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CONTRADICTION: Interview mit Oliver Lux

04.09.2005 | 23:02

Die Jungs von CONTRADICTION müssen mich zwischenzeitlich echt gehasst haben. Erst habe ich in meinem Review zu "The Voice Of Hatred" einige Fakten verdreht, dann konnte ich mehrmals den Interviewtermin nicht einhalten – und als die Sache dann endlich über die Bühne gehen kann, legen CONTRADICTION bzw. deren Sänger und Gitarrist Oliver Lux ein derartiges Tempo beim Beantworten der Fragen an den Tag, dass ich mich echt in Grund und Boden dafür schäme. Wie auch immer, auch vier Monate nach dem offiziellen Release ist "The Voice Of Hatred" noch immer ein ziemlich heißes Thrash-Eisen, und deshalb hat Oliver auch so einiges zu erzählen. Here we go...

Björn:
Hallo, alles klar soweit?

Oliver:
Ja sicher, alles bestens. Wir sind im Moment sehr zufrieden.

Björn:
Erst noch mal möchte ich mich von ganzem Herzen dafür entschuldigen, dass das Interview immer wieder verschoben wurde. Ich hoffe, ihr habt trotzdem noch Lust, meine Fragen zu beantworten...

Oliver:
Ja, natürlich. Es ist immer wieder nett, wenn sich Leute für unsere Musik interessieren.

Björn:
Euer aktuelles Album ist nun seit gut vier Monaten auf dem Markt, und ich denke, die Zeit den Erfolg der Platte einzuschätzen, ist mittlerweile reif. Seid ihr denn zufrieden mit dem Erreichten?

Oliver:
Leider haben wir bisher keine messbaren Ergebnisse, wie etwa Verkaufszahlen. Was wir aber merken ist, dass die Reaktionen auf Konzerten oder bei Gesprächen mit Metalheads immer mehr werden und wir somit den Eindruck haben, das CONTRADICTION für einige Leute ein Begriff geworden ist, der ihnen geläufig ist.

Björn:
"The Voice Of Hatred" ist euer erstes Album seit langer Zeit gewesen. Habt ihr denn trotzdem einen gewissen Druck bei den Aufnahmen verspürt, obwohl ihr ja eigentlich fast komplett von der Bildfläche verschwunden wart?

Oliver:
Nein, eigentlich nicht, zumindest nicht im negativen Sinne. Es ist natürlich immer ein gewisser Druck da, nämlich der, die Sache möglichst gut zu machen, aber der ist eher intrinsisch, also aus der Band heraus. Da wir alle gut bezahlte Jobs haben, sind wir in der Situation, Musik vor allem aus Freude an der Sache zu machen. Wir sind finanziell in keiner Weise davon abhängig, möglichst viel zu verkaufen oder fette Gagen einzustreichen, deshalb können wir entsprechend locker an die Sache herangehen. Das kann jemand, der von der Musik leben muss, natürlich nicht.

Björn:
Wohl wahr! Welche Erwartungshaltung hattet ihr dementsprechend an "The Voice Of Hatred"?

Oliver:
Tja, welche Erwartungen? Die haben sich schon mal insofern erfüllt, dass wir ziemlich gute Reviews bekommen haben und eine Menge Aufmerksamkeit erhalten. Außerdem sind wir selber mit "The Voice Of Hatred" sehr zufrieden.

Björn:
Vor nunmehr neun Jahren, im Jahre 1996, habt ihr mit "All We Hate" ein Album herausgebracht, das in lokalen Kreisen anscheinend mächtig beliebt war. Wir hatten ja per E-Mail schon einmal darüber diskutiert, inwiefern man bei 500 verkauften Einheiten von Erfolg reden darf, aber ich stimme dir zu, dass die Sache ein mehr als respektables Ergebnis war, bedenkt man, dass die Thrash-Szene zu der Zeit alles andere als lebendig war. Würdet ihr denn beim neuen Album bei solchen Verkaufszahlen immer noch von Erfolg sprechen?

Oliver:
Zunächst einmal muss ich hier klar machen, das wir 1996 runde 2500 Einheiten von "All We Hate" verkauft haben - und das Ganze ohne auch nur eine Tour gefahren zu haben. Es gab zwei Anzeigen, jeweils im Hammer und im Rock Hard, und ein paar Reviews. Von Seiten des Labels gab es, abgesehen von diesen Anzeigen, gar keine Bemühungen das Album zu bewerben. Außerdem ist unser damaliger Drummer aus der Band geschieden, so dass wir 96/97 komplett auf Eis lagen. Deshalb werten wir 2500 Einheiten als großen Erfolg. Zumal Thrash Metal gegen Mitte/Ende der 90er eher unpopuläre war.

Björn:
Gab es denn prinzipiell irgendeine bestimmte Marke in Sachen Verkaufszahlen, die ihr für das neue Album angepeilt habt, oder habt ihr an so was gar nicht gedacht?

Oliver:
Die Zeiten haben sich geändert, so dass heute 1000 – 2000 Einheiten schon als Erfolg gewertet wird, wobei die Labels da auch schon im profitablen Bereich arbeiten. Wir haben uns selbst kein Verkaufsziel gesetzt. Finanziell interessant wird es doch erst ab ca. 10000 Einheiten, dazu kämen dann noch mal das Dreifache an gebrannten CDs usw.

Björn:
Dann mal was anderes: Neun Jahre ohne Album sind ja eine verdammt lange Zeit. Wahrscheinlich hat man euch folgendes daher auch schon öfter gefragt. Warum hat es so lange gedauert, bis eine neue Platte auf dem Markt gekommen ist?

Oliver:
Ja, nach dem Release von "All We Hate" und dem Drummerwechsel haben wir erst mal eine Zeitlang gebraucht, uns neu zu orientieren. Außerdem habe ich in der Zwischenzeit mit CYBERYA einiges zu tun gehabt. Dazu kam dann ein weiterer Drummerwechsel Anfang 2000. Allerdings haben wir 2001 ein Demoalbum mit dem Titel "Contraminated" produziert, aber niemals offiziell veröffentlicht.

Björn:
Hat die Band denn die ganze Zeit über existiert?

Oliver:
Ja!

Björn:
Und wie sieht es mit den neuen Songs aus? Sind die in dieser gesamten Periode entstanden und haben entsprechend teilweise schon ein paar Jahre auf dem Buckel, oder ist das Material von "The Voice Of Hatred" erst in der letzten Zeit entstanden?

Oliver:
Das Material auf der "The Voice Of Hatred" ist bis auf 'Privacy' im Laufe des Jahres 2004 entstanden.

Björn:
Leider habe ich euer Debüt nie zu Ohren bekommen, daher würde mich mal interessieren, wie CONTRADICTION 1996 geklungen haben?

Oliver:
Tja, heißt das, du möchtest gerne ein Album haben? Leider haben wir keine Kopie mehr, aber wir können dir gerne eine gebrannte Kopie senden. Da die Rechte an dem Album bei uns liegen, werden wir, sobald die Kasse es hergibt, eine kleine Auflage mit neuem Cover in Auftrag geben und das Teil dann via Internet und auf Konzerten vertreiben.

Björn:
Da würde ich natürlich nicht nein sagen. Wie würdest du denn die Entwicklung seitdem beschreiben?

Oliver:
Vorwärts immer, rückwärts nimmer! Wir haben uns natürlich musikalisch und persönlich erheblich entwickelt und ich denke, das hört man im Vergleich den beiden Alben an.

Björn:
Damit wären wir im Jahre 2005 gelandet. Mal fernab von irgendwelchen Schubladen; wie würdest du eure Musik jemandem erklären, der noch keine Note von CONTRADICTION gehört hat?

Oliver:
Thrash Metal deutschen Ursprungs in der Tradition von z.B. KREATOR, mit einem guten Schuss Bay Area und einer Prise SEPULTURA. Traditionell, aber nicht altbacken. Mit einem vernünftigen Schuss Melodie und reichlich Attitüde!

Björn:
Und was hat euch beim aktuellen Songwriting am meisten beeinflusst?

Oliver:
Ich glaube, einfach der Wunsch ein gutes Album zu machen, aus den Zutaten, die uns am besten gefallen. Natürlich eine Menge Wut im Bauch, wie man den Texten anhören kann und der Spaß am Musizieren an und für sich, gell.

Björn:
Hattet ihr denn bisher auch schon mal die Chance gehabt, eines eurer Idole im Rahmen einer Support-Show zu beehren? Falls ja, welche Erfahrungen habt ihr dabei machen können?

Oliver:
Ich würde OVERKILL jetzt nicht gerade als eine Band nennen, die uns beeinflusst hat, aber die Tour war sehr nett und hat Spaß gemacht. Bobby und Konsorten sind nette und unkomplizierte Menschen und stehen hundertprozentig zu ihrer Musik. Ansonsten haben wir schon eine Menge Bands supportet. Leider gehören TESTAMENT und KREATOR, die wir alle gerne hören, nicht dazu. Aber wer weiß, das kann noch kommen.

Björn:
Wen hättet ihr denn für einen solchen Fall am liebsten als Headliner?

Oliver:
Z.B. oben genannte Bands, sicherlich ist aber im Endeffekt egal wen, entscheidend ist, wie viele Leute dort hinkommen, denn viele Leute heißt viel Promotion.

Björn:
Die Festival-Saison ist ja mit dem Summer Breeze am vergangenen Wochenende quasi verklungen. Habt ihr dieses Jahr auch ein paar Festival-Shows an Land ziehen können?

Oliver:
Jau, wir haben ein paar kleinere Open Airs, wie etwa das Fun And Crust oder das Thrash Till Death gespielt. Aber der Knaller war der Gig auf dem W:O:A. Das hat mächtig Spaß gemacht.

Björn:
Und wann kann man CONTRADICTION in nächster Zeit noch mal live sehen?

Oliver:
Immer wieder. Livedates gibt es auf unserer Internetpräsenz. Die Updates erfolgen beinahe täglich, bzw. sobald es etwas zu berichten gibt. Das nächste ist das Screamfestival in Lübeck mit J.B.O. und RUNNING WILD.

Björn:
Spielt ihr denn eher nur regionale Wochenendgigs, oder ist da auch für die nächste Zeit eine Tour in Planung?

Oliver:
Wir spielen wohl eher Wochenendgigs, die aber bundesweit und international, hoffen aber im nächsten Jahr wieder eine Tour machen zu können.

Björn:
Spielt ihr denn auch noch viele ältere Sachen live oder liegt der Schwerpunkt schon eher auf den Songs von "The Voice Of Hatred"?

Oliver:
Wir spielen Songs von allen Veröffentlichungen, die wir gemacht haben. Das Material klingt auf den CDs sehr unterschiedlich, leider auf der "Contraminated" oder der
"Rules Of Peace" eher schlechter als auf der "All We Hate" oder "The Voice Of Hatred", aber live knallt die Sache schon gewaltig, da wir dort natürlich immer den gleichen Sound haben.

Björn:
Und wie sieht es mit neuem Material aus? Ich hoffe mal, wir müssen jetzt keine weiteren neun Jahre mehr warten...

Oliver:
Das neue Album ist schon in Arbeit. Wir starten im September mit der Vorproduktion und hoffen dann im Winter mit den Aufnahmen zu starten. Wenn wir nicht allzu langsam sind, sollte ca. 2010 ein neues Album in den Regalen stehen, harr harr, harr!
Spaß beiseite: Ich denke, wir werden im Sommer 2006 dem Nachfolger von "The Voice Of Hatred" an den Start gehen.

Björn:
Hast du schon eine Idee, in welche Richtung das Ganze musikalisch gehen wird?

Oliver:
Ich befürchte, dass wir unserem Stil treu bleiben werden und hoffe, diesen aber noch ein bisschen verfeinern zu können. Da ich - wie beim letzten Mal - das Album selber produzieren werde und das Songwriting überwiegend wohl auch wieder von Oliver (Kämper, g. - d. Verf.) und mir sein dürfte, sehe ich da auch kein Problem.

Björn:
Und wann können wir wieder mit euch rechnen?

Oliver:
Immer und jederzeit! Wenn du ein neues Album meinst: Im Sommer/Herbst 2006, insofern Armageddon Music dem zustimmen!

Björn:
Was lange währt, wird endlich gut. Das Interview ist doch noch über die Bühne gegangen. Obwohl die Leser etwas länger haben warten müssen: Möchtest du ihnen zum Abschluss noch etwas mit auf den Weg geben?

Oliver:
Ja, frei nach Terry Pratchett: Heißes Wasser, gute Zahnärzte und weiches Toilettenpapier, das sind die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Habt Spaß...
... und wenn ihr unser Logo mal irgendwo sehen solltet, gebt uns eine Chance, wir geben euch auch eine!

Redakteur:
Björn Backes

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