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BRAINSTORM: Interview mit Todde Ihlenfeld

01.01.1970 | 01:00

Wer auf unsere Site aufmerksam liest, hat bei den Berichten vom BYH und WOA wohl mitbekommen, was ich von BRAINSTORM halte. Die kraftvollen Power-Metal-Kracher im Verbund mit der energiegeladenen Performance machen BRAINSTORM für mich live zur vielleicht besten deutschen Metalband. Mit großer Spannung erwarte ich entsprechend das neue Album "Metus Mortis", welches ab dem 29.10.2001 in den Läden stehen wird. Um dieses neue Album, aber auch um die aktuellen, politischen Ereignisse in den USA, drehte es sich in meinem Interview mit Gitarrist und Songwriter Todde Ihlenfeld.


Peter:
Hallo Todde. Erst einmal vielen Dank, dass Du Dir Zeit für powermetal.de genommen hast.

Todde:
Klar, kein Problem.

Peter:
Kommen wir direkt zu eurem neuen Album "Metus Mortis", dass am 29.10. veröffentlicht wird. Mir ist aufgefallen, dass die Songs kürzer und geradliniger geworden sind.

Todde:
Ja, das stimmt. Die Songs kommen jetzt schneller auf den Punkt. Das ist aber einfach so gekommen. Beim letzten Album hatten wir ja eh etwas mehr Zeit, weil wir einen Sänger gesucht haben, da hatten wir dann auch mehr Zeit, um Songs zu schreiben und dann sind die dann halt etwas länger geworden (grinst).

Peter:
Wobei mir der epische Part von Songs wie "Beyond My Destiny" (vom "Ambiguity"-Album) schon sehr gut gefiel. Das fehlt mir schon ein bisschen.

Todde:
Mit "Weakness Sows Ist Seed" und "Under Lights" sind ja schon noch zwei etwas epischere Songs vertreten. Aber insgesamt stimmt das natürlich.

Peter:
Die Sängersuche habt ihr ja glücklicherweise sehr erfolgreich abgeschlossen. Welch Gewinn Andy für Euch ist, sieht man ja spätestens, wenn man ihn über die Bühne fegen sieht. Das hat mich sowohl in Balingen als auch in Wacken schwer beeindruckt. Eine bessere deutsche Live-Band habe ich noch nicht gesehen.

Todde:
Oh, du hast das geschrieben! Das hängt jetzt bei uns im Proberaum an der Wand (lacht)!

Peter:
(lacht) Nicht wirklich, oder?

Todde:
Doch, doch! Komm vorbei, dann siehst Du das.

Peter:
Das mache ich doch glatt!
Aber zurück zum Thema: Hat da auch die Tour mit ARMORED SAINT so ein bisschen Spuren hinterlassen? Denn was die live auf der Bühne abziehen, ist ja nicht in Worte zu fassen.

Todde:
Natürlich guckt man gerne zu, wenn ARMORED SAINT auf der Bühne steht. Aber das es unterbewusst unsere Live-Performance verändert hat, würde ich jetzt so nicht sagen. Wir haben schon immer unser Bestes auf der Bühne gegeben, aber jetzt haben wir auch den Sänger, der da genauso denkt wie wir. Wir spielen einfach auch sehr gerne live und halten nix davon auf der Bühne nur rumzustehen. Die Stunde auf der Bühne gehört uns und da wollen wir dann auch unseren Spaß haben.

Peter:
Wie lief es denn am Sonntag beim Westfalen-Festival in Dortmund? Den Gig habe ich leider verpasst.

Todde:
Der lief auch sehr gut, obwohl nicht so viele Leute da waren wie erwartet wurden. Aber wir sind gut angekommen.

Peter:
Ihr geht im Januar auf Tour mit GRAVE DIGGER und TIERRA SANTA.

Todde:
Ja, richtig.

Peter:
(lacht) Schade! GRAVE DIGGER mag ich nicht so besonders. Ist das eine Deutschland-Tour oder geht die auch durch Europa?

Todde:
Bis jetzt sind Gigs in Deutschland und der Schweiz bestätigt. Ob da noch welche dazukommen, kann ich Dir jetzt noch nicht sagen, aber wir hoffen das natürlich. Falls dem nicht so ist, werden wir versuchen noch die ein oder andere Tour mitzunehmen.

Peter:
Ich hab gesehen, dass das Album auch in Nord- und Südamerika veröffentlicht wird. Was erwartet Ihr Euch davon? Bzw. habt Ihr daran überhaupt Erwartungen?

Todde:
Wir sind ja mit MetalBlade bei einem amerikanischem Label und dann kann man schon erwarten, dass das Album auch in Nordamerika veröffentlicht wird. Und unsere letzten beiden Alben sind in Südamerika anscheinend ziemlich gut angekommen, womit eine Veröffentlichung dort natürlich Sinn macht.

Peter:
Wenn man ein bisschen durch die Presse guckt, liest man schon eine Menge an Vorschußlorbeeren für das neue Album. Es gibt deutlich mehr Rummel um Euch als sonst. Ist das jetzt so etwas wie Euer "Durchbruch"-Album? Bzw. das Album, wo man jetzt am meisten von erwartet?

Todde:
Ich denke schon, ja. Die Erwartungshaltung ist mittlerweile recht hoch, auch wegen der Pressereaktionen, die es bislang gibt. Das ist schon fast überwältigend zu nennen. Und ich denke schon, dass uns mit dem neuen Album der nächste wichtige, vielleicht sogar große Schritt gelingen kann. Aber das entscheidet letztendlich nur der Fan.
Ich denke, wir haben auch mit unseren Live-Auftritten einen guten Grundstein gelegt und jetzt schauen wir mal, was passiert.

Peter:
Die Fans dürften zumindest nicht enttäuscht sein, wenn ich mir das Album so anhöre.

Todde:
Ja, das denke ich auch. Es steht immer noch BRAINSTORM drauf, aber wir sind über die Jahre gereift und jetzt vielleicht an einem ersten Zenit angekommen.

Peter:
Ich denke auch, dass gerade dieses leicht hymnische gut ankommen dürfte, denn das hören die Fans ja gerade schon sehr gerne. Aber ihr verpackt das dann nicht in diese orchestralen Songs à la EDGUY und co., sondern da ist schon ein ordentliches Riffgewitter hinter, der einen eher an alte US-Helden der Marke VICIOUS RUMORS erinnert.

Todde:
Ja, jede Band hat ihre Einflüsse und VICIOUS RUMORS zählen sicher dazu, aber ich denke wir sind eigenständig genug. Ich denke auch, dass wir mit dieser Scheibe endgültig unseren eigenen Stil gefunden haben. Aber man brauch halt immer Vergleiche.

Peter:
Das liegt sicher meist auch eher an den Fans und den Medien als an den Bands selbst.

Todde:
Wir wollen und da auch gar nicht gegen wehren, denn es ist ja schön mit so einer Band verglichen zu werden. Aber es ist schon definitiv so, dass der amerikanische Power-Metal und speziell JUDAS PRIEST, auch wenn die jetzt aus England sind (lacht), ein sehr großer Einfluss sind.

Peter:
Wie ist es eigentlich mit Andy's Engagement bei SYMPHORCE? Gibt es da schon mal Reibungspunkte und Komplikationen, so rein probe- und aufnahmetechnisch? Oder läuft das alles glatt?

Todde:
Das läuft superglatt. Wir haben uns aber auch im Vorfeld lange darüber unterhalten, weil wir da ja auch mit Henning (Basse, Ex-Sänger, jetzt METALIUM – Anm. d. Verf.) nicht gerade die besten Erfahrungen gemacht haben. Wir haben uns das auch wirklich lange überlegt, sowohl er als auch wir, und die ganzen Vor- und Nachteile abgewogen und sind dann zu dem Entschluss gekommen, dass das funktionieren müsste. SYMPHORCE sind ja auch von Andy mitgegründet worden und so hat sein Wort natürlich auch bei allen SYMPHORCE-Entscheidungen ein ziemliches Gewicht. Dadurch kann er sich dann immer darauf konzentrieren, was gerade die oberste Priorität hat. Jetzt ist es gerade BRAINSTORM, und wenn die ganze Promo-Arbeit und die Tourneen dann nächstes Jahr irgendwann beendet sind, kann er sich wieder auf SYMPHORCE konzentrieren.

Peter:
Und was macht Ihr in der Zeit?

Todde:
Wir schreiben am neuen BRAINSTORM-Album. (lacht)

Peter:
Ja, klar. (lacht) So war das nun auch gar nicht gemeint.
Aber BRAINSTORM ernähren euch ja ganz gewiss noch nicht.
Was macht ihr sonst?

Todde:
Wir gehen alle arbeiten. (lacht)

Peter:
Ach was! (lacht) Bitte nicht so konkret...

Todde:
Das ist ganz verschieden. Das geht vom Schlosser bis hin zum Musikkaufmann.

Peter:
Ist es denn Euer Ziel irgendwann mal von BRAINSTORM alleine zu leben?

Todde:
Das stellt man sich immer so einfach vor, aber speziell in der heutigen Zeit mit der Masse an Bands ist das extrem schwierig nur von der Musik zu leben ohne da irgendwie finanzielle Abstriche machen zu wollen. Man ist ja gerade hier in Deutschland schon ein respektables Gehalt gewohnt und einen festen Zahltag. Und das alles nur mit der Musik zu erreichen, da muss man schon einige CDs für verkaufen.
Es ist ja nicht so, dass überhaupt kein Geld damit verdient wird. Aber um fünf Leute – zum Großteil mit Familien – davon zu ernähren, dafür muss dann schon ein großer Batzen mal reinschneien.
Der Vorteil ist natürlich, dass man so ziemlich unabhängig ist. Man muss sich nicht dem Kommerz ergeben, um von der Musik leben zu können.

Peter:
In den letzten Wochen wurden die Schlagzeilen von nicht besonders erfreulichen Themen bestimmt. Wie sieht denn die Meinung innerhalb der Band zu dem USA/Afghanistan-Konflikt aus?

Todde:
Da muss man eigentlich nicht viele Worte drüber verlieren. Bis vor einigen Wochen hat wohl kaum jemand geglaubt, dass so etwas überhaupt mal passieren kann. Das es passiert ist, ist schlimm genug. Wir waren – wie vermutlich jeder – schockiert als wir gehört und vor allem gesehen haben, was an jenem 11.09. passiert ist. Und wir wollen hoffen, dass es nicht in noch anderen Dimensionen eskaliert. So traurig wie es ist, muss man es wohl jetzt auf sich zukommen lassen.

Peter:
Ihr habt ja jetzt mit "Behind" auch einen Text über den Nah-Ost-Konflikt verfasst. Sind solche Ereignisse für Euch auch Inspirationsquelle für Texte? Ihr schreibt ja glücklicherweise nicht über Schwerter, Drachen und co., sondern eher über das tägliche Leben.

Todde:
Wir wollten uns mit BRAINSTORM von Anfang an nicht auf eine lyrische Schiene festlegen. Und da das tägliche Leben eine Menge an Geschichten hergibt, macht das natürlich auch einen Großteil der Lyrics aus. Gerade auch der Nah-Ost-Konflikt ist ein sehr großes, sehr interessantes, wenn auch nicht erfreuliches Thema. Wir hatten ja bislang auf jedem Album einen Song, der sich mit dieser Thematik befasst hat, wie z.B. "Holy War" auf der "Unholy". Man kann da doch sehr gut sehen, was übertriebener Fanatismus aus Menschen machen kann. Und das gilt nicht nur für religiösen Fanatismus, sondern ganz allgemein.

Peter:
Es ist ja in letzter Zeit leider auch häufiger mal die Rede von rechtem Kram in der Metal-Szene. Habt ihr vor, da mal textlich auch Eure Meinung kund zu tun?

Todde:
Das kann gut passieren, aber bislang hätte es noch nie zur Musik gepasst, was natürlich auch sein muss. Zudem kommt noch, dass wir auf unserem Dorf (lacht) von dem Thema glücklicherweise auch nicht so direkt betroffen sind. Obwohl es irgendwie schon sehr nah ist, bleiben wir hier davon bislang sehr unberührt.
Aber natürlich beschäftigt uns das Thema schon sehr, und es ist schlimm genug, dass es immer noch solche Leute gibt. Deshalb ist es auch nicht auszuschließen, dass auch da von uns in Zukunft mal ein Text zu kommt.

Peter:
Auf Euren Alben gibt es auch häufiger indische Einflüsse zu hören, wie in "Checkmate In Red". Wer von Euch steht da drauf?

Todde:
Von der musikalischen Seite her sind das alle. Diese orientalischen Melodien etc. haben schon etwas faszinierendes und damit zu arbeiten macht ziemlich viel Spaß. Von der lyrischen Seite her ist das auf alle Fälle der Andy (Franck, v. – Anm. d. Verf.), der sich damit intensiver beschäftigt, was an den Texten letztlich auch zu sehen ist. Es ist ja so, dass "Checkmate In Red" der zweite Teil von "Maharaja Palace" (vom "Ambiguity"-Album – Anm. d. Verf.) ist und das wird sicher auch nicht der letzte Teil sein.

Peter:
So, zum Abschluss wie immer die Frage nach Deiner Meinung nach Online-Magazinen.

Todde:
Das ist natürlich schon eine ganz schöne Sache, gerade weil es oft auch aktueller ist als die Printmedien, da man nicht an feste Veröffentlichungstermine etc. gebunden ist. Vor allem ihr wart da immer recht fix. Die Berichte vom BYH und WOA waren mit die ersten, die zu lesen waren. Das ging richtig zügig und das haben sich auch alle von uns durchgelesen.

Peter:
Ja, vielen Dank für die Blumen (lacht) und vielen Dank für das Gespräch.

Redakteur:
Peter Kubaschk

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