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CONTRADICTION: Interview mit Oliver Kämper

06.11.2006 | 11:35

Am 17.11. wird das neue Album der deutschen Thrasher CONTRADICTION erscheinen. "The Warchitect" haben die vier lang gedienten Metaller ihr aktuelles Werk getauft und abermals, dem Sinne des Titels entsprechend, ein feines Thrash-Bauwerk auf einem massiven Groove-Fundament konstruiert.
In den letzten 17 Jahren – so lange gibt es CONTRADICTION bereits - mag sich vieles auf dieser Welt verändert haben, nicht aber die Tatsache, dass die Herren Oliver "Koffer" Lux (g., v.) und Oliver Kämper (g.) ihre Thrash-Metal-Formation CONTRADICTION am Laufen haben. Zwar gab es in den Jahren einige Besetzungswechsel zu verzeichnen und auch der nötige Support eines Labels war nicht immer vorhanden, doch die beiden "Ollis" haben mit ihren Mitstreitern immer wieder bewiesen, dass es sich bezahlt macht, für eine Band alles nur Mögliche zu unternehmen um damit auch etwas reißen zu können.
In den letzten Jahren schien sich die Lage durchaus verbessert zu haben, denn obwohl mächtiger, von der alten Schule infiltrierter Thrash Metal nicht unbedingt dem Zeitgeist entspricht, konnte nicht nur das Line-Up durch Karsten Heyn (b.) und Tim Obernyer (dr.) stabilisiert werden, sondern mit Armageddon Music auch ein verlässlicher Partner für Businessahngelegenheiten gewonnen werden. Als erstes Ergebnis dieser Liaison erschien im letzten Jahr "The Voice Of Hatred" und auf der letzten Europa-Tournee der New Yorker Institution OVERKILL durften CONTRADICTION den Support-Act geben.
Keine schlechte Ausgangslage. Doch "The Warchitect", das in fast rekordverdächtiger Zeit nachgeschoben werden konnte, wird die Band mit Sicherheit ein gehöriges Stück die Erfolgsleiter weiter nach oben klettern lassen. Davon bin zumindest ich nach intensivem Hörgenuss dieses Albums überzeugt. Gitarrist Oliver sieht das zwar nicht ganz so euphorisch wie ich, wusste aber jede Menge an Neuigkeiten zu erzählen, wie diesem Interview zu vernehmen ist.

Walter:
Wie ist denn die Tournee zusammen mit OVERKILL gelaufen?
Ich habe damals den Gig in Wien gesehen und war beeindruckt. Der Besuch war zwar ein wenig dürftig, aber das hat sicher nicht an euch gelegen.

Oliver:
Die Tour war unter'm Strich sehr gut, wenn auch bei den ersten Dates relativ dürftig besucht, wie du richtig erkannt hast. Nach dem Konzert in Wien zog die Besuchermarke deutlich an. Besonders gut war, dass es auch zwischenmenschlich super gelaufen ist, OVERKILL sind nämlich ein ziemlich netter Haufen, von denen fast alle immer für ein Gespräch oder einen Scherz aufgelegt sind. Und wir selbst sind von den Besuchern auch meist sehr gut aufgenommen worden, ein nicht zu unterschätzender Faktor für die Grundstimmung während einer Tour.

Walter:
Trotz der Tatsache, dass ihr im Anschluss an euer letztes Album auf Tournee gehen konntet, habt ihr es in sehr kurzer Zeit geschafft ein neues Studioalbum einzuspielen.
Seid ihr besonders kreativ gewesen in den letzten Monaten oder war es eure Intention möglichst schnell mit einer weiteren Platte am Start zu sein?

Oliver:
Nach der Tour haben wir noch eine ganze Reihe Festivals und Gigs gespielt, bevor wir dann gegen Ende 2005 angefangen haben, neues Material zu schreiben. Wir wollten einfach frühzeitig Material sammeln, um dann für eine weitere CD eine gute Songauswahl beisammen zu haben, was uns dann ja mit 22 neuen Songs auch gelungen ist. Diese haben wir zunächst vorproduziert und daraus die Songs für das Album ausgewählt. Unterdessen waren wir trotzdem dauerhaft live unterwegs, wir haben also zweigleisig gearbeitet.

Walter:
Fleißig, fleißig. Wie darf man sich das Songwriting bei euch generell vorstellen?
Im Sinne von "traditionellen" Bands, die sich ein- oder mehrmals die Woche im Proberaum treffen um dort eventuelle Songideen gemeinsam anzutesten, oder doch "modern", in dem jeder in seinem Wohnzimmer sitzt und per Mail seinen aufgenommenen mp3-Dateien durch die Weltgeschichte flitzen lässt?

Oliver:
Da liegen wir wohl ziemlich genau in der Mitte. Wir zwei Gitarristen der Band treffen uns ab und zu anstelle der Probe zu Songwriting-Sessions im Homestudio von Koffer und arbeiten dort unsere Ideen aus. Das wird dann als ganzer Songs dem Rest der Band vorgeführt, die das dann absegnen oder mit ihren Ideen ergänzen. So fahren wir bisher am Besten und sind damit auch äußerst produktiv.

Walter:
Klingt plausibel. Auffällig an "The Warchitect" ist auch, dass ein Großteil der Songs trotz aller Heftigkeit, durch prägnante Melodien das Zeug zu Hits hat.
War das Songwriting dahingehend ausgelegt? Ich behaupte einmal, dass es daran liegt, dass ihr mittlerweile kompositorisch gereift seid und gar nicht mehr anders könnt.

Oliver:
Du triffst den Nagel meiner Meinung nach voll auf den Kopf! Gerade eben erst habe ich ein Review gelesen, wo uns der Rezensent doch tatsächlich "Melodie-Armut" bescheinigt... deshalb finde ich es echt gut, dass du jetzt in dieser Art auf diesen Punkt eingehst, der uns meiner Meinung nach ausmacht. Wir sind kompositorisch sehr gereift und wir schreiben uns ja auch auf die Fahnen, heftige Mucke zu machen, bei der das melodische Moment nicht zu kurz kommt. Früher haben wir z.B. haufenweise Riffs für einen einzigen Song gebraucht, heute strukturieren wir die Songs besser und benötigen dafür halt weniger Riffs, was sich im Endergebnis immer sehr gut macht. Dabei profitieren wir am meisten davon, dass der Koffer einfach ein gutes Händchen für das Arrangement eines Songs hat.

Walter:
Und zudem ist auch die stilistische Bandbreite offensichtlich breiter geworden. Steigen eigentlich auch eure Erwartungen, mit "The Warchitect" erfolgreicher zu sein, als mit den Scheiben zuvor?

Oliver:
Auch hier Danke für das Kompliment. Erwartungen? Na ja, das mit dem Erfolg hängt von so vielen Faktoren ab, die man nicht beeinflussen kann. Die Hoffnung, dass die Tendenz weiter nach oben geht, ist natürlich da und wir sind auch eine recht emsige und umtriebige Band. An mangelndem Einsatz jedenfalls kann's nicht scheitern.

Walter:
Das wird euch wohl hoffentlich auch niemand unterstellen, schließlich brauchen manchen Bands wesentlich länger um nur das Schlagzeug im Studio zu richtig zu stimmen, während ihr mit einem neuen, imposanten Album am Start seid.
Anderes Thema: "The Voice Of Hatred" stand zumindest was die Texte betrifft, in direktem Zusammenhang mit "All We Hate". Stellt "The Warchitect" abermals eine Art Fortsetzung dar?

Oliver:
Das ganz sicher. Es ist wieder einmal (und doch mal wieder anders) eine Abrechnung mit den Herrschern und Verbrechern dieser Welt. Und zwar nicht nur mit dem anklagenden, gehobenen Zeigefinger, sondern mit konkreten Ansagen, die wir zu gerne jetzt und hier in die Tat umsetzen würden. Welch eine Genugtuung das wäre....

Walter:
Das Thema Texte war und ist bei CONTRADICTION ein sehr Wichtiges.
Offenbar reicht der Alltag aus um euch zu euren lyrischen Ergüssen zu inspirieren, oder ist da noch etwas, das erwähnt werden sollte?

Oliver:
Der Alltag gibt da schon genug Themen her... sofern man sich nicht nur von der Glotze und bescheuerten Ballerspielen zudröhnen lässt bzw. auch mal die Augen offen hält und über den Tellerrand schaut. Wir schreiben über Themen, die real sind und uns täglich und konkret ankotzen, da ist es ganz einfach ein Bedürfnis, diesen Hass rauszulassen. In der Musik können wir das kanalisieren. In Zeiten, in denen der Mensch nur noch "Kostenfaktor" oder "Menschenmaterial" darstellt, müssen wir uns nicht auch noch hinsetzen und über "666 evil corpse-grinding butcher devil & Co." texten, das langweilt mittlerweile.

Walter:
Verstanden. Stilistisch scheint ihr (schätzungsweise auf Grund des "Alters" – ich tippe jetzt einmal auf Mid-30er und hoffe niemanden beleidigt zu haben) von der "alten Schule" des Thrash Metal beeinflusst zu sein. Ich für meinen Teil würde sagen, man hört zwar auch Einflüsse aus dem europäischen Thrash, in erster Linie aber scheinen es euch Bands aus den Staaten angetan zu haben. Welche Bands müssen denn erwähnt werden, wenn man von Einflüssen spricht?

Oliver:
Richtig, der Old-School-Thrash ist unser Basis-Sound, den wir dann mit ein paar modernen Einflüssen sparsam ergänzen. Einflüsse sind ganz klar Bands wie SLAYER, EXODUS, TESTAMENT, OVERKILL, KREATOR und Konsorten, was man auch ruhig raushören darf. Dennoch haben wir unsere ganz eigene Note, wie uns oft bescheinigt wird.

Walter:
Genau deshalb finde ich die MOTÖRHEAD-Coverversion, die sehr gelungen ist und perfekt zur Scheibe passt, eher untypisch für CONTRADICTION. War das so beabsichtigt?

Oliver:
Da zumindest Koffer und ich auch große MOTÖRHEAD-Fans sind, war es uns ganz einfach ein Bedürfnis, Lemmy und seiner Mannschaft mit der Umsetzung dieses Songs unsere Ehrerbietung zu erweisen. Koffer's Stimme passt zu diesem Song einfach ideal, wie wir jetzt wissen. Diese Coverversion rundet die neue Scheibe ziemlich gut ab.

Walter:
Wer hat das Cover entworfen, das den Titel sehr treffend wiedergibt?

Oliver:
Das Cover hat Jacek Wisniewski kreiert, der auch die letzten Albencover von VADER, GRAVE und GOD DETHRONED gemacht hat. Da reihen wir uns doch gerne ein.

Walter:
Glaub ich dir. In ähnlich guter Gesellschaft wart ihr ja auch zuletzt auf Tour. Gibt es schon Verhandlungen um auch mit "The Warchitect" auf Tournee zu gehen? Oder ist etwa schon eine Tour spruchreif?

Oliver:
Es gibt Planungen, aber spruchreif ist davon noch gar nix, leider. Wir müssen halt auch immer zusehen, dass wir eine Tour finden, die sich nicht allzu lange hinzieht, da wir fast alle beruflich und auch familiär stark eingebunden sind. Mit der OVERKILL-Tour ist uns das ja schon mal gelungen und ich bin zuversichtlich, dass es da bald was zu verkünden gibt.

Walter:
Wie man euch kennt, werdet ihr ohnehin keine Gelegenheit auslassen euch wieder vor Publikum zu präsentieren. Sehr lobenswert und außerdem sicherlich immer ein Garant für einen coolen Abend voll energiereicher Thrash-Mucke.
Gibt es eine Region, in der CONTRADICTION zu "Publikumsmagneten" geworden sind?

Oliver:
Oh ja, auch 2007 werden wieder diverse Örtlichkeiten zerlegt... live sehe ich uns besonders stark. Wir haben derzeit einen ganzen Haufen Dates in Arbeit, die wir euch baldigst bekannt geben wollen. Als wahren Publikumsmagnet kann man uns nicht unbedingt bezeichnen, aber der Bekanntheitsgrad hat in den letzten zwei Jahren schon deutlich zugelegt. Auffällig ist auch, dass wir immer mehr Anfragen aus dem Ausland bekommen, das will ja auch was heißen. Es geht in unserem Bereich nichts über eine anständige, kontinuierliche Live-Präsenz.

Walter:
Ganz genau, so soll es sein.
Irgendwelche Schlusskommentare, die ihr noch loswerden wollt?

Oliver:
Gebt "The Warchitect" mal 'ne Chance und er wird sie euch auch geben. Da wir in jeder Ecke irgendwann einmal aufspielen, sollte auch jeder einmal die Gelegenheit nutzen, uns live anzuchecken, es lohnt sich wirklich!

Walter:
Woran kein Zweifel besteht."The Warchitect" ist nämlich ein wahres Schmuckstück auf dem Thrash-Metal-Sektor geworden!

Redakteur:
Walter Scheurer

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