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BLACKBURN: Interview mit Corinne Frei und Andy Keller

01.01.1970 | 01:00

Die sympathischen Schweizer Hardrocker von BLACKBURN haben für ihren Erstling "Poker Face" nicht nur bei uns, sondern in der gesamten Fachpresse nur Lob eingeheimst. Eine Woche vor Start ihrer Deutschland-Tour als Support für JADED HEART waren Corinne Frei (Bass) und Andy Keller (Gitarre) auf einen kurzen Besuch in ihrer Stuttgarter Promotion Agentur und nach ein bisschen Smalltalk über das überraschend schöne Wetter, die Möglichkeit der Verlegung des Interviews in einen Biergarten und die Unverständlichkeit von Schwyzerdütsch für Nicht-Schweizer, durch Corinne eindrucksvoll bewiesen, hatten wir Gelegenheit zu einem kurzen Gespräch:

Klaus: Erstmal herzlich Glückwunsch zu eurem ersten Longplayer "Poker Face", klasse Album, das von der gesamten Fachpresse nur gute Kritiken einfährt. Habt ihr damit gerechnet?

Corinne: Wir haben uns einfach mal überraschen lassen. Das ist ja das Erstlingswerk, eigentllich, und wir haben gespannt auf die Kritiken gewartet. Dass es so gut ausfällt, haben wir eigentlich nicht erwartet.

Klaus: Was glaubt ihr, wieso es so gut ankommt?

Corinne: Gute Frage. Ich denke, es ist mal wieder Achtzigerjahre Hardrock-Stil und vielleicht braucht es das mal wieder.

Klaus: Ja, ich habe in der letzten Zeit auch viel an neuen Sachen gehört, die wieder echte, gute und handgemachte Musik sind und anscheinend kommt das momentan gut an.

Corinne: Ich denke auch, man merkt das auch an den Besuchern bei den Konzerten, da sind die Altersschichten auch wieder viel größer geworden. Da kommen viel junge Besucher, eine ganze Zeit lang war das eigentlich immer so um die Dreißig rum, wenn ich da richtig liege. Und jetzt hat es da wieder ziemlich viele junge Leute, es ist also wohl wieder mehr im Trend.

Klaus: Ja, kann sein, ich kann Alter unheimlich schwer einschätzen und da ich sowieso auf Konzerten immer zu den ältesten gehöre, stelle ich mich immer irgendwo hinten an den Bierstand, damit ich nicht auffalle.

Corinne: [lacht] Ja, damit es nicht wieder heißt, das Altersheim-Treffen...

Klaus: Ja, genau...

Corinne: Ach, du bist DER...[lacht]

Klaus: Ich habe mal in irgendeinem Magazin, Men's Health glaube ich, über die fünf Zeichen gelesen, an denen man merkt, dass man alt wird. Einer davon war: Wenn du auf einem Rockkonzert mit 'Sie' angeredet wirst. Komisch, geht mir öfters so.

Corinne: [lacht] Hallo Sie, darf ich mal an die Bar?

Klaus: Wer ist denn maßgeblich für das Songwriting und die Texte verantwortlich?

Corinne: Also das Songwriting macht der Andy und texten tue ich dann. Aber der Andy darf dann gerne auch mal was sagen...

Andy: Ach, ich dränge mich da nicht auf...

Corinne: Ja, also, der Andy macht also das ganze Songwriting, der bringt da die Ideen, wir probieren dann zwar, selber noch ein bisschen rumzubasteln, aber grundsätzlich kommt das alles vom Andy.

Klaus: Jetzt geht es ja bald los auf Tour...

Corinne: Ja, genau, am 5. Mai in Flensburg...

Klaus: Da fällt mir gerade ein, ich habe mir bei euch auf der Homepage die tolle Tourkarte angesehen, das habe ich in der Form noch nie gesehen, da merkt man erst einmal, was das eigentlich für eine Hinundher-Fahrerei ist.

Corinne: Genau, wir sind mal gespannt, wie wir da die Zeit so totschlagen.

Andy: [aus dem Hintergrund] Alkohol, Bier saufen wir.

Klaus: Also, ihr wart ja schon mal mit JADED HEART unterwegs und habt ja unter anderen auch schon für CRYSTAL BALL, BONFIRE, U.D.O., DORO und auch KROKUS eröffnet. Wo wart ihr mit denen jeweils unterwegs?

Corinne: Das waren eigentlich immer nur einzelne Shows, wo wir den Support gemacht haben [es folgen mehrere für mich unverständliche Schweizer Ortsnamen].

Klaus: Achso, dann ist das also eigentlich eure erste größere Tour durch Deutschland?

Corinne: Ja, stimmt. Natürlich auch anlässlich der CD, machen wir jetzt wirklich unsere erste größere Tour.

Klaus: Na, viel Spaß dann. Da scheinen ja auch alle Locations in Deutschland dabei zu sein, in denen man mal gewesen sein muss.

Corinne: Ja, glaube schon. Wir kennen da natürlich jetzt die wenigsten davon, gerade im Norden oben. In München haben wir mal gespielt, in der Garage, aber das sollen alles tolle Lokale sein, was man so hört.

Klaus: Gibt es irgendein Konzert, an dass ihr euch besonders erinnert? Gerade Gaby (Anm.: Gesang) wird ja öfters mit Doro Pesch verglichen und scheint auch ganz großer Fan von ihr zu sein, für sie muss das doch das Größte gewesen sein.

Corinne: Eigentlich schon, ja, die war...

Andy: Ich mal schnell, damit die Corinne mal in Ruhe rauchen kann. Ja, das stimmt natürlich, die hat da ihr großes Vorbild getroffen. Das ist dasselbe, als wenn ich den Angus Young treffen würde, was ich mir aber nie ausmalen werde.

Klaus: Ja, kann ich mir vorstellen. AC/DC steht ja auch bei euch allen Fünf bei den Top Favoriten mit dabei.

Andy: Ja, das ist natürlich auch die Zeit, in der wir groß geworden sind, vom Alter her meine ich, die Achtzigerjahre, und das wurde natürlich sehr geprägt von der Hard Rock-Schiene einerseits oder man ist dann halt in die Metal-Schiene gegangen, Melodic Metal oder Heavy Metal halt, und wir sind eben auf der Hard Rock-Schiene geblieben und das hört man ja auch von der Musik her. Das hat mich zumindest von meiner Seite her sehr viel geprägt.

Klaus: Ja, kann ich verstehen. Ich bin ja auch mit der Musik aufgewachsen, AC/DC war auch meine erste Lieblingsband und mein erstes Konzert. Mittlerweile höre ich zwar so ziemlich alles, aber wenn du mich nach meinen Favoriten fragst, werden Bands wie AC/DC und natürlich auch KROKUS immer ganz oben stehen.

Andy: Ja, da bin ich der gleichen Meinung. Für mich ist das mit einfachen Mitteln gut gemachte Rockmusik. Wenn es komplizierter wird und melodischer, dann begeistert man vielleicht noch gewisse Zielgruppen, aber das normale Rockvolk will auf die Füße und tanzen. Weniger ist manchmal mehr, denke ich.

Klaus: Ich höre auch gerne progressives und richtig technisches, aber am meisten Spaß macht mir immer noch richtig dreckiger und räudiger Rock. Das ist auch ein Punkt, der in den Reviews zu "Poker Face" gelegentlich aufkam. Einige Rezensenten wünschen sich euren Sound ein bisschen 'dreckiger' wünschen würden. Wie hört sich das bei euch live an?

Andy: Also ich denke auch, dass das live noch eine Spur dreckiger rüberkommt. CD ist halt immer im Studio aufgenommen und da wird noch ein bisschen herumgeschoben und gemacht, aber live sind halt einfach die Verstärker offen und ich denke, dass da schon ein bisschen mehr Druck von hinten aufgebaut wird.

Klaus: Ihr seid ja besonders in der Bikerszene verwurzelt und spielt oft auf Festivals. Die meisten Biker, die ich kenne, sind unter der rauen Schale ja wirklich nette Kerle, aber es gibt ja auch andere. Habt ihr mal Probleme gehabt oder seid in irgendwelche unangenehmen Situationen geraten?

Andy: Nein, ganz ehrlich, haben wir nie erlebt. Dieses Klischee vom Biker und Rocker eilt denen natürlich immer voraus, oder war früher mal so, aber wir als Musiker sind da immer sehr herzlich empfangen worden und es hat immer mächtig Spaß gemacht bei den MC's in Deutschland und in der Schweiz. Negative Erlebnisse kann ich keine sagen.

Klaus: Wer ist eigentlich der freundlich dreinblickende Herr auf dem Cover von "Poker Face" mit dem geilen BLACKBURN-Tattoo? Nicht, dass ich in irgendeinem Club vermöbelt werde, wenn ich mit eurem neuen da T-Shirt rumlaufe, das er ja auch ziert.

Andy: Das ist einer unserer 18 Securities [lacht]. Nein, das Bild haben wir gekauft und haben auch mittlerweile die Rechte dafür. Das war schon ein bisschen für die Bikerszene und um klar zu zeigen, wenn man die BLACKBURN-CD kauft, da weiß man, was einen erwartet. Und da nur eine Harley hinzustellen, das war uns dann auch zu billig.

Klaus: Gut gelungen auf jeden Fall, also ich hatte beim Auspacken keine Zweifel, was da auf mich zukommt.

Andy: Gut. Ich sage immer, die Future-Cover gehören mehr in die Metal-Schiene und wenn der Sound einfach gestrickt ist, dann soll auch das Cover dementsprechend einfach daherkommen. Wie du richtig gesagt hast, man muss einfach wissen, was einen erwartet.

Klaus: Ich find es klasse, gut gelungen...

Andy: Danke, ich gebe dir jetzt wieder das Corinnche...

Klaus: Eure Bandgründung war ja schon 1989, aber ich glaube so richtig los ging es wohl erst Ende 90/ Anfang 2000 mit "Fire". Ihr habt damals die Profi-Liga als Ziel für BLACKBURN definiert. Habt ihr das Gefühl, dem ein Stück nähergekommen und auf dem richtigen Weg zu sein?

Corinne: Ja, ich denke, auf jeden Fall war da eine Riesensteigerung drin, auch von den Auftrittsmöglichkeiten her und was wir da alles machen durften und ich glaube wir sind auf dem besten Weg, jetzt mal eine andere Liga zu sehen. Profi-Liga, das ist natürlich für wenige wirklich möglich, aber wir freuen uns riesig auf diese Tour und dabei sein zu dürfen. Ich meine, erst die CD, ein 12-Tracker, und jetzt die Tour, damit hat sich wirklich schon mal ein Riesentraum für jeden von uns erfüllt.

Klaus: Ohne indiskret zu sein, aber ihr seid ja auch nicht mehr gerade Anfang 20. Ihr probt mindestens zweimal die Woche, eher mehr, euer Jahresurlaub geht vermutlich für Konzerte und Touren drauf und auch ohne diese Termine macht eine Band ja noch genug Arbeit drum herum, bleibt da noch Zeit für Familie oder andere Hobbies?

Corinne: Wenig eigentlich, das bleibt schon ein bisschen auf der Strecke, muss man ehrlich zugeben. Es ist halt schon ein intensives Hobby und man lebt dafür.

Klaus: Profi-Liga definiere ich so, dass man von der Musik leben kann. Ich denke, ihr habt alle noch eure Fulltime-Jobs?

Corinne: Ja, genau. Also Profi-Liga, dieser Traum wird sich wahrscheinlich nicht mehr erfüllen. Wie gesagt, wir sind halt nicht mehr Anfang 20 und...

Andy: Da kann ich die Corinne nur unterstützen. Wir nehmen halt was kommt, Ansprüche zu stellen, jetzt in dieser Phase, wäre falsch. Nehmen, was kommt und schauen, wie es sich entwickelt und wie gefragt die ganze Geschichte ist und einfach ein bisschen locker bleiben dabei. Wie du sagst, 89 gegründet und wir sind alle ein bisschen älter und reifer geworden. Gezündet hat es Ende 90, aber das hat vielleicht auch mit der Reife und der Qualität jedes einzelnen zu tun. Dass wir mit 20 alle träumen, dass man einmal Rockstar wird und so weiter, das ist sicher legitim, aber man braucht dann wahrscheinlich wirklich auch eine gewisse Reife um solche Sachen dann auch anzugehen.

Klaus: Die Schweiz ist ja nun nicht so groß und der heimische Markt an Rock- und Metalbands doch einigermaßen begrenzt, habt ihr es da eher leichter oder schwerer euch einen gewissen Bekanntheitsgrad und natürlich auch Umsätze zu schaffen?

Andy: Ich weiß jetzt nicht genau, wie das in Deutschland ist, aber für die Schweiz kann ich sagen, dass es sehr schwer und steinig ist. Das Land ist kleiner und es fehlt komplett die Unterstützung für Rock und Hard Rock. Wenn du nicht in die Kommerz-Schiene reinfährst, dann musst du keine Unterstützung erwarten, sondern du musst es selbst aufbauen und Konzerte spielen und auf dich aufmerksam machen über die Auftritte. Für uns als Rockband ist der Weg über Deutschland einfacher, weil es einfach mehr Auftrittsmöglichkeiten gibt, wo wir uns bemerkbar machen und zeigen können.

Klaus: Wie seid ihr eigentlich zu POINT MUSIC gekommen?

Andy: Ich habe ja schon seit langen Jahren versucht, ein Label zu bekommen und habe auch Kontakt mit POINT MUSIC gehabt, auch durch andere Bands, die schon dort waren und mir da auch sicherlich ein bisschen die Tür geöffnet und mir geholfen haben, den Kontakt herzustellen.

Klaus: Wird man es als Schweizer Rockband nicht irgendwann mal leid, dass KROKUS anscheinend auf ewig die Messlatte bleiben und man immer mit denen verglichen wird?

Andy: Meine Meinung ist Nein, weil ich finde, dass KROKUS eine gute Band ist, die für die Schweiz viel getan hat, in den Achtzigerjahren wie jetzt auch. Ich finde, sie haben das Recht, solange sie Musik machen, auch auf Nummer 1 oder Nummer 2 sein zu können. Sie bringen es immer noch und sind eine gefragte Band. Ich bin davon überzeugt, dass sie das Recht haben weiterzurocken, solange sie wollen.

Klaus: Klar, keine Frage, ich bin ja selbst Hardcore-Fan von KROKUS seit 'Metal Rendez-Vous' und natürlich sollen sie rocken, solange sie wollen. Habt ihr Kontakt zum Schweizer Rock-Guru Chris von Rohr?

Andy: Nein, das ist doch ein bisschen zu weit weg für uns. Ich würde ihn aber gern mal kennen lernen und vielleicht mal über BLACKBURN sprechen. Soweit mir bekannt ist, hat er jetzt eine andere Band, die er promotet, von GOTTHARD ist er ja weg, aber wenn ich ihn mal treffe, werde ich sicher mal ansprechen und ihm von BLACKBURN erzählen und vielleicht ein paar gute Tipps für die Zukunft mitnehmen.

Klaus: Was haltet ihr denn von GOTTHARD und ihrem schleichenden Stilwechsel so?

Andy: Also mir hat GOTTHARD gut gefallen, Anfang der Neunzigerjahre mit ihren ersten beiden Alben, aber man muss da natürlich die Entwicklung sehen. Die sind dann halt in die Kommerz-Schiene reingefahren und ich kann mir schon vorstellen, dass das alles über Geld vom Label gesteuert wird und die Richtung auch vorgegeben wird. Aber wie gesagt, jede Band muss selber wissen, was sie tut, und erfolgreich sind sie ja geworden mit dem und ich wünsche ihnen auf jeden viel Glück auf ihrem Weg.

Klaus: Und wir gefallen dir die neueren Sachen persönlich?

Andy: Ich persönlich fand die ersten beiden Alben hammerhart und bei den anderen gibt es sicher ein paar Radiosongs, die man hören kann, aber für mich sind eigentlich die alten GOTTHARD die, die mir sehr gut gefallen.

Klaus: Geht mir genauso, aber ich habe die Band trotzdem in allen Phasen jeweils mehrere Male live gesehen und fand die Shows immer klasse und die Band wahnsinnig sympathisch, hattet ihr mal persönlich mit ihnen zu tun?

Andy: Nein, haben wir auch nicht, noch nicht, vielleicht wird sich das ergeben und sie kommen mal zu einer Show von uns oder wir sind mal bei ihnen dabei und vielleicht findet sich da mal Kontakt. BLACKBURN hat seine eigene Schiene gefahren, aber wenn sich das ergibt, dann sagen wir ganz bestimmt nicht Nein und freuen uns auf die Gespräche und auf jeden Input und Hilfe.

Klaus: Ganz spontan, ihr werdet als Opening Act für eine Mega-Band zu einer Welttournee eingeladen, mit wem würdet ihr am liebsten auf Tour gehen?

Andy: [lacht] AC/DC !!!

Klaus: War ja irgendwie klar, blöde Frage. Würde aber bestimmt nicht schlecht zusammenpassen.

Andy: Ja, ich gebe dir mal wieder Corinna...

Klaus: So, ich glaube, ich glaube ich lasse euch jetzt langsam mal in Ruhe, ihr habt bestimmt noch mehr zu tun. Wie sieht denn das Programm für die nächsten Tage bis zum Showstart aus?

Corinne: Heute ist noch ein bisschen Promo-Tag angesagt und dann geht es mal ab in die Waschküche, ein paar Kleider fertig machen, die letzte Probe und das Programm zusammenstellen und dann fiebern wir mal dem ersten Gig entgegen, wenn es endlich losgeht.

Klaus: Also, vielen Dank, war klasse mit euch. Viel Spaß auf der Tour und vor allem viel Erfolg für "Poker Face", vielleicht sehen wir uns ja in Frankfurt wenn ihr hier im 'Nachtleben' seid.

Corinne und Andy: Ja gerne, komm vorbei, wir holen dich dann da hinten an der Bar ab [lachen]. Hallo Sie, darf ich mal an die Bar? [allgemeines Gelächter]

Redakteur:
Klaus Coltrane

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