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ARCH ENEMY: Interview mit Angela

04.08.2005 | 22:56

ARCH ENEMY muss man nun wirklich keinem Schwein mehr vorstellen. Konnte die Band um die Amott-Brüder bereits in der Urbesetzung Lobesarien einheimsen, startete der richtige Triumphzug erst mit dem Einstieg des weiblichen deutschen Growlwunders Angela Gossow. Besonders der letzte Longplayer "Anthems Of Rebellion" schlug ein wie eine Neutronenbombe und gilt in seinen jungen Jahren schon heute als Meilenstein des Metal. Nach scheinbar endloser Wartezeitdurststrecke und einigen weniger erfreulichen Ereignissen (dazu später mehr), erlöst uns die Band am 22.08.2005 aus dem lethargischen Schlaf des melodischen Todesmetallisten. "Doomsday Machine" kracht an diesem Datum durchs Gebälk und hat bei mir schon vorab ordentlich verbrannten Boden hinterlassen. Grund genug, der sympathischen Deutschen ein paar Fragen an den hübschen Kopf zu schleudern.

Alex:
Hi Angela, alles klar bei dir und der Band?

Angela:
Ja, wir sind zur Zeit in Amerika, ziehen die Ozzfest-Tour durch und spielen unsere eigenen Shows an den vielen Off-Days dazwischen.

Alex:
Endlich, nach etwas längerer Auszeit, kommt am 22.08.2005 eure neue Scheibe "Doomsday Machine" in die Läden. Wie ist euer Gefühl momentan? Seid ihr zufrieden mit dem Resultat?

Angela:
Naja, Auszeit... "AOR" kam im September 2003 raus, 2004 haben wir die EP "Dead Eyes..." veröffentlicht und seit Januar 2005 haben wir an unserer neuen Scheibe gearbeitet. Ja, ist aber ein tolles Gefühl, eine neue Platte aufgenommen zu haben. Wir sind sehr gespannt auf die Reaktionen.

Alex:
Einmal mehr hat die neue Scheibe einen ziemlich heftigen Bums am Leib. Andy hat ganze Arbeit geleistet. Erzähl doch bitte mal ein wenig aus dem Studionähkästchen. Gab's irgendwelche witzigen Impressionen?

Angela:
Wir haben drei Wochen lang mit Andy in England gemixt und sehr viel Zeit und Liebe ins Detail gesteckt. Uns ist es wichtig, dass der Sound glasklar bleibt, bei voll aufgedrehter Hifi-Anlage. Wir haben sehr konzentriert gearbeitet und lustig wurde es erst abends bei Bier, Wein und Space Cookies.

Alex:
Wie kann ich mir so eine Session in Andys Studio vorstellen?

Angela:
Wir arbeiteten sehr konzentriert von ca. 10 Uhr morgens bis 12 Uhr nachts. Studio-Zeit ist teuer und wird hatten eine enge Deadline.

Alex:
Aus dem Bauch raus: Welcher Song auf dem neuen Album präsentiert die neue Scheibe am besten und warum?

Angela:
Nun, wir haben 'Nemesis' als erste Single/Video-Auskopplung gewählt. Dieser Song hat alle ARCH ENEMY-Trademarks: hartes, melodisches Riffing, fetter Chorus, epischer Mittelpart und viele Soli.

Alex:
Ich persönlich finde die beiden aufeinanderfolgenden Tracks 'Carry The Cross' und 'I Am Legend/Out For Blood' am gelungensten, auch, weil sie zwei grundverschiedene Seiten in eurem Sound repräsentieren. Erstgenannter für das düstere, fast doomige, zweiter für den hasserfüllten Tritt in die Fresse.

Angela:
Ja, da stimme ich dir zu. 'Out For Blood' ist einer meiner Faves auf der neuen Scheibe.

Alex:
Ich persönlich finde auch, dass sich euer Soundspektrum sehr stark in Richtung Melodien geöffnet hat, was in einer massiven Fokussierung der Twingitarren auf Kosten des gewalttätigen Riffings Niederschlag findet. Ihr seit etwas massenkompatibler geworden und seid somit den mit "Anthems Of Rebellion" eingeschlagenen Weg konsequent weitergegangen.

Angela:
Es gibt genug bzw. zu viele Bands, die sich nur auf das harte Riffing konzentrieren. Wir möchten uns davon klar absetzen und legen deshalb viel Wert auf Melodien und Soli. Ob das massenkompatibler ist, bezweifle ich aber.

Alex:
Kommen wir zu einem etwas unangenehmen Thema: eure letzten Tourneen. Es ist ja bekannt geworden, dass Christopher in der nächsten Zeit sein Studium beenden will und kurzfristig, allerdings hoffe ich doch nur temporär, durch Gitarrero Gus G. ersetzt wird. Einige Leser unseres Zines waren extrem angepisst über diese Meldung und werfen euch vor, Gigabsager Nummer eins zu sein. Tatsächlich sind in der Vergangenheit häufig Shows gecancelt worden. Zum zweiten erboste sich die selbe Lobby, ARCH ENEMY mit Christopher sehen zu wollen und nicht mit irgendeinem Ersatzmann. Was meinst du dazu?

Angela:
Chris hat seine Entscheidung gefällt, da können ihn leider auch keine erbosten Fans von abhalten. Er hat die Band de facto verlassen. Wir HOFFEN, dass er zurück kommt, es ist aber unwahrscheinlich. Er hat sich einen beschissenen Zeitpunkt ausgesucht, aber das ist nicht unsere Schuld! Gus G. ist nicht irgendein Ersatzmann, sondern einer der besten Gitaristen in der Metalszene! Diese "Fans" sollten mal versuchen, sich in unsere Lage zu versetzen! Chris Ausstieg hat uns einen echten Schock versetzt, den wir a) erst einmal verdauen mussten und b) einen Gitaristen finden mussten, der Chris Parts überhaupt spielen kann! Ein echter Fan weiß, wie es uns im Moment damit geht. Chris ist 50% des Songwritings, Michaels Bruder und Gründungsmitglied. Wir haben im ersten Moment gedacht: So, das war's jetzt mit ARCH ENEMY.

Alex:
Wie wird denn euer Tourprogramm aussehen. Gondelt ihr durch die ganze Welt oder hebt ihr euch einen ausdauernden Schlag für die, allseits herbeigesehnte, Wiederkehr Christophers auf, wenn sie denn stattfindet?

Angela:
Wir werden nach dem Ozzfest eine Europa-Tour im Oktober und November durchziehen. Dann geht's nach Japan, Australien und die USA. Wir hoffen, Gus kann die Touren mit uns machen. Chris hasst das Touren und wird auf keinen Fall dabei sein. Er ist ausgestiegen.

Alex:
Oh Mann, jetzt hab ich aber einen mächtigen Kloß im Hals. Und die powermetallische Leserschar mit Sicherheit gleich mit. Kommen wir zu einem erfreulicherem Thema. Angela, "Doomsday Machine" ist ja quasi deine dritte Arbeit für ARCH ENEMY. Alle drei Alben sind hochklassig. Doch vor allem im Bezug auf die dritte Scheibe spricht man ja von dem berühmten "make it or break it". Machst du's...?

Angela:
Keine Ahnung. Wir setzen uns diesem Druck nicht aus, sondern ziehen unser Ding durch, machen einen Schritt nach dem anderen.

Alex:
Löbliche Einstellung, die euch schon verdammt weit gebracht hat! Unsere Leser interessiert bestimmt, was du privat für ein Mensch bist. Portraitier dich doch mal selber, deine Ziele, deine Einstellung und vor allem, was Musik in deinem Leben für einen Raum einnimmt. Nicht zu vergessen, was dir deine Fans bedeuten.

Angela:
Ich bin privat ein eher ruhiger, zurückgezogener Mensch. Ich treibe viel Sport, liebe Kochen (deshalb viel Sport, haha), lese viel – da ich TV nicht mag. Ich verbringe viel Zeit mit meinen Freunden, der Band und meiner Familie. Musik ist mein Leben, meine Arbeit und mein Hobby.
Fans: Ohne Fans gäbe es ARCH ENEMY nicht. Sie sind unsere treuesten Freunde und härtesten Kritiker. Manchmal vergessen Fans leider, dass wir auch nur Menschen sind, die manchmal krank werden oder private Probleme zu Hause haben.

Alex:
Wende deinen Blick noch einmal in die Zukunft. Wie sieht die im Falle ARCH ENEMY aus? Was steht uns demnächst bevor?

Angela:
Ausgiebige Touren, eine DVD, noch mehr Touren.

Alex:
Dann mal vielen Dank in die USA! Hast du noch irgendwelche Gedanken, die du unseren Lesern mitteilen möchtest?

Angela:
Ich hoffe euch alle im Herbst live zu sehen! Pure Fucking Metal!

Alex:
Lass es dir gut gehen und viele Grüße an die Jungs...

Redakteur:
Alex Straka

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