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CANNIBAL CORPSE: Interview mit Pat O' Brien

04.03.2012 | 18:38

Das neue CANNIBAL CORPSE-Schlachtwerk "Torture" steht in den Startlöchern. Zeit, für ein Gespräch mit Gitarrist Pat O' Brien über Musik im Konkreten und im Speziellen.

Hi Pat! Wie geht es der Band? Hattet ihr eine gute Aufnahme-Session und geht es allen gut?

Allen geht es gut, wir bereiten uns gerade darauf vor an Bord eines Kreuzfahrtschiffes zu gehen. Es geht um ein Konzert, „70.000 Tons Of Metal“ heißt es glaube ich, dafür sind wir bereit. Eigentlich wollten wir nicht anfangen zu touren bis das [neue] Album rauskommt...

Wo du gerade vom neuen Album sprichst: "Torture" ist ein weiteres absolutes Killer-Album mit allen Trademarks, für die CANNIBAL CORPSE stehen. Was beeinflusst dich kreativ, um ein derartig brutales Death-Metal-Album zu schreiben?

Dieses Album unterscheidet sich etwas weil viele Leute am Schreiben beteiligt waren. Alex [Bass] schrieb das meiste Material, er ist unser Haupt-Songwriter, ich schrieb einen Song und Rob [Gitarre] auch, aber auch die anderen Mitglieder waren involviert. Alle Schreiber halfen das Album anders, aber auch gut zu machen. Es ist ein CANNIBAL CORPSE-Album, nur etwas anders - anderes Jahr, andere Art.

Ja, das ist mir auch aufgefallen: neben wahnsinnig schnellen Instrumentationen und Variationen überrascht "Torture" mit einem konstantem Groove-Level, langsamen Heavy-Parts und melodischen Gitarren-Licks. Sind diese Arrangements eine bewusste Entscheidung oder ein natürlicher Prozess?

Wenn wir Songs schreiben, ist es ein natürlich Ausdruck dafür, wo die Band steht. Paul [Schlagzeug] konnte mit seinem Schlagzeugspiel enorm hervortreten, es ist einer seiner besten Schlagzeug-Performances überhaupt. Und die Songs sind strukturierter, sie haben mehr Parts, die den Zugang erleichtern und den Hörer wiederkommen lassen. Ich denke, es sind einfach bessere Songs. Erst dachte ich, dass es schlechter wird und viel zu technisch ausgerichtet, nun denke ich, dass es immer noch die technischen Parts enthält, jedoch machen es die Arrangements viel besser. Ich denke, dass Zeit, Erfahrung und Wissen, was du zu tun hast, dazu geführt haben.

CANNIBAL CORPSE stehen für eine bestimmte Art von Sound für über zwei Dekaden. Kannst du den Songwritingprozess für einen typischen CANNIBAL CORPSE-Song erläutern?

Wir arbeiten alle anders, ich kann dir erzählen, wie ich es mache: Ich bringe ein paar Riffs und verschiedene Parts mit, zeige sie Paul und dann fangen wir an sie rauszuhauen. Es fängt mit zwei oder drei Riffs an, je mehr, desto besser und dann geht es von dort aus weiter. Manchmal arbeiten wir auch zu Hause weiter an dem Material, kommen zurück und werfen alles zusammen. Soweit für meinen Teil. Was die Texte betrifft: Paul und Alex schreiben die Texte, anschließend entscheiden wir was der Chorus sein wird und so weiter. Alex und Rob arbeiten etwas anders, sie arbeiten in ihren Home-Studios.

Es gibt aktuell einige sozial-wissenschaftliche Metal-Studien, auch in Deutschland, die die "Wunder" der Metal-Musik, den Fans und den Bands analysieren. Unglücklicherweise sind sie oft sehr konventionell und stellen die Inhalte von Death-Metal-Texten in Frage und behaupten, dass sie Brutalität verharmlosen. Was ist deine Erklärung an sie: Warum schreibt ihr diese Texte? Und warum glaubst du, dass diese Studien engstirnig sind?

Ich denke auch, dass sie sehr engstirnig sind, was sagen sie über Filme? Was ist denn Unterhaltung, frage ich mich? Wenn du Texte schreibst und Musik dazu machst, wie in einer Nationalhymne, dann hat das kaum eine Bedeutung, es ist alles Unterhaltung. Wenn einer unserer Texte ein Film wäre, hätten wir gar keine Probleme, aber wenn du die Bedeutung in Texte packst, heißt es immer: „Oh, meinst du das denn ernsthaft?“. Ich weiß nicht, was ich diesen Leuten sagen soll, vielleicht sollten sie ihre Zeit in etwas Anderes investieren. Beispielsweise der Typ in Norwegen, dieses Arschloch, das die ganzen Kinder erschossen hat, war sehr gut angezogen und war ein sehr gut aussehender junger Mann. Ich glaube nicht, dass er CANNIBAL CORPSE-Fan oder Black-Metal-Fan war - das kann man nicht sagen, ich weiß nicht, das ist dumm. Es ist auch ein Unterschied in der Kultur. Wenn jemand aus Amerika die Reeperbahn [in Hamburg] runtergehen würde, würde er auch sagen: "Mein Gott, das kann ich nicht glauben!".

Okay, danke für deine Einschätzung. Bereitet ihr euch momentan auf die bevorstehende Full Of Hate-Tour vor?

Ja, wir proben momentan viel und bereiten uns darauf vor mit BEHEMOTH auf Tour zu gehen.

Was können wir von CANNIBAL CORPSE auf den nächsten Shows erwarten? Liegt der Fokus auf dem neuem Release oder bereitet ihr eine "Best Of"-Show vor...?

Wir spielen nur ein paar Songs vom neuen Album, da es nicht vor Ende März erscheinen wird, deshalb blasen wir nicht die Songs raus, bevor es rauskommt. Wir spielen also nur ein paar Songs, nicht so viele, da das Album noch nicht veröffentlicht ist.

Kannst du einen kurzen Überblick bezüglich des Status Quo der Death Metal-Szene geben? Und wo wird es hingehen?

Ich weiß nicht, wo es hinführen wird, ich dachte nie daran, dass ich immer noch Death Metal spielen würde. Als ich CANNIBAL CORPSE beigetreten bin, dachte ich nicht, dass ich in der Band so lange bleiben würde, aber es scheint uns besser zu gehen als jemals bevor. Es gibt viele Heavy Bands, die ich mag, auch wenn sie vielleicht nicht den traditionellen Death Metal vertreten, sind es immer noch sehr heftige Bands, mit denen wir Touren. Wir scheinen ein jüngeres Publikum anzuziehen, was gut für uns ist. Ich glaube, dass es dem Metal generell sehr gut geht und ich habe den Eindruck, dass es nicht mehr die Abspaltung gibt, die es in früheren Tagen gab. Es gibt viele verschiedene Metal-Genres und wir spielen auf verschiedenen Festivals und touren mit diesen Bands, es ist alles vertreten, das ist großartig!

Spielst du selbst andere Musikarten wie Klassik oder Jazz?

Ich studierte klassische Gitarre! Das war damals... Ich kann noch einige Stücke spielen, aber ich spiele sie nicht mehr wirklich. Ganz selten mal, aber das ist eine ganz andere Sache, es ist eine ganz andere Form von Disziplin. Ich möchte aber wieder daran anknüpfen, als ich es täglich spielte, es ist ein gutes Training.

Meinst du, dass dein klassischer Einfluss auch ein Einfluss für CANNIBAL CORPSE eines Tages sein könnte?

Es ist bereits indirekt ein Einfluss. Dadurch, dass du deine Hände anders benutzt, hast du die Möglichkeit Dinge zu spielen, die du normalerweise nicht spielen könntest. Falls ich eines Tages wieder 100% dazu zurückkomme und es täglich spielen würde, würde es mir noch mehr helfen.

Vielen Dank und eine gute Tour!

Danke, man sieht sich dort!

Redakteur:
Jakob Ehmke

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