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BERLIN EXTREME SAMPLER: Interview mit Jakob Kranz

15.06.2007 | 16:24

Der neue und nunmehr zweite Berlin Extreme Sampler ist da und besticht mit vielen interessanten Bands aus der deutschen Hauptstadt. Das Projekt hat unter anderem Jakob Kranz ins Leben gerufen, Moderator und Redakteur bei Radio Fritz, dem Jugendradio des Rundfunks Berlin-Brandenburg. Für ein Interview stand er Rede und Antwort.

Henri:
Der zweite Berlin Extreme Sampler ist jetzt erschienen. Ist er aus deiner Sicht qualitative besser als der erste?

Jakob:
Wir haben durch den ersten Sampler viel gelernt und somit einiges optimieren können. So hat "Berlin Extreme Vol.2" endlich auch einen Media-Track, auf dem sich die wichtigsten Infos zu den Bands befinden. Veranstalter finden zu jeder Kapelle Fotos in Druckqualität, einen Technik-Rider, Biographien und Logos. So braucht man nicht mehr Tonnen an Papier durch die Welt zu schicken, sondern bekommt alle Infos direkt und einfach per Datei. Auch die Mischung der Stile ist abwechslungsreicher. Wir sind sehr stolz auf unser Baby.

Henri:
Wie kam es zur Idee für diese Sampler-Reihe?

Jakob:
Berlin hat zwar Metal-Potenzial, gilt aber gemeinhin als Club- und Rap-Stadt. Große Bands machen einen Bogen um die Hauptstadt, weil sie hier keine vollen Hallen bekommen. Der Berliner sitzt eben gern in seinem Kiez und hat keine Veranlassung mit der U-Bahn durch die halbe Stadt zu gondeln. Die ursprüngliche Idee des Samplers kursiert schon lange, der Auslöser war dann das SINNERS BLEED-Konzert bei der "Fete de la Musique" im Juni 2002. Ich dachte mir, dass es möglich sein müsste, die Berliner Bands (und Fans) an einen Tisch zu bekommen. So entstand in vielen Gesprächen mit Verbündeten die Idee der CD. Bands und Clubs legen Kohle für die Produktion zusammen, jeder bekommt den gleichen Anteil CDs, die man für fünf Euro kaufen kann. Somit macht niemand Nasse, alle sind involviert und die Lawine rollt los. Der Sampler funktioniert im Schneeball-Prinzip, jede Band transportiert den Ruf der Berliner Szene weiter.

Henri:
Wann wird der nächste Sampler dieser Art erscheinen?

Jakob:
Es gibt ja keinen festen Zeitplan, aber - ohne Namen zu nennen - es gibt schon einige Kandidaten, die auf jeden Fall in Frage kommen würden. Wir sind immer auf der Suche nach neuen Bands.

Henri:
Du bist ja kein Unbekannter in der Berliner Szene, allerdings dürften dich noch nicht alle Leser von Powermetal.de kennen: Stelle dich kurz vor und beschreibe, was du in der Berliner Metal-Szene so alles bisher gemacht hast.

Jakob:
Ich bin seit Mitte der 80er Metalfan. Die erste Dosis kam von Jens Molle in der "Tendenz Hard bis Heavy". Später habe ich in einem Plattenladen gearbeitet, und mich dort um alles gekümmert, was irgendwie laut war und rockte. Seit sechs Jahren moderiere ich das "Stahlwerk", die wöchentliche Metalsendung bei Radio Fritz, immer sonntags von 20 bis 22 Uhr. Für mich ist es eine große Ehre, die Tradition der "Tendenz" fortsetzen zu dürfen. Seit 2003 veranstalte ich die wöchentlichen Stahlwerkparties, weil die engmaschigen Black- oder Crossover-Veranstaltungen langweilig wurden. Wir sind drei DJs und legen von SCORPIONS bis NASUM alles auf. Der Spaß ist garantiert, es kommen sehr viele junge Fans und bislang ist noch jeder voll auf seine Kosten gekommen. Aktuelle Termine gibt es unter www.stahlwerkparty.de.

Henri:
Ich habe gehört, du planst ein Berlin Extreme-Festival. Kannst du schon Näheres berichten?

Jakob:
Interessant, davon weiß ich nichts, haha. Es wird aber eine Record Release-Party im Berliner Lime Club geben. Diese ist am 23. Juni ab 20 Uhr. Dort spielen dann DAMNED DIVISON, UNSOUL und SUBCONSCIOUS.

Henri:
Beschreibe mal aus deiner Sicht die Berliner Metal-Szene. Welche Besonderheiten gibt es, die typisch für Berlin sind?

Jakob:
Die Stadt ist groß, das Angebot vielfältig. Das bedeutet aber auch, dass man im Zweifelsfall einfach zu Hause bleibt, statt die lokale Szene bei Konzerten zu erkunden: Die Band, die abends spielt, kann man bei der nächsten Tour oder einem Open Air ja auch noch sehen. Es gibt zwar einige Clubs, aber jeder hat eben einen angestammten Kiez. Eigentlich ist Berlin mehr Dorf als der Rest des Landes. Man bleibt unter sich. Das war der Ansatz für den Sampler und die Stahlwerkparties. Mittlerweile funktionieren beide als kommunikative Plattform. Man trifft sich, quatscht miteinander und plötzlich hat man einen neuen Bassisten oder eine neue Lieblingsband gefunden.

Henri:
Wie siehst du die Zukunft der Berliner Szene?

Jakob:
Rosig. Neue Veranstaltungen sprießen aus dem Boden, das 10. Protzen Open Air war ein großer Erfolg und der "Nachwuchs" - sowohl bei Bands als auch Fans - sprudelt.

Henri:
Hand aufs Herz: Welche drei Berliner Bands gefallen dir am Besten und warum?

Jakob:
Das kann man so nicht beantworten, jede Band hat ihren eigenen Charme. Aktuell sind die Chaos-Krachler gut dabei: CEREBRIC TURMOIL oder WAR FROM A HARLOTS MOUTH zum Beispiel. SPAWN sind in frischer Besetzung stärker denn je, SINNERS BLEED sind ebenfalls wieder am Start. FIRST AID zelebrieren den klassischen Thrash, INFIGHT schwingen den Hardcore-Bolzen. DESILENCE, OCCURENCE und LOGARS DIARY halten die Power-Metal-Fahne hoch und die Wacken-Gewinner REQUITAL sind ebenfalls extrem knorke. Was im Moment etwas fehlt ist guter Black Metal. Da scheint ein wenig die Luft raus zu sein. Ansonsten ist es wie mit einer guten Ministrone - die Summe der Zutaten macht sie erst besonders.

Kontakt: www.berlinextreme.de

Redakteur:
Henri Kramer

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