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CAPRICORNS: Interview mit Nathan Bennet

01.01.1970 | 01:00

Die englischen Düsterkrawallpriester CAPRICORNS schmeißen dieser Tage eine selbstbetitelte EP auf den Markt, die lediglich drei Tracks beinhaltet und auch sonst verdammt spartanisch anmuten lässt. Spartanisch, weil man kaum Informationen aus dem Booklet ziehen kann. Und auch die Homepage ist diesbezüglich mehr als karg ausgestattet. Das legt die Vermutung nahe, dass sich die Jungs eine geheimnisvolle Aura aufbauen wollen, die sich der Zuhörer allein durch die Musik erschließen muss. Gitarrist und Sänger Nathan Bennet bringt Licht ins Dunkel: "So ein großes Geheimnis ist es auch nicht! CAPRICORNS bestehen aus Mitgliedern verschiedener Bands wie ORANGE GOBLIN, CATTLEPRESS, IRON MONKEY und FABRIC. Kevin Williams an der Klampfe, Chris Turner an den Kesseln und Dean Berry am Tieftöner. Zusammengeschlossen haben wir uns vor etwa anderthalb Jahren in London, um unsere Wurzeln etwas treiben zu lassen. Metal, Hardcore, Punk und Rock'n'Roll!"

Metal geht ja noch in Ordnung. Vom Hardcore und Punk sind CAPRICORNS aber meilenweit entfernt. Es geht eher in Richtung einer wilden Mixtur aus Doom-, Dark- und Gothic Rock. Mal zuckersüß, mal ultrafies und immer tierisch heavy. "Ja, wir lieben es, die Stilgrenzen zu vermischen", lacht Nathan, "und es den Schreiberlingen richtig schwer zu machen, unseren Stil zu beschreiben". Ha, danke auch! Über genau diese Art Humor konnte ich bei meiner Rezension überhaupt nicht lachen. "Wir wollen uns nicht zuordnen. Wir sind purster Underground und forcieren diese Situation noch durch die Infoblockade, die wir überall ansetzen. Wie du schon sagst, kann man auf der Homepage nur wenig erfahren. Das ist gewollt. Wir haben keine Ambitionen, gefeierte Rockstars zu sein oder zu werden!", stellt Nathan klar. Dieses mystische Flair setzen CAPRICORNS auch in visueller Hinsicht um, glänzt doch vor allem das Bandlido und das Coverartwork durch eine geschmackvolle Düsternis. "Sehr gut, nicht wahr?" fragt Nathan. "Das Layout und Design stammt von der hochtalentierten Londoner Künstlerin Jo Ratcliffe. Ihre Werke sind sehr finster und strahlen etwas Magisches aus, ohne dabei die Klischees zu bedienen, die gerade bei Metalartworks Hochkonjunktur haben".

Auf den brettharten, von mir nostalgisch bezeichneten Knarzsound angesprochen, reagiert Nathan amüsiert. "Nostalgisch? Das ist witzig! Wir sind Fans der handfesten Musik der alten Schule. Death-, Grind-, Goth-, Thrash- und Doom Metal stehen hoch im Kurs. Wir beziehen uns natürlich auf den Achtzigerstoff, höchstens noch den der frühen neunziger Jahre. Und das kann man uns natürlich anhören. Den Sound an sich haben wir über den Weg zweier Studios eingefahren. Zum einen ein beschissen kleines Teil in London, in dem wir die Drums und den Bass sicherten und danach ging es nach Berlin, um bei einem Freund und dessen Bridge & Tunnel Mobile aufzunehmen. Dort machten wir mit unserem Kumpel Mark Bihler, der übrigens in meiner anderen Band BRIDGE & TUNNEL mitzockt, Detailaufnahmen und den Mix. Übrigens wird es 2005 auch eine komplette Scheibe geben, auf der außer mir auch noch einige Gastsänger trällern werden. Die Frage wäre doch bestimmt noch gekommen oder?" Aber hallo! Da auf der EP nur ein paar Sprachfetzen geshoutet werden und ansonsten alles instrumental passiert, hatte ich mir diese Frage tatsächlich notiert. Nun, soviel zum Thema. Aber wer werden die Gastsänger sein? "Nein, keine Vorabinfos! Nur soviel: Einige Legenden und Ikonen der britischen Heavy-Metal-Szene", tut Nathan geheimnisvoll.

CAPRICORNS Erstling klingt vor allem sehr spontan und gejammt, wofür Nathan eine plausible Erklärung hat. "Nachdem wir in diesem wirklich beschissen kleinen Londoner Studio innerhalb von nur vier Stunden sämtliche Takes in trockene Tücher bringen mussten, lief in Kreuzberg alles sehr relaxt ab. Ich spielte meine Klampfe in Schlüpfern ein und schlürfte dabei Cappuccino. Sehr zivilisiert und überhaupt nicht Metal, haha. Sonst sind wir natürlich völlig anders!" Was postwendend die Frage nach Lifestyle und Lebenseinstellung nach sich zieht. Nathan beruft sich dahingehend, verschmitzt lächelnd und mächtig ernstgemeint, auf das gängige, stereotype Metallerweltbild. "Wir sind misanthropische, hasserfüllte Gestalten, die einfach eine gute Zeit haben wollen. Heavy Metal ist unsere Religion, die die Leiden des täglichen irdischen Daseins erträglich macht und die wir mit einem eiskalten Lächeln predigen. Strafe und Lust zugleich!"

Strafe und Lust, die das Publikum auch bei der Performance auf den Brettern der Welt erfährt? "Nun", beginnt Nathan nachdenklich, bevor er wieder typisch britische Eigenschaften an den Tag legt, "hast du jemals einen Shot eines Wolfrudels gesehen, das ein Kalb zu Tode hetzt und es in einem Rausch der Gewalt reißt? Genauso kannst du dir uns auf unseren Gigs vorstellen. Wir sind die Prediger und die Performance ist unser Gebet." Amen! Fragt sich, wann man diesen unheilschwangeren Religionsunterricht auch an deutschen Schulen bewundern kann? "Wir kommen gerne zu euch rüber und werden zusehen, dass wir live aktiver werden. Bislang steht aber nichts. Ladet uns doch einfach ein", lacht Nathan, um auf die Zukunft hin angesprochen wieder die ernste Strafmaske überzustreifen. "Das Studioalbum wird kommen! Bald! Und es wird euch komplett zerstören! Happy Hannukah!"

Redakteur:
Alex Straka

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