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CHALICE: Interview mit Oliver Scheer

05.12.2005 | 19:11

Es könnte das Jahr von CHÂLICE werden. Nach einem mehr als überzeugenden Album ("Shotgun Alley") wird man in Bälde mit ALICE COOPER und DEEP PURPLE auf Tour gehen, um endlich vor einem größeren Publikum zocken zu können. Allerdings konnte man nach dem letzten Album nicht auf Tour gehen. "Ja, das leidige Thema Tour zum letzten Album. Das war wohl der größte Fehler, den man begehen konnte, aber wir haben einfach damals so sagenhaft viel Kohle in die Produktion gesteckt und bekamen dann zur Tour einfach keine Unterstützung vom Label. Eine Tour hätten wir sogar schon gehabt, aber es ging dann einfach nicht. Das hat uns total gefrustet, aber es ließ sich zu der Zeit leider nicht ändern."
Auch mit der angestauten Wut aus dieser Zeit ist die Heaviness des neuen Albums zu erklären. "Es ist nicht so, dass wir drüber gesprochen hätten oder uns jemand gesagt hätte, wir müssten jetzt diesen Weg einschlagen. Ich glaube, jeder von uns stand da irgendwie im Proberaum und dachte sich: "Verdammt noch mal, leckt uns doch und nehmt dies". Ganz allgemein haben wir uns viel weniger Gedanken über die Details gemacht, wir waren immer glücklich wenn es gerockt hat."
Ob Rock oder Metal, die Band pfeift auf Schubladen. "Ehrlich gesagt kann das doch eh keiner so recht auseinander halten. Uns ist das echt egal. Ich denke sogar, dass wir auf fast jedem Album sowohl Metal- als auch Rock-Stücke hatten, wo will man also ansetzen, wenn eins von beiden die 50 Prozent übersteigt? Ist schon irgendwie albern, oder? Ich könnte mir vorstellen, dass es einige gerne eindeutiger hätten, andererseits lieben unsere Fans genau diese Abwechslung. Hmmm, ist nicht alles irgendwie Rock'n Roll? Hör dir mal BILLY JOEL an, der hat einen Song namens 'It's Still Rock And Roll To Me', da geht's genau darum."

Dabei werden die Songs vor ein paar tausend Leuten mit Sicherheit noch besser rocken. "Yeeeees!! Ja, wie sind wir dazu bekommen? Ich würde sagen, wir wollten die Tour und haben darum gekämpft, bis wir sie hatten. Dazu noch einen Fürsprecher und alles ging seinen Weg. Man muss da immer am Ball bleiben, sonst verpasst man die besten Dinge im Leben. Ich denke, am meisten freuen wir uns auf die Hallen an sich, vor 5000-10000 Leuten zu spielen ist der ultimative Adrenalin-Kick."
Recht viel bessere Tourmitstreiter kann man sich ja auch gar nicht vorstellen. "Ach, es gibt da sicherlich noch ein paar Bands, die wir uns in den nächsten Jahren noch wünschen würden, momentan ist im Speziellen DEEP PURPLE aber wohl das Beste, was uns passieren kann. Sie sind im Moment in aller Munde und auf allen Kanälen, und nicht zuletzt natürlich große Idole. Wer weiß, wie sich die Rockmusik (und somit auch unsere) entwickelt hätte, wenn es DEEP PURPLE nicht gegeben hätte."

CHÂLICE wird dabei viele neue Erfahrungen machen. Viele Fans werden sich aber auch fragen, was CHÂLICE eigentlich bedeutet. "Ach, irgendwann in der Steinzeit saßen Gino und ich mal zusammen und blätterten im Lexikon nach cool klingenden Namen. Da stießen wir auf "Chalice", wobei uns die Bedeutung total schnurz war. Irgendwie kamen dann immer mehr Leute auf uns zu und fragten wie das ausgesprochen wird, und um es deutlich zu machen, setzten wir das Dach auf's A, was dazu führen sollte, dass der Name französisch ausgesprochen wird. Leider brachte das natürlich überhaupt nichts, die Leute wissen immer noch nicht, wie man es ausspricht und die schreibende Zunft vergisst das Dach eh regelmäßig. Naja, wir fanden und finden es trotzdem cool keinen englischen Namen zu haben."
Im Gegensatz zu der Bedeutung des Bandnamens sind die Lyrics bei CHÂLICE bedeutungsvoll. "Na, da fragst du den Richtigen. Ich schreibe keine Texte und beschäftige mich meist erst damit, wenn das Album mit Booklet vor mir liegt. Dann allerdings merke ich immer: "Scheiße, der Gino hat sich ja mal wieder richtig Gedanken gemacht!". Für Gino sind die Texte sehr wichtig, es wäre für ihn undenkbar, irgendeinen Fantasy-Text vor sich hin zu brabbeln, das muss schon alles Hand und Fuß haben. Zumal die Texte wirklich meist sehr persönlich sind, was aber heißen kann, dass sowohl eigene Erlebnisse, als auch politische Ereignisse, die ihn bewegt haben, verarbeitet werden. Da gibt es keine Schablone."

Wie viele andere Hard-Rock- und Metalbands sind die Wurzeln der Band auch in Hamburg verankert. "Ich habe das gar nicht so im Blick. Klar, HELLOWEEN und alles was danach kam... MASTERPLAN, GAMMA RAY, okay, RUNNING WILD... ach ja, da sind ja schon noch ein paar. Ich denke, Hamburg war schon immer ein gutes Live-Pflaster, allein schon damals mit den BEATLES etc., das hat in der Stadt einiges bewegt. Es gibt einfach diese Hamburger Szene, die man aber wohl viel eher wahrnimmt, wenn man nicht auch in der Stadt lebt, dann gehört es einfach irgendwie dazu. Und da spreche ich nicht nur von Metal, hier wird einfach alles gespielt und somit natürlich auch eine Menge unserer aller Lieblingsmusik."
Womit wir beim Thema wären, denn die musikalischen Einflüsse liegen nicht ganz überraschend irgendwo im Rock. "Das kann man zwar gar nicht generell für die ganze Band sagen, melodischer harter Rock umschreibt es aber wohl am besten."

Redakteur:
Christian Hubert

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