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COG: Interview mit Luke Gower

23.08.2008 | 09:33

Ich habe schon lange kein Album mehr gehört, das sich mit einer solchen Selbstverständlichkeit nicht vergleichen lässt, sich keinen Konventionen unterwirft und dabei dennoch ein extremes Ohrwurmpotential aufweist. Gelungen ist dieses Kunststück einem australischen Trio mit dem etwas kryptischen Namen COG, die damit einen heißer Anwärter auf den Titel "Album des Jahres" vorgelegt haben. Bassist Luke Gower beantwortete meine Fragen.

Peter:
Als erstes herzlichen Glückwunsch zu diesem großartigem Album. Wie ist denn das Feedback bisher?

Luke:
Oh, danke sehr! Es scheint alles gut zu laufen. Wir haben ein paar Gigs gespielt und die neuen Sachen sind alle super bei den Fans angekommen. Die Gigs haben echt Spaß gemacht und ich habe es genossen die neuen Sachen zu bringen.

Peter:
Da ihr unseren Lesern bisher noch recht unbekannt sein dürftet, wäre es gut, wenn Du mal kurz die Band vorstellst und eine kurze Zusammenfassung gibst, was ihr bisher gemacht habt.

Luke:
Nun, wir sind ein australisches Trio, das 1999 angefangen hat Songs zu schreiben. Grundsätzlich hatte unser Konzept bzw. die Reise, die wir antreten wollten, das Ziel Musik zu schreiben, die wir alle in der Band mögen und von dir wir denken, dass sie anders und in gewisser Weise originell klingt. Das ist auch immer noch unser Ziel, wenn wir Songs schreiben und ich finde, dass wir diese Einstellung auch bei unseren Gigs haben.

Peter:
"Sharing Space" hat mich tatsächlich vom ersten Durchlauf an gefangen genommen. Aber als ich die Rezension geschrieben hatte, fiel es mir sehr schwer unseren Lesern einen guten Eindruck von eurem Sound zu vermitteln, da ich euch mit keiner Band vergleichen konnte. Wie würdest Du eure Musik in deinen eigenen Worten beschreiben?

Luke:
Eigentlich mag ich es nicht Worte dafür zu benutzen. Die Leute sollen sich die Musik selbst anhören. Aber ich werde es trotzdem mal versuchen. Wir sind beeinflusst von einem großen Spektrum von unterschiedlicher Musik von überall aus der Welt, von unterschiedlichen Künstlern, aus verschiedenen Epochen, der Zukunft und der Gegenwart. Von PINK FLOYD, UNDERWORLD, LED ZEPPELIN, HELMET, THE POLICE, SEPULTURA, KING CRIMSON, AC/DC, MIDNIGHT OIL bis hin zu BJÖRK, NINA SIMONE, DIRE STRAITS, MUDDY WATERS, BOB MARLEY oder JEFF BUCKLEY. Ich denke, wir hören so viel unterschiedliche Musik, dass wir so eine Art natürlichen Extraktes dieser Musik kreieren, wenn wir unsere eigenen Songs schreiben. Wir setzen uns grundsätzlich keine Grenzen bei dem, was ein COG-Song darf und was er nicht darf. Alles ist möglich. Alles ist erlaubt. Es geht ja generell viel mehr darum, was man sich selbst vornimmt zu tun.
Wir schreiben beispielsweise die Songs auf allen Instrumenten, was eine große für unseren Sound spielt. Gerade, wenn es um die Unterschiede von Song zu Song geht. Was immer das Beste für den Song ist, machen wir. Wir haben zum Beispiel in letzter Zeit viel Dub gehört und ich denke, dass man das "Sharing Space" an einigen Stellen auch durchaus anhört.

Peter:
Eure Texte scheinen ziemlich politisch zu sein. Ist es eines eurer Ziele auf politische Probleme hinzuweisen?

Luke:
Eines der Ziele der Band ist es Texte zu schreiben, die auf Probleme, die uns bewegen, hinweisen. Egal, ob sie politisch sind oder nicht. Dabei wollen wir nicht den Zeigefinger erheben, sondern lediglich auf eine andere Seite hinweisen, die der Hörer vielleicht noch nicht kennt. Dann kann er sich immer noch selbst einen Kopf machen. Es gibt Probleme, die uns wirklich beschäftigen und ich singe lieber darüber, als über irgendeinen süßlichen Mist.

Peter:
Bands, die Sylvia Massy produziert hat, sind danach relativ schnell, relativ groß geworden. Ich denke dabei nur an TOOL ("Undertow" - PK) oder SYSTEM OF A DOWN (das Debüt – PK). Ist sie die perfekte Produzentin für solche aufstrebenden, originellen Bands?

Luke:
Sylvia ist eine großartige Produzentin, die schon mehrfach bewiesen hat, was sie kann. Sie hat schon mit wirklich großartigen Bands gearbeitet, die auch durch ihre Arbeit später sehr groß wurden. Und natürlich hoffe ich, dass das auch bei uns der Fall sein wird. Ich fände es großartig, wenn wir eine Welttournee spielen könnten vor Leuten, die uns sehen wollen und dabei von der Musik leben können. Wer würde das nicht wollen? Und ja, sie hat ein tolles Studio und ich bin sehr glücklich, dass wir die Chance hatten mit ihr und den anderen Produzenten wie Rich Veltrop und Jim Wood zu arbeiten.

Peter:
Wie seid ihr eigentlich mit dem noch relativ neuen Label "Superball Music" (ein neuer Ableger von InsideOut, wo bisher OCEANSIZE und THE AMBER LIGHT erschienen sind – PK) in Kontakt gekommen und was erwartet ihr von ihnen?

Luke:
Oh, sie haben uns kontaktiert und dann haben wir angefangen zu verhandeln und einen Vertrag ausgearbeitet. Das hat super funktioniert. Natürlich erwarten wir vom Label, dass sie genauso viel Energie in ihren Job packen, wie wir es als Band auch tun. Wir sind sehr darauf bedacht bei allen Entscheidungen involviert zu sein und ich denke, dass das gut funktionieren wird, wenn wir das Team in London getroffen haben.

Peter:
London ist ein gutes Stichwort. Kannst Du dir vorstellen von Australien nach Europa oder in die USA zu ziehen, um näher am Business zu sein und hier besser touren zu können?

Luke:
Ja, vorstellen köntte ich mir das natürlich. Zumindest für eine Weile. Um das wirklich angehen zu können, müssten wir gut darauf vorbereitet sein einige Zeit nicht mehr in Australien zu sein. Das muss man ganz realistisch sehen. Das Schwierigste wäre wohl eine gute Balance zwischen Europa und Australien zu finden. Aber ich kann mich grundsätzlich schon an irgendeinem europäischen Strand sehen, haha.

Peter:
Gibt es denn schon Pläne für eine Tour in Europa und im Speziellen natürlich in Deutschland? Und wenn ja, wisst ihr schon mit wem ihr spielen werdet?

Luke:
Es gibt ein paar Pläne in Europa zu spielen, aber da ist noch nichts in Stein gemeißelt. Wir werden daran jetzt, wo wir ein Album bei euch veröffentlicht haben, natürlich noch härter arbeiten, um ein paar Shows spielen und das Album promoten zu können. Das ist absolutes Neuland für uns und ich bin total aufgeregt, wenn ich daran denke, dass wir bald vor tausenden von neuen Leuten spielen können.

Peter:
Okay, noch eine Frage, die nichts mit Musik zu tun hat. Die Olympischen Spiele in Peking sind gerade gestartet. Wie ist deine Meinung zu China als Ausrichter der Olympischen Spiele?

Luke:
Ich habe es mir ein bisschen angesehen und sie scheinen einen guten Job zu machen, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass sie Tibet verdammt noch mal Tibet sein lassen sollten. Ehrlich jetzt, sie sollten sie enfach gehen lassen.

Redakteur:
Peter Kubaschk

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