentlich alle. Es ist alles ein Teil von dem was ich bin, es sind nur verschiedene Formen, dies auszudrücken.

Mathias:
Du hast ja bereits mit unzähligen namhaften Künstlern zusammengearbeitet. Mit wem war es besonders angenehm/unangenehm und gibt es Dinge, die Dir aus dieser Zeit besonders in Erinnerung geblieben sind?

Jean:
Glücklicherweise kann ich, ohne jemandem schmeicheln zu wollen, sagen, dass es mit allen auf die eine oder andere Art angenehm war. Manche waren etwas schwieriger als andere, aber ich kann mich an keine unangenehmen Erfahrungen erinnern.
Was mir besonders in Erinnerung geblieben ist: Ich fand es unheimlich lustig, als Paul Stanley und ich, jeder mit einem Haufen chinesischen Essen in seiner bequemen Couch sitzend, stundenlang miteinander telefoniert haben, um Songtexte zu schreiben. Eigentlich haben wir nämlich nur ein paar Minuten voneinander entfernt gewohnt.

Mathias:
Welchen Stellenwert nimmt innerhalb Deines vielfältigen musikalischen Schaffens die Band CROWN OF THORNS ein?

Jean:
Einen sehr hohen, ich liebe diese Band. Die Jungs sind großartig und wir haben immer eine Menge Spaß. CROWN OF THORNS bietet mir die Möglichkeit, mich als Songwriter auszudrücken, ohne dass irgendwer Druck auf mich ausübt und mir sagt, was ich tun soll. Wir können das tun, was wir in unseren Herzen fühlen, und das ist ein großer Luxus.

Mathias:
Erzähl uns doch kurz ein bißchen was zur Geschichte von CROWN OF THORNS: Wie ist die Band entstanden und wie war ihr bisheriger Weg?

Jean:
Die Band wurde 1991 gegründet und bestand damals aus mir, Micki Free, Tony Thompson und Michael Paige. Irgendwann wurden Micki und Tony durch Tommy Lafferty und Hawk Lopez ersetzt, und es lief wirklich prima weiter. Seit 1996 haben wir nur noch CDs gemacht, bis dahin sind wir auch viel auf Tournee gewesen. Das vermissen wir aber heute wirklich.

Mathias:
Der Name CROWN OF THORNS ist ja sicherlich der Religion entnommen. Was bedeutet der Name für Dich und wie seid ihr darauf gekommen?

Jean:
Das war die Idee von Gene Simmons und mir. Wir fanden die Idee Klasse und der Name passte einfach super zu uns. Ich denke, jeder von uns trägt eine Dornenkrone auf die eine oder andere Art. Irgendeinen Schmerz, den sie in ihrem Leben erleiden müssen. Die Texte spiegeln das wieder, in dem sie von den Dornen sprechen, die jeder in seinem Leben spürt, sei es Liebe, Arbeit oder sonstiges. Am Ende versuchen wir dann immer ein positives Licht darauf zu werfen.

Mathias:
Wie würdest Du Euren Musikstil selbst beschreiben, wenn Du Ihn nicht in die üblichen Kategorien einordnen musst?

Jean:
Straight Rock, Baby! Wir orientieren uns an Riffs und statten die grobe Linie dann mit melodischen Refrains aus. Quasi Soundtracks zu verschiedenen Geschichten. Wir versuchen Leben in diese Geschichten zu bringen, indem wir die Hörer mit auf eine musikalische Reise nehmen.

Mathias:
Und hat diese Musik für Dich irgendeine spezielle Message? Worum geht es in Deinen Texten?

Jean:
Wie gesagt, die Songs drehen sich um das alltägliche Leben alltäglicher Menschen, ihre Sorgen, Ängste, Träume und so weiter. Ich hoffe, dass wir damit in den Menschen, die die Musik hören, etwas bewegen können. Vielleicht können wir sie zu einer anderen Betrachtungsweise der Dinge bringen, wenn sie sehen, dass sie nicht die einzigen sind, die solche Dinge durchmachen. Was die Musik angeht, so soll sie den Menschen eine positive Botschaft mitgeben, wenn sie eine aufbauende Rock'n'Roll-Show sehen.

Mathias:
Und mit wem würdest Du Euch am ehesten vergleichen?

Jean:
Ich würde uns mit niemandem vergleichen, aber ich bin sicher, viele werden es tun.

Mathias:
Wie würdest Du "Karma" in wenigen Sätzen beschreiben?

Jean:
Pure Rock-Musik, die den Hörer auf eine Reise mitnimmt. Von kraftvollen Heavy-Songs bis hin zu Balladen, die ans Herz gehen sollen. Eine lebendige Scheibe!

Mathias:
Und wie würdest Du die Entwicklung seit dem letzten COT-Album beschreiben?

Jean:
Ich weiß nicht, ob es da eine Entwicklung gibt, oder ob die Scheibe einfach nur ein bißchen anders ist. In jede Scheibe bringen wir verschieden Eindrücke aus unserem Leben mit rein, verschiedene Sounds, auf die wir neugierig sind, verschiedene Elemente, die wir ausprobieren wollen. Allerdings ist das bei "Karma" im Vergleich zu früheren Scheiben weniger der Fall. Die Songs erinnern mehr an die ersten COT-Scheiben. Mir war wieder etwas mehr danach, melodiöser zu singen, und die Produktion war ein Stück weit wieder so wie früher, allerdings natürlich mit modernem Rock-Sound.

Mathias:
Wie bist Du selbst mit der Scheibe zufrieden?

Jean:
Mit etwas Abstand konnte ich mir jetzt eine Meinung darüber bilden und ich mag das Album sehr. Ich bin nie 100-prozentig zufrieden, kann immer irgendwelche technischen Mängel finden. Aber die wichtigste Frage, die ich mir immer stelle, ist, ob die Botschaft rüber kommt. Ich denke das tut sie, insofern bin ich sehr zufrieden.

Mathias:
Und wie sind die Reaktionen bisher?

Jean:
Ich freue mich, sagen zu können, dass die bisherigen Reaktion alle sehr gut waren. Die meisten Leute konzentrieren sich hierbei auf die Texte und auf das Duett mit Doro. Das scheint ihnen zu gefallen.

Mathias:
Erwischt! Das war genau meine nächste Frage: Wie war die Zusammenarbeit mit Doro Pesch? Und wie kam es dazu?

Jean:
Ich habe schon vor Jahren viel von Doro gehört. Mein früherer Tour-Manager hat mit ihr gearbeitet und mich zu einer ihrer Shows in Bremen eingeladen. Sie hat mich gefragt, ob ich mit ihr zusammen auf der Bühne einen Song spiele und das hat echt Spaß gemacht. Eins führte zum anderen, sie bat mich, einige Lieder für ihr neues Album mit zu schreiben. Wir arbeiteten zusammen an "Untouchable" und "Sister Darkness", und ich fragte sie, ob sie auf der neuen CROWN OF THORNS ein Duett mit mir singen würde. Wir schrieben "Shed No Tears" zusammen und nahmen die Gesangs-Parts im "Bunker" in Bochum auf. Es war großartig, mit ihr zu arbeiten, sie ist wirklich die "letzte Mohikanerin" unter den großen Rock-Ladys.

Mathias:
Wie würdest Du den Menschen Jean Beauvoir beschreiben? Glücklich? Nachdenklich? Exzentrisch oder eher ganz normal?

Jean:
All das! Ich kann abhängig von der Situation all das sein.

Mathias:
Welche Musik hörst Du privat?

Jean:
Jede Art von Musik. Ich sage Dir die Wahrheit, ich höre echt jede Art von Musik. Ich arbeite immer an meiner Musik, deshalb versuche ich meinen Geist immer für alle Ideen offen zu halten. Ich kaufe nicht viele Platten, aber mir werden viele CDs geschickt. Wenn ich zu Hause bin, kommt es immer auf meine Stimmung an. Kürzlich habe ich mir mal alte Scheiben von TOTO, SHADE, den BEE GEES und sogar FRANK SINATRA angehört. Alles kann meine eigene Musik beeinflussen.

Mathias:
Was hältst Du von Online-Magazinen?

Jean:
Finde ich super. Wenn ich von der Arbeit im Studio heimkomme, meist um 4 Uhr morgens, surfe ich im Internet und lese Online-Magazine. Im Ernst!

Mathias:
Was ist ansonsten für die nähere Zukunft geplant? Tourneen, Festivals...?

Jean:
Ich möchte so mit meiner Arbeit fortfahren wie bisher. Wir arbeiten an einer Tour Ende des Jahres, und hoffen, dass die zustande kommt. Im September fange ich wieder mit einer Solo-Platte an. Und wenn ich Zeit finde, werde ich auch wieder für andere schreiben und produzieren, sobald etwas Interessantes ansteht.

Mathias:
Und was erhoffst Du Dir für die fernere Zukunft?

Jean:
Mich auf eine Yacht in der Karibik zurückziehen, Pina Coladas trinken, Chicken Wings und gegrillte Scampis essen und dabei von Küste zu Küste fahren.

Mathias:
Hast Du ein spezielles Erfolgsrezept oder Lebensmotto?

Jean:
Versuche nicht Zeit tot zu schlagen, sonst schlägt die Zeit Dich tot.

Mathias:
Du bist für einen Tag der Herr der Welt. Was würdest Du ändern?

Jean:
Zuerst würde ich all diesen Ländern verbieten, Tag ein Tag aus gegeneinander zu kämpfen und Krieg zu führen. Auch gegen die Armut müsste etwas gemacht werden.

Mathias:
Irgendwas, das Du schon immer loswerden wolltest?

Jean:
Vielen, vielen Dank für die Unterstützung und den Glauben an CROWN OF THORNS. Das gilt sowohl für Dich als auch für all unsere Fans.

Redakteur:
Mathias Kempf

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