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ARCH ENEMY: Interview mit Sharlee D'Angelo

30.09.2011 | 06:12

Mit viel Getöse erschien im Mai, pünktlich zur Festival-Saison, das neue Werk "Khaos Legions" von ARCH ENEMY. Nachdem die Festivals bespielt wurden, geht es nun wieder auf Tour, die im Dezember auch durch Deutschland führt. Was in der Zwischenzeit so alles passiert ist und wie das neue Material bei den Fans angekommen ist, das verrät uns Bassist Sharlee D'Angelo.

Swen:
Hi Sharlee, Herzlichen Glückwunsch zum tollen Erfolg von "Khaos Legions".

Sharlee D'Angelo:
Hey, ja Dankeschön! Ja, es läuft wirklich gut im Moment.

Swen:
Als euer Album frisch herauskam, hattet ihr zuerst Auftritte bei der Metalfest-Reihe. Wie waren denn die Reaktionen seitens der Besucher?

Sharlee D'Angelo:
Das neue Material ist durchaus gut angekommen. Natürlich war bei jedem neuen Song nicht ein riesen Aufschrei. Man muss ja auch bedenken, dass die Fans ja keine große Möglichkeit vorher hatten, das Album zu hören. In Anbetracht dieser Tatsache waren wir sehr zufrieden. Mittlerweile haben sich die Songs gut in das Set eingefügt.

Swen:
Seit dem letzten regulären Album "Rise Of The Tyrant" (2007) sind knapp vier Jahre vergangen. Was habt ihr in dieser Zeit gemacht? Und wie ist jetzt nach dem Release die Stimmung in der Band?

Sharlee D'Angelo:
Wir sind ständig auf Tour gewesen. Es gab kaum größere Pausen, wo wir nichts gemacht haben. Von daher kam uns diese Zeit gar nicht so lang vor. Nachdem das Album fertig war, waren wir total happy und freuten uns, endlich wieder zu touren. Eine kleine Pause für neue Aufnahmen ist okay, aber es wird dann auch Zeit, endlich wieder auf der Bühne zu stehen!

Swen:
Wie lange habt ihr an dem Werk gearbeitet?

Sharlee D'Angelo:
Das ist schwierig zu beantworten. Eigentlich arbeiten wir ständig an neuen Songs. Meistens während der Tour. Man kann sagen, dass wir die vergangenen vier Jahre Ideen gesammelt haben. Da fällt einem von uns mal ein Riff, ein Text oder eine Melodie ein, die wir dann sammeln und irgendwann zusammenfügen. Jedoch entstehen komplette Songs sehr selten, wenn wir unterwegs sind. Die Aufnahmen im Studio haben dann zirka sechs Wochen gedauert.

Swen:
Das Cover zeigt fünf Personen, die scheinbar die "Khaos Legions" verkörpern. Ihr seid ja auch fünf Leute in der Band. Also seid ihr die Soldaten auf dem Cover?

Sharlee D'Angelo:
In gewisser Weise stimmt das. Aber nicht nur wir sind die "Khaos Legions". Eigentlich sehen wir uns als einen Teil davon. Jeder von uns auf der Welt, egal ob ARCH ENEMY-Fan oder nicht, kann dazugehören, wenn er sich nicht alles gefallen lässt und für seine Rechte kämpft. Jeder der etwas verändern möchte, kann also ein Teil dieser Armee sein. Chaos kann die Entstehung von etwas Neuem sein, etwas Besserem. Was das Cover angeht, so ist es im weitesten Sinne an das Gemälde "La Liberté Guidant Le Peuple' des Franzosen EUGÈNE DELACROIX angelehnt. Dort sieht man ebenfalls fünf Personen und eine Frau in der Mitte.

Swen:
Im Vergleich zu den Vorgängeralben, was würdest du sagen ist neu beziehungsweise was kann der Hörer neues erwarten?

Sharlee D'Angelo:
Ehrlich gesagt vergleichen wir unsere Alben selbst gar nicht miteinander und schauen so stark zurück, wie irgendetwas mal irgendwann geklungen hat. Wir setzen uns hin und versuchen, das Beste zu machen, was zu diesem Zeitpunkt möglich ist. Es ist immer schwer zu sagen, dass das neue Material besser ist als das Alte. Natürlich versuchen wir, ein paar Dinge anders zu gestalten, damit es nicht langweilig wird. Aber hey: Wir können ja nicht den ARCH ENEMY-Sound einfach so ändern! Was ich aber auf jeden Fall sagen kann, ist, dass die Soundqualität und der Mix wesentlich besser sind als beim Vorgängeralbum.

Swen:
Würdest du bei diesem Album von einem Konzeptalbum sprechen?

Sharlee D'Angelo:
Also von einem kompletten Konzeptalbum würde ich jetzt nicht sprechen wollen. Aber das Augenmerk liegt schon auf den Themen der persönlichen Revolution und der Freiheit. Jeder sollte doch für sich selbst bestimmen können, wie er leben möchte. Das ist in meinen Augen der Grundtenor des Albums. Was jedoch heftig ist, ist die Tatsache, dass wir in unseren Songs darüber erzählen, was passieren könnte und diese Geschichten von heute auf morgen Realität werden. Du brauchst dich ja aktuell nur mal in der Welt umschauen und wirst erschreckend viele Parallelen finden.

Swen:
Wenn immer alle vom besten Album aller Zeiten reden, bekommt ihr da nicht Zukunftsängste und steht enorm unter Druck bei der nächsten Produktion?

Sharlee D'Angelo:
Das ist in der Tat eine schwierige Sache. Nach einem gutem Album stellt sich die Frage: Was können wir als nächstes machen? Natürlich wollen wir uns nicht nach unten bewegen, aber wir versuchen mit einigen Änderungen den gewohnten Sound interessanter zu gestalten, um nicht auf der Stelle stehen zu bleiben. Ob uns das immer gelingen wird, das wird sich zukünftig zeigen und natürlich werden das die Fans entscheiden. Wir sind jedenfalls nicht bestrebt, altes nur neu aufzuwärmen.

Swen:
Du hast es ja bereist angesprochen, dass ihr die letzten Jahre sehr viel auf Tour gewesen seid. Gibt es ein Land oder einen Ort, wo ihr besonders gern spielt oder wo ihr gern mal spielen würdet?

Sharlee D'Angelo:
Das kann man so pauschal nicht beantworten. Es gibt überall auf der Welt tolle Orte, die mir gefallen haben. Es ist eben auch ein Unterschied, ob man beispielsweise in Europa oder Amerika spielt. Die Menschen reagieren unterschiedlich auf die Musik und damit kann man das schlecht vergleichen beziehungsweise sagen: Hier war es besonders gut. Wir haben das große Glück fast auf jedem Kontinent zu spielen und so viele Kulturen kennenzulernen. Somit gibt es da auch keinen speziellen Wunsch. Der Gig im Mai in Marokko war unser Debüt auf dem afrikanischen Kontinent. Dort haben wir bis dato noch nie gespielt. Zukünftig würde uns Südafrika oder auch Indien reizen. Wir sind offen für alles!

Swen:
Aktuell gibt es ja verstärkt Naturgewalten oder politische Unruhen. Macht ihr euch da im Vorfeld Gedanken darüber oder fährt die Angst in unsicheren Ländern mit?

Sharlee D'Angelo:
Nein. Du kannst dir im Vorfeld nicht ständig Gedanken machen, was passieren könnte. Das macht dich kaputt. Du musst einfach das Beste aus der Situation machen. Wenn beispielsweise eine Tour wegen Naturgewalten abgesagt oder abgebrochen werden muss, bist du machtlos. Aber wenn es um politische Sachen geht und die Lage nicht zu gefährlich ist, spielen wir. Die Leute haben ein Recht darauf, die Musik zu hören, die sie mögen und die Regierung sollte nicht vorschreiben dürfen, ob sie das dürfen oder nicht.

Swen:

Da gebe ich dir vollkommen recht. Aber sag mal, wenn ihr so viel unterwegs seid, gibt es da eine beispielsweise eine Weltkarte, auf der ihr eintragt, wo ihr gespielt habt? So als Gedankenstütze.

Sharlee D'Angelo:
Nicht ganz. Auf dem PC gibt es eine Karte. In meiner alten Wohnung hatte ich aber mal eine Weltkarte hängen. Ich habe dann immer mit einer Nadel markiert, wo wir gewesen sind. Aber irgendwann wurden es zu viele. Das sah dann so aus, als ob ARCH ENEMY die Welt beherrschen würde. Eigentlich gar keine schlechte Idee…

Swen:
Warum nicht. Ich würde sagen, wir lassen das bis zum nächsten Mal im Raum stehen und danke dir für deine Zeit.

Sharlee D'Angelo:
Aber gern. Viele Grüße an die Leser. Wir sehen uns bei einem unserer Konzerte!

Redakteur:
Swen Reuter

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