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CORONATUS: Interview mit Mats Kurth

10.10.2007 | 15:37

Da glaubt man an einen ruhigen Jahresausklang nach der hektischen Sommerfestival-Zeit und plötzlich wird das eigene musikalische Universum gehörig durcheinander gewirbelt. Mit ihrem Debüt(!) liefern die Süddeutschen CORONATUS eine CD ab, die andere Genre-Combos in dieser musikalischen Qualität erst nach Jahren vorweisen können. Im Stil der frühen NIGHTWISH, noch ohne klebrigen Bombast, dafür aber mit ordentlich Druck dahinter, wird ein Gothic/Melodic-Metal-Brett zelebriert, das seinesgleichen sucht. Grund genug für uns, der Band ein paar Fragen zu stellen, zumal die offizielle Bio auf der Webseite etwas dürftig ist.


Stef:
Hallo allerseits! Erst einmal herzlichen Glückwunsch zu eurem Debüt, das seit Kurzem käuflich erwerbbar ist. Seid ihr mit dem Verkaufsstart zufrieden und was für Reaktionen habt ihr bisher bekommen?

Mats:
Hallo Stefan! Über Zahlen wissen wir bislang noch gar nichts! Etwas Offizielles werden wir erst im März bekommen. Ich hoffe aber, dass wir schon früher das eine oder andere inoffizielle Statement von Massacre erhalten. Die Reaktionen der Musikkritiker in diversen Reviews sind sehr gemischt. Im Moment überwiegen die extremen Standpunkte, d.h. für die einen ist "Lux Noctis" eine super Scheibe, für die anderen ein weiterer unnötiger Beitrag zum Thema Elfengeträller. Aber es ist vielleicht auch ganz gut, so zu polarisieren. Wenn man jedermanns Liebling ist, weist das meist eher auf seichte Gewässer hin.

Stef:
Gegründet wurde CORONATUS von Drummer Mats, der bereits für ILLUMINATE und die Stuttgarter MIGHT OF LILITH die Felle bearbeitet. Mats, ist dir langweilig oder wie kommt man dazu ein weiteres musikalisches Projekt aus der Taufe zu heben, wenn man bereits mehrere am Laufen hat?

Mats:
(grinst) Ich kann nix dafür, ich brauch das... Im Ernst, CORONATUS war mein Baby schon lange bevor ich bei ILLUMINATE oder MIGHT OF LILITH gespielt habe, schon seit ca. 1999/2000. Es ist diejenige Band, in der ich meine Ideen am besten verwirklichen kann und die mir auch musikalisch am meisten liegt. Auf der anderen Seite war CORONATUS eine Steißgeburt, d.h. wir hatten wirklich sehr viele Line-Up-Wechsel im Laufe der Jahre. Ich bin sozusagen der letzte Überlebende der Originalbesetzung. Es war teilweise so, dass das "Projekt" CORONATUS auch mal monatelang brach lag. Und so kam es, dass ich auch in anderen Bands angefangen habe, was mir auch sehr viel Spaß machte. Vor allem die musikalische Vielfalt von Gothic bis Black Metal. Übrigens spiele ich derzeit aber nicht mehr bei MIGHT OF LILITH, es kam da doch zu oft zu Terminüberschneidungen.

Stef:
Was heißt CORONATUS und wie kam es zu dem Namen?

Mats:
Es bedeutet "der Gekrönte". Die Texte der ersten Songs behandelten noch religiös-mystizistische Themen, sprich der Gekrönte ist das Schöpfungswesen oder eine Schöpfungsmacht. 'Volles Leben' ist einer davon. Jawohl, dieser Song ist 9 Jahre alt und wir spielen ihn immer noch, auch wenn er im Lauf der Jahre bestimmt zigmal verändert wurde. Es geht dabei um die "erste" Schöpfung Gottes, die Engel, die eifersüchtig auf die Menschen schauen und ebenfalls das "volle Leben" beanspruchen. Kennst du den Film "Gods Army"? Oder Rilkes Elegien? Es ist ein Mix aus beidem...

Stef:
Wie hat sich das aktuelle Line-Up der Band gefunden? Bei Carmen liegen die Wurzeln ja wahrscheinlich ebenfalls bei ILLUMINATE, in welchen anderen Projekten und Bands haben die anderen Bandmitglieder bisher mitgewirkt (oder tun es noch)?

Mats:
Nein, es war andersrum. Unsere Sopranistin Carmen hat bereits bei CORONATUS gesungen und ich war gleichzeitig bereits Drummer bei ILLUMINATE. Johannes hat eine neue Sängerin gebraucht. Und da hab ich ihm Carmen vorgeschlagen. Mittlerweile ist Carmen nicht mehr bei ILLUMINATE dabei, sie hat aber auch schon viele andere tolle Jobs gemacht, z.B. bei BRAINSTORM, MIGHTY D. und ganz früher bei FANGORN. Unser Keyboarder Fabi stieß erst ein halbes Jahr vor den Aufnahmen zu "Lux Noctis" dazu. Davor war er bei einer Death-Metal-Band namens MHORAIG. Der Chriz (Bass) war früher schon immer wieder mal bei CORONATUS dabei, ist mittlerweile aber fest integriert. Er spielt ebenfalls noch bei zwei anderen Projekten, die derzeit aber noch wenig an die Öffentlichkeit gehen. Ada, unsere Rockstimme, sowie Jo, unser Gitarrist kamen erst nach den Aufnahmen zu "Lux Noctis" dazu. Auf dem Album hört man noch ihre Vorgänger Viola Schuch und Wolle Nillies, den Gitarristen von MIGHT OF LILITH.

Stef:
CORONATUS hebt sich durch die zwei Fronterinnen etwas von dem üblichen Gothic-Klischee "Böse grunzender Mann vs. Fronterin der heavenly-voices-Fraktion" ab. Wie kam es dazu?

Mats:
Witzige Geschichte: Wir hatten 2004 eine Giganfrage, aber gerade keinen Gesang. Da musste schnell gecastet werden. Bei den Bewerberinnen handelte es sich um die Carmen mit ihrer klassischen Sopranstimme, sowie um die Verena mit ihrer Rockstimme (ihr merkt schon, Verena nicht gleich Viola - wir hatten wirklich viele Wechsel). Wir konnten uns dann einfach nicht entscheiden, weil beide Sängerinnen so gut waren. Also haben wir einfach beide genommen und diese Konstellation bis heute beibehalten. Auch in Zukunft wird es so bleiben. Es ist unser Markenzeichen geworden. Dieser Zeitpunkt ist für mich die eigentliche Geburtsstunde von CORONATUS.

Stef:
In dem Line-Up auf eurer Website taucht noch Viola Schuch auf, wohingegen beim Bandfoto Ada Flechtner wohl Violas Platz eingenommen hat. Wer ist den nun aktuell Carmens Gesangs-Partnerin und warum kam es zu dem Wechsel?

Mats:
Viola hat die Rock-Voices auf "Lux Noctis" eingesungen. Sie war nach Verena bereits die zweite Sängerin auf dem Posten. Leider hat sie uns nach den Aufnahmen aus eigener Entscheidung verlassen, da sie ein Referendariat antreten konnte und nicht mehr soviel Zeit in CORONATUS stecken wollte. Des Weiteren gab es auch kleine menschliche Differenzen zwischen den beiden Mädels. Die Band wollte unbedingt die "Doppelspitze" beibehalten und ich glaube, Viola kam damit nicht so ganz klar. Ada Flechtner hat jetzt ihren Job übernommen. Sie hat eine noch rockigere Stimme als Viola, d.h. der Unterschied zwischen den beiden Stimmen ist noch deutlicher geworden! Ich bin sehr froh, dass wir Ada für uns gewinnen konnten. Sie und Carmen harmonieren hervorragend, stimmlich und menschlich!

Stef:
In jedem Review, das ich bisher zu "Lux Noctis" gelesen habe, fällt mindestens einmal das Wort "NIGHTWISH". Nervt es euch, dauernd mit den Finnen verglichen zu werden, bzw. wie geht ihr damit um?

Mats:
Überhaupt nicht! Viele von uns lieben NIGHTWISH, sie gehören ganz klar zu unseren Idolen, wie auch WITHIN TEMPTATION und viele andere Bands, bei mir z.B. SUBWAY TO SALLY! Das Einzige, was manchmal nervt, ist, dass uns Ideenklau vorgeworfen wird. Das ist absoluter Blödsinn! Die Ähnlichkeit mit NIGHTWISH ergibt sich lediglich aus Carmens klassischer Stimme, welche meiner Meinung nach der von Tarja Turunen in nichts nachsteht. Würde man von den Songs von NIGHTWISH und CORONATUS jeweils den Gesang abziehen und sie als "Instrumental" abspielen, würde man keinerlei Ähnlichkeiten mehr erkennen (außer vielleicht der Tatsache, dass beides Metalbands im weitesten Sinne sind). Und was die Nutzung musikalisch bereits bekannter Stilelemente angeht: Mach mal vollkommen neue Musik, was dann dabei raus kommt, hört sich wohl eher an wie John Cage oder so. Ich glaube nicht, dass das gewünscht wäre...

Stef:
Wie kommt man als debütierende Band dazu, einerseits in den renommierten Finnvox-Studios mastern zu lassen und andererseits gleich bei Massacre Records unter zu kommen?

Mats:
Dass wir bei Massacre untergekommen sind, liegt, denke ich, einfach daran, dass wir ein wirklich ausgereiftes Album abgeliefert haben, sowohl was Produktion als auch musikalische Qualität angeht. Einer Black- oder Death-Metal-Band wird schon eher mal verziehen, wenn das Debüt etwas grottig klingt. Bei unserer Musik dagegen geht das einfach nicht. Das war uns klar. Daher musste ein amtlicher Sound her. Wir haben das zunächst alles selbst finanziert, gewissermaßen unseren letzten Cent da rein gesteckt. Das hat sich wohl ausgezahlt.

Stef:
Was habt ihr für die Zukunft geplant. Wird CORONATUS weiterhin eher so eine Art Projektstatus neben den bereits etablierten Bands der einzelnen Mitglieder haben oder wollt ihr euch stärker darauf konzentrieren? Wenn "Lux Noctis" so einschlägt wie ich es antizipiere, dürfte es wohl früher oder später zu Interessenskonflikten kommen.

Mats:
CORONATUS hat bei uns allen bereits Priorität. Wir sind endlich eine richtige Band geworden. Das Line-Up ist stabil. Wir arbeiten bereits mit Hochdruck an neuen Songs für ein zweites Album.

Stef:
Sind in nächster Zeit Touren und/oder Supportauftritte für CORONATUS geplant?

Mats:
Wir versuchen derzeit intensiv, eine passende Support-Tour zu bekommen. Mit einigem Glück könnte das im Frühjahr 2008 klappen. Bis dahin spielen wir natürlich immer wieder mal einzelne Gigs.

Stef:
Vielen Dank, dass ihr euch Zeit für die Beantwortung der Fragen genommen habt und alles Gute und viel Erfolg weiterhin!

Redakteur:
Stef Thiel

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