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BLEED THE SKY: Interview mit Noah Robinson

05.05.2005 | 14:00

Metalcore, wohin man auch schaut. Was vor einigen Jahren der Melodic Death Metal und davor das durch HAMMERFALL ausgelöste Revival des geträllerten Teutonenstahls war, ist jetzt die "Modeerscheinung" aus den US of A. Dass Acts wie CALIBAN, HEAVEN SHALL BURN oder SHADOWS FALL schon lange vor dem großen Hype ihr Ding in eben diesem Stil durchgezogen haben, interessiert dabei leider nur wenige. Auch die bei Nuclear Blast untergekommenen Amis von BLEED THE SKY kann man nicht wirklich als Mitläufer bezeichnen, auch wenn "Paradigm In Entropy" erst das Debüt der Band ist.
Der äußerst sympathische, aufgeschlossene, endlos freundliche und vor allem redefreudige Sänger Noah Robinson stand mir Rede und Antwort.

Rouven:
Noah, was habt ihr denn bisher an Reaktionen auf euren Erstling einfahren können?

Noah:
Das ist der helle Wahnsinn. Wir sind immer noch irgendwie ein bisschen geschockt, total aufgeregt, denn ein derart positives Feedback hatten wir niemals erwartet.
Vielleicht spielt auch die Tatsache eine Rolle, dass wir wie keine andere Band bei Nuclear Blast klingen.

Rouven:
Wie würdest du denn eure Musik einem Alien beschreiben?

Noah:
Hm, MESHUGGAH sind ja schon Aliens! (lacht)
Ich denke aber, dass es verdammt schwer ist, das zu beschreiben. Es ist gute, atmosphärische Musik, die mir ein gutes Gefühl gibt, insgesamt aber eher düstere Vibes versprüht. So, als wenn SOUNDGARDEN Metal machen würden.

Rouven:
Alles klar. Und wie würdest du das Alien davon überzeugen, sich BLEED THE SKY an Stelle von, sagen wir, GOD FORBID, SHADOWS FALL oder CHIMAIRA reinzuziehen?

Noah:
Ich würde es ganz einfach kidnappen und dann zwingen, unsere Musik zu hören! (lacht) Unsere Musik ist sehr düster und vor allem auch persönlich, wir sind unheimlich gut darin, diverse Emotionen mit unserer Musik darzustellen. Das unterscheidet uns vielleicht von anderen Bands, auch wenn ich denen gewisse Ähnlichkeiten nicht absprechen will.

Rouven:
Worum dreht es sich denn im lyrischen Bereich auf "Paradigm In Entropy"?

Noah:
Die sind allesamt extrem persönlich. Ein jeder Song ist über ein bestimmtes Ereignis oder eine gewisse Zeit in meinem Leben oder dem eines Bandsmitglieds, sei das nun etwas Gutes oder etwas Schlechtes. Wir haben also eine enge Bindung zu den Lyrics und somit auch zur Musik. Jemand hat mal gesagt, dass es einfacher sei, über die ganze Scheiße, die dir im Leben zwangsläufig passiert, zu reden, schreiben oder singen, als über die schönen und tollen Sachen. Irgendwie stimmt das.
Der Titeltrack behandelt Themen wie Religion und Kirche, den ganzen Institutionalismus, der dahinter steckt. 'Borrelia Mass' handelt davon, wie du im Business manchmal abgezockt wirst, ich denke, die betreffende Person weiß ganz genau, um was es da geht. Wie gesagt, in jedem Text und jedem Song stecken gewisse Emotionen drin, die wir dann musikalisch ausdrücken wollen.

Rouven:
Das gute Stück Musik ist ja erst euer Debüt - was kann man denn in Zukunft noch von BLEED THE SKY erwarten? Habt ihr schon weitere Songs geschrieben?

Noah:
Dieses Album ist ja eine Sammlung aus gut drei Jahren Bandgeschichte, da sind noch Sachen dabei, die wir irgendwann mal als Demo aufgenommen haben, das waren unsere ersten Erfahrungen mit Aufnahme und Songwriting.
Ich denke mal, dass es in Richtung von 'Minion' oder 'Borrelia Mass' weiter gehen wird. Vielleicht gibt es aber auch mehr Zeug wie 'The Martyr', wer weiß?
Was ich mit Sicherheit sagen kann, ist, dass wir uns auf keinen Fall in irgendeiner Art und Weise selbst limitieren werden.

Rouven:
Das hört man doch gerne. Geht's denn auch auf Tour in Europa oder Deutschland? Falls ja, wann und mit wem?

Noah:
Wir hoffen inständig, dass sich da was ergibt. Im April haben wir erst einmal viele Gigs daheim und feiern unseren CD-Release. Mit MESHUGGAH auf Tour zu gehen wäre natürlich ein absoluter Traum. Aber auch zu LAMB OF GOD, CHIMAIRA, KILLSWITCH ENGAGE, MNEMIC oder SOILWORK würde ich nicht nein sagen! (lacht) Aber um ehrlich zu sein ist da noch gar nichts geplant, wir können erstmal nur warten und hoffen. Ich würde aber gerne so schnell wie möglich wieder nach Europa kommen, dort ist die Musikszene einfach so viel besser als in den Staaten. Gerade bei uns in Orange County ist die Musik, die viele machen, eher eine Art Modestatement an Stelle von etwas, was man aus Überzeugung oder Leidenschaft tut.

Rouven:
Metalcore ist im Moment ja das große Ding. Aber BLEED THE SKY klingen für meine Begriffe nicht nach der großen Masse der Bands, was auch an deinen sehr fein gekeiften Vocals liegt. Dennoch ist mir als Vergleich, gerade wegen der Vocals, THE AGONY SCENE eingefallen. Kannst du damit leben?

Noah:
Erstmal danke! Aber ich muss gestehen, dass ich THE AGONY SCENE noch nie gehört habe, von daher können sie mich oder uns nicht bewusst beeinflusst haben (lacht). Ich arbeite aber viel an meinen Vocals und denke, dass es da noch viel Spielraum zum Verbessern gibt. Wenn ich da an EXTOL, PANTERA oder LIVING SACRIFICE denke, das sind doch alles Leute mit beeindruckenden Organen. Auch die neue LAMB OF GOD hat mich gesangstechnisch total umgehauen. Auf dieses Level möchte ich in Zukunft auch kommen.

Rouven:
Welche Bands würdest du denn als die Haupteinflüsse für BLEED THE SKY bezeichnen?

Noah:
Hm. Um ehrlich zu sein, haben wir früher eigentlich gar kein Metal gehört. Eher SOUNDGARDEN oder ALICE IN CHAINS. Die haben uns, ob man es glauben will oder nicht, maßgeblich beeinflusst. Aber später dann auch Bands wie PANTERA, MESHUGGAH, LIVING SACRIFICE oder ältere METALLICA-Sachen. Und das ganze Zeug aus Europa wie MNEMIC oder RAUNCHY hör ich auch sehr gerne.

Rouven:
Wenn du freie Auswahl hättest, mit welchen Musikern würdest du gerne mal ein Album aufnehmen?

Noah:
Definitiv mit MESHUGGAH! (lacht) Auch wenn das wohl ein Traum bleiben wird. Oder mit Jerry von ALICE IN CHAINS. Aber um ehrlich zu sein, bin ich absolut glücklich mit der Band, die ich um mich habe. Auch wenn das arrogant klingt, aber ich könnte mir keine besseren Musiker wünschen!

Rouven:
Wo siehst du BLEED THE SKY in fünf oder zehn Jahren?

Noah:
Ohje! Keine Ahnung... ich würde das gerne so lange wie Ozzy machen! Oder schau dir SLAYER an. Die leben seit mehr als zwanzig Jahren ihren einstigen Traum, so muss das sein.

Rouven:
Wenn eure Band eine Pizza wäre - welcher Belag müsste dann drauf sein?

Noah:
Gott, was ist das denn für eine bescheuerte Frage? (lacht)
Öhm, also alles außer Oliven. Ich hasse Oliven. So richtig. Lass mich mal überlegen... Hackfleisch mit saurer Sahne und Chocolate-Chips-Eis. Ja, das wär's.

Rouven:
Mjam. Aber immerhin bist du fast erlöst - nur noch ein paar "famous last words" an unsere Leser, bitte.

Noah:
Deutsches Bier ist der Wahnsinn! An meinem ersten Abend in Deutschland hab ich, glaube ich, so 15 verschiedene Sorten probiert, und die waren alle lecker (lacht). Cheers!
(Nach NB-internen Angaben waren es mehr "so um die acht rum", aber da kann man sich ja auch mal verzählen ;-) - d. Verf.)

Redakteur:
Rouven Dorn

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