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A LIFE DIVIDED & LACRIMAS PROFUNDERE: Double-Headliner-Interview

30.01.2017 | 11:07

A LIFE DIVIDED und LACRIMAS PROFUNDERE sind momentan auf großer Double-Headliner-Tour quer durch Deutschland unterwegs. Grund genug, sich die Jungs von LACRIMAS PROFUNDERE und Jürgen von A LIFE DIVIDED vor der Show in Nürnberg mal gemeinsam zu schnappen...

Zunächst einmal eine Frage an die Herren von LACRIMAS PROFUNDERE: Das letzte Mal haben wir uns auf dem MERA LUNA-Festival gesehen - einen Tag nach dem Release eures neuen Albums "Hope Is Here". In der Zwischenzeit seid ihr damit auf Platz 30 der Charts gelandet! Habt ihr damit gerechnet?

Rob: Niemals!

Olli: Erfolgreich sind wir damit schon, wenn man sich die Chartplatzierung anschaut. Aber vor zehn Jahren haben wir auch schon Platten releast und sind damit auf Platz 82 der Charts gelandet. Ich glaube sogar, dass der Platz 82 damals noch mehr wert war als heute Platz 30.

Jürgen: Olli, wie war das vor zwanzig Jahren? Wann gab es die erste LACRIMAS PROFUNDERE-Scheibe?

Olli: 1995, vor 22 Jahren. Wir haben vergangenen November in Berlin gespielt. Dort war jemand, der unsere erste Platte für 600 Euro auf E-Bay ersteigert hat. Er wollte meine Unterschrift haben und ich weiß genau, dass es das Original war, denn damals haben wir vergessen, das Copyright-Zeichen mit dem Jahr der Erscheinung aufs Booklet zu schreiben. Da habe ich die Booklets alle auseinandergenommen und das handschriftlich mit der Schreibmaschine meines Vaters nachgetragen! Aber 600 Euro für unsere erste Platte... Ich hätte das nicht bezahlt.

Warum glaubst du, dass eine Chartplatzierung damals mehr wert war als heute? Immerhin gibt es heute weitaus mehr Konkurrenz.

Olli: Ich glaube, dass heute einfach kaum noch jemand Platten kauft in Zeiten von Spotify und Co. Es wird immer schwerer für uns, CDs zu verkaufen. Als wir 1995 rauskamen, war die CD noch ein ganz neues Medium. Die Zeiten ändern sich aber. Es war lange nicht so einfach wie heute, mit seiner Musik an die Öffentlichkeit zu kommen. Es war die Zeit vor dem Internet: Als die Leute noch wirklich in den Plattenladen gegangen sind und die Scheiben nach Cover gekauft haben. Ich hätte die Zeit gerne zurück, damals hatte Musik noch den gleichen Stellenwert wie Kunst. Für mich ist Musik wie ein Gemälde und ein Gemälde stiehlt dir auch niemand aus der Galerie.

Jürgen: Aber es wird auch als Poster nachgedruckt und zu Hause aufgehängt.

Olli: Nun gut, da muss ich dir Recht geben.

Jürgen: Aber hast du noch nach Covern gekauft?

Leider nicht - die Zeit habe ich nicht mehr mitbekommen.

Jürgen: Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass man sich im Plattenladen einfach die Scheibe mit dem coolsten Cover gekauft hat und sie sich dann daheim schön gehört hat.

Olli: Das kenne ich auch noch. Aber wenn du es dann geschafft hast, dir die Platte schön zu hören, dann war die Liebe umso intensiver. Wenn du dich mit der Musik wirklich beschäftigst...

Jürgen: Was war denn deine erste Platte?

Olli: "Bad" von MICHAEL JACKSON. Halt, stimmt gar nicht: Es war CULTURE CLUB, Boy George.

Rob: Das schlimmste Cover und die geilste Platte. Auf so etwas stehe ich persönlich. Du siehst sie und denkst dir erst einmal: "Was ist das denn?" Dann legst du sie auf und denkst: "Wow! Aber etwas Beschisseneres ist euch für das Cover nicht eingefallen?"

Clea: Aber bei Vinyl funktioniert das einfach auch wesentlich besser als bei CDs. Da hast du einfach ein geileres Format. Das fällt viel mehr ins Auge.

Olli: Was war denn deine erste Platte, Jürgen?

Jürgen: Meine erste Platte war "Sentence Of Death" von DESTRUCTION.

Rob: Meine erste Platte war schon eine CD. "Silver Chair" von NEON BALLROOM.

Wie seid ihr eigentlich zu dem Entschluss gekommen mit A LIFE DIVIDED und LACRIMAS PROFUNDERE gemeinsam auf Headliner-Tour zu gehen?

Jürgen: Wir kennen uns ja schon lange. Unser Schlagzeuger hat lange bei LACRIMAS gespielt und Tony spielt aktuell ja in beiden Bands. Wir haben es 15 Jahre vermieden miteinander zu spielen, aber irgendwann war es nicht mehr zu vermeiden. Wir ziehen uns an wie Plus und Minus.

Olli: Wir dachten, es wäre eine gute Idee. Und wir haben gemerkt, dass es eine gute Idee ist.

Jürgen: Wir kommen sehr gut miteinander aus und entscheiden auch wirklich von Stadt zu Stadt, wer wann spielt. Da ist auch niemand nachtragend oder schnell beleidigt.

Olli: Wenn es wirklich eine Stadt gibt, bei der wir uns nicht einig sind, spielen wir halt "Schere-Stein-Papier". Wir teilen uns alles, fahren gemeinsam los, schlafen im gleichen Hotel... Für mich fühlt sich das fast schon an wie eine Band.

Woran macht ihr fest, wer wo zuerst spielt?

Olli: Wir waren ja schon mehrere Male auf eigener Headliner-Tour und wissen, welche Band wo "stärker" ist. Danach schauen wir größtenteils. Es ist auch gar nicht so schlecht, wenn du als erste Band spielst. Dann bist du früher fertig. Wir spielen beide ein volles Programm, da ist es manchmal ganz schön, schon um halb zehn Feierabend zu haben.

Jürgen: Ja, jede Band hat ihre Städte. Aber letzten Endes kommen die Fans beider Bands voll auf ihre Kosten.

Jetzt, wo ihr mit frischen Alben auf Tour geht: Funktionieren die Songs live genauso wie ihr euch das vorgestellt habt oder gab es da bisher auch Überraschungen für euch?

Olli: Wir werden immer besser. Langsam kommen wir auch in die Songs rein, die etwas "tricky" sind. Gerade unser neues Album finde ich ziemlich anspruchsvoll - Songs wie 'Hope Is Here' müssen live auch einfach echt funktionieren können. Es ist allerdings auch so, dass man ein wenig Zeit braucht, um warm zu werden. Ich dachte zunächst, dass es eine tolle Idee wäre, an den Wochenenden zu spielen. Nach dem ersten Tourblock habe ich aber festgestellt, dass ich gerade erst warm geworden war.

Rob: Das kann Vor- und Nachteile haben. Wenn du fit bist, würdest du natürlich am liebsten gerade weitermachen. Ich war an dem Wochenende aber auch enorm angeschlagen: Da war es für mich ein Segen, dass ich nach den ersten Konzerten erst einmal eine Pause hatte.

Olli: Ich spiele aber auch immer am Limit.

Rob: Das kannst du genauso unterstreichen: Olli wäre lieber tot als nicht am Limit.

 

LACRIMAS PROFUNDERE und A LIFE DIVIDED machen noch in diesen Städten Halt:

03.02. Aschaffenburg, Colos Saal

04.02. Stuttgart, Das Cann

05.02. Augsburg, Spectrum

09.02. Berlin, Bi Nuu

10.02. Hamburg, Grünspan

11.02. Hannover, Musikzentrum

Redakteur:
Leoni Dowidat

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