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COBRA: Interview mit Harry el Sucio

08.05.2014 | 22:38

"Die Texte müssen aggressiv und gewaltsam sein!" In Peru steht man mehr auf Ziegensamen als auf Kuschelkurs und Kommerz.

 

Das peruanische Gespann COBRA ist für Traditionalisten zwar kein absoluter Geheimtipp mehr, viel über die Band weiß man dennoch nicht. Das sollte sich schleunigst ändern, erscheint doch gerade die zweite Scheibe "To Hell" über Ván Records und ist die Band für die nächste Ausgabe des "Keep It True"-Festivals gebucht. Sänger Harry el Sucio bringt uns auf den neusten Stand, was die lateinamerikanische Giftschlange betrifft.

Nils: Was hat euch damals zusammengeführt, um COBRA zu gründen?

Harry el Sucio: Ich bin erst seit 2006 in der Band, als Nito auf der Suche nach einem Sänger war. Die Motivation von Nito und Pochuck war aber einfach die, dass sie genau den Metal spielen wollten, den sie selber gerne hören. Sie mögen ihn roh und aggressiv.

Von der Musik leben könnt ihr vermutlich nicht. Womit bestreitet ihr euren Lebensunterhalt?

Es ist sehr scher, in Peru von der Musik leben zu können, das stimmt. Die meisten von uns haben aber Jobs, die mehr oder weniger mit Musik zu tun haben. Nito ist Tontechniker, Augusto lehrt Psychologie und Pochuck arbeitet für eine Werbeagentur. Andrés und ich arbeiten in einem Label-Startup.

Wie kam es denn zum Deal mit Ván Records? COBRA gibt es ja schon ein paar Jahre, ist jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, den europäischen Markt zu erobern?

 

Wolf von Sure Shot Word hat uns zusammengebracht, denn Sven (Ván-Labelchef - NM) war an COBRA interessiert als er "To Hell" gehört hat. Austral Holocaust und Ván haben sich also zusammengetan, um unsere beiden Alben in Europa zu veröffentlichen.

Der Zeitpunkt, bei euch einzufallen, ist aber immer der richtige. Da gibt es kein Entkommen!

 

Die meisten Bands bei Ván sind etwas speziell, haben einen okkulten Hintergrund etc. Wie steht es um COBRA? Oder seid ihr "nur" eine ganz normale Heavy-Metal-Band?

Ich weiß, was für Bands dort unter Vertrag stehen und ich finde es ziemlich cool, muss ich sagen. Wir bei COBRA wollen uns aber keinem Glauben anschließen, der nicht Freiheit und Rock'n'Roll bedeutet. Keine Ahnung, ob das aus uns eine normale Metal-Band macht. Heavy Metal ist doch mehr eine Einstellung und geht über die Schublade weit hinaus.

Dass ihr vor allem auf den Heavy Metal der 80er steht, ist offensichtlich. Welche Bands gehören denn zu euren größten Einflüssen?

Wir verehren den traditionellen Metal und wahren Rock'n'Roll in jeglicher Form. Unsere größten Helden sind vor allem AC/DC, JUDAS PRIEST, SAXON, SATAN und eine Reihe weiterer Bands und Musiker, die Musik erschaffen haben, die dein Leben völlig verändern kann.

Was für Vorzüge hat der Old-School-Sound denn im Vergleich zu moderneren Metal-Sounds?

Ich glaube, dass es dabei nicht um alt oder neu geht. Musik ist eine Form der Kunst. Und solange Kunst ehrlich ist, bleibt sie auch interessant.

Es gibt unzählige Bands, die einen ähnlichen Stil zocken wie ihr. Was macht COBRA einzigartig?

Ob das wirklich "einzigartig" ist, was wir da treiben, sei einmal dahingestellt. Ich kann dir aber versichern, dass wir absolut ehrliche und kompromisslose Musik machen. Wir würden niemals etwas vorgeben, das wir nicht sind.

Ich habe bisher nur einen Download und kein Booklet. Wovon handeln eure Songs, welche Dinge im Leben sind es wert, darüber Songs zu schreiben?

Es geht um viele verschiedene Themen. Manchmal handelt es sich um Dinge, die unmittelbar mit dem Leben oder dem Alltag zu tun haben, es kann aber auch um Rock'n'Roll oder Heavy Metal an sich gehen. Hin und wieder singen wir auch über den Tod und erfinden kleine Geschichten, die sich in den Texten wiederfinden. Die einzige Bedingung ist, dass es aggressiv und gewaltsam sein muss.

Über die Metal-Szene in Peru weiß ich nicht viel. Was kannst du mir darüber erzählen?

 

Peru ist genau so für extremen Metal bekannt wie Brasilien, Chile oder Kolumbien. Bands wie MORTEM, HADEZ, ANAL VOMIT und GOAT SEMEN sind schon lange im Ausland bekannt.

Die Szene hier in Peru hat sich in den letzten Jahren aber stark verändert. Die Szene ist sehr klein, und sie wächst auch nicht wirklich. Dafür werden hier einige wirklich interessante Bands geboren, die alle ihre eigene Identität entwickeln und darauf kommt es letztendlich an. Hier geht es wirklich krass und brutal zu. Die Headbanger auf den Konzerten kennen keine Grenzen, alles ist wirklich brutal und heavy. Das ist schon charakteristisch für diese Gegend, würde ich meinen.

Auch wenn es nicht so viele Bands aus Peru gibt, haben sie doch alle etwas Besonderes. Ich gebe dir mal ein paar Namen, die du unbedingt antesten solltest: STONEHEAD, MORBID SLAUGHTER, REINO ERMITANO, MORBOSATAN, MAZE OF TERROR, NECROFAGORE und BLASPHEMOUS DIVISION.

 

Konntet ihr schon Erfahrung mit der Metal-Szene hier in Europa machen?

2009 bin ich durch Europa gereist und habe dabei viele Leute aus den unterschiedlichsten Ländern kennengelernt. Das war eine unglaubliche Zeit! Wir stehen auf jeden Fall in Kontakt mit einigen europäischen Bands, Labels und Fans.

Was bedeutet denn der Begriff "Underground" für euch in einer Zeit, in der jeder in kürzester Zeit auf sämtliche Informationen zugreifen und jede Platte direkt hören kann? Gibt es diesen krassen Unterschied zwischen Underground und Mainstream noch?

Für uns ist der Begriff Underground mehr eine Lebenseinstellung, die Dinge auf eine gewisse Art und Weise zu tun. Es hat also wenig damit zu tun, wie schnell man sich ein bestimmtes Wissen aneignen kann oder nicht. Hätten wir diesen Informationsfluss nicht, würden wir beide jetzt kaum dieses Interview führen. Technologie kann und sollte man immer sinnvoll einsetzen.

Das Dilemma zwischen dem Underground und dem Mainstream wird es immer geben, so viel ist sicher. Man muss sich nur selber treu bleiben und nicht den Blick für das Wesentliche verlieren. Man muss nicht geldgeil sein, aber es ist auch blöd, ein scheuklappenbehafteter Schwachkopf zu sein, der nur aus Prinzip auf interessante Möglichkeiten und Chancen verzichtet.

COBRA wurde vor kurzem für das nächste "Keep It True"-Festival bestätigt. Wie sieht es denn mit Clubshows aus?

Das "Keep It True" ist bisher das einzige Datum, an dem wir bislang gebucht sind. Wir würden uns aber sehr über eine europäische Tour freuen, das ist klar. Wir wollen so viele Shows spielen, wie es nur geht. Wir sind hungrig und wollen jede Stadt in Schutt und Asche legen, in der wir auftreten!

Wohin wird euch die Musik noch führen, was meinst du?

Es wird soweit gehen, wie wir bereit dazu sind. Es geht einzig und allein um unsere kompromisslose Hingabe an Rock'n'Roll und Heavy Metal. Danke für das Interview und den Support. See you soon, maniacs!

Redakteur:
Nils Macher

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