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ANNIHILATOR: Interview mit Jeff Waters

13.05.2007 | 21:27

ANNIHILATOR: Es ist wichtiger als je zuvor, dass die echten Metalbands zusammen halten und einander auch mal helfen!

ANNIHILATOR haben im April 2007 mit "Metal" ein neues Album rausgekloppt, das definitiv zu den Top-5 der besten ANNIHILATOR-Veröffentlichungen überhaupt zählt. Die Band ist seit einiger Zeit auf Europa-Tour mit den Senkrechtstartern von TRIVIUM. Und obwohl sich ANNIHILATOR-Mastermind und Saitenhexer Jeff Waters vor kurzem den Fuß gebrochen hat, lässt sich der gute Mann von nix und niemandem aufhalten. Auf geht's!


Martin:
Hi Jeff! Alles klar bei dir? Wie sind denn die ersten Eindrücke eurer Tour mit TRIVIUM?

Jeff:
Meine ersten Eindrücke sind sehr positiv. Ich habe mir vor kurzem den Fuß gebrochen aber, hey ... es ist eine großartige Metal-Tour, hehe! Es ist wirklich fantastisch, dass die Jungs von TRIVIUM uns auf ihrer Tour mitnehmen und dass wir unseren Metal für so viele TRIVIUM-Fans spielen können, die uns bisher noch nicht einmal kannten! Ein herzliches Dankeschön an die Band für diese Chance. Es ist auch verdammt geil, dass wir auch endlich mal echte Fans im Vereinigten Königreich sehen. Und zwar echte Hardcore-Fans! Schizos halt!

Martin:
Glückwunsch zu eurem neuen Album! "Metal" ist für mich eure stärkste Scheibe seit "Criteria For A Black Widow".

Jeff:
Danke! Ich würde dir da zustimmen.

Martin:
Auf "Metal" haben ja etliche großartige Gastmusiker wie Lips (ANVIL), Jester Strömblad (IN FLAMES) oder Jeff Loomis (NEVERMORE) mitgewirkt. Welchen Einfluss hatten denn diese Musiker auf das Songwriting zur neuen Scheibe? Hast du alle Songs komponiert und Lips und Co. haben dann die Gitarrensoli auf ihre Art und Weise interpretiert und aufgenommen?

Jeff:
Bis auf den Titel 'Couple Suicide', für den Danko Jones den Text schrieb, kam die Idee mit den Gastmusikern ziemlich am Ende des Aufnahmeprozesses zu "Metal" auf. Die Lieder waren da schon fertig komponiert. Ursprünglich sollte die neue ANNIHILATOR-Scheibe einfach eine Veröffentlichung werden, auf der ANNIHILATOR richtig Arsch treten. Gegen Ende des Aufnahmeprozesses erhielt ich dann einen Anruf von Corey Beaulieu von TRIVIUM und einen von Michael Amott (ARCH ENEMY). Einer von ihnen fragte mich dann, ob denn unsere neue CD schon fertig wäre. Ich entgegnete ihm "Na ja, fast" und dann fragte er mich, ob er nicht noch ein cooles Gitarrensolo zu einem der Tracks beisteuern könnte. Ich sagte "Ja, klar" und der Rest ging dann ziemlich schnell. Ich begann dann, alle befreundeten beziehungsweise bekannten Metalmusiker gedanklich durchzugehen, die die Musik von ANNIHILATOR sehr mögen. Und auch diejenigen, die schon seit Jahren durch unsere Musik beeinflusst worden sind. Die meisten dieser Musiker sagten mir zu und dann ging es los. Bis auf Danko Jones und Angela Gossow (die jeweils Gesang besteuerten - Anm. des Verfassers) haben alle beteiligten Gastmusiker wenigstens ein Gitarrensolo oder sogar zwei zu unserer neuen CD beigesteuert. Das ist eine Ehre für mich und offensichtlich auch für die meisten der Musiker, die auf "Metal" zu hören sind.

Martin:
Wer hat denn die ganzen Texte zum neuen Album geschrieben?

Jeff:
Ich selbst, bis auf den Danko-Song 'Couple Suicide'. Ein wirklich cooler Titel!

Martin:
Ich finde es wirklich klasse, dass man dich endlich einmal wieder singen hört! Der Track 'Operation Annihilation' ist mein absoluter Lieblingstitel auf deiner neuen Scheibe! Auch der Text ist klasse. Laut neuen Setlists spielt ihr diesen Titel auch live.

Jeff:
Danke für die Komplimente! Ich singe gern, aber ich bin nicht ganz so selbstsicher, ob mein Gesang gut rüberkommt. 'Operation Annihilation' ist ein Titel, der live sehr gut rüberkommt. Mindestens drei bis vier Lieder auf unserem neuen Album handeln von dem Ärger und meiner Wut, die ich bezüglich einiger meiner früheren Geschäftspartner hatte beziehungsweise habe. Und die mich die ganze Zeit beschissen haben! Gute Munition also für Texte oder eine Metal-CD.

Martin:
Inwieweit hat denn Sänger Dave Padden Einfluss auf das Songwriting und/oder die Texte?

Jeff:
Dave hatte den Titel 'Pride' auf der "Schizo Deluxe"-CD mitkomponiert. Aber ansonsten will er nicht wirklich etwas zum Songwriting beitragen. Manche Musiker sind halt so ... sie wollen einfach ins Studio kommen und losrocken und Dave leistet wirklich Großartiges, wenn er ins Studio kommt und die Titel einsingt. Er reißt sich echt den Hintern auf. Dave ist ein unglaublich vielseitiger Sänger, der fast alles, was du von ihm möchtest, einsingen kann.

Martin:
Jeff, deine gesangliche Leistung bei 'Operation Annihilation' tritt richtig Arsch! Wirklich großartig! Ich hoffe, dass du in Zukunft wieder öfter auf ANNIHILATOR-Scheiben singst!

Jeff:
Ich denke, dass ich in Zukunft mindestens einen Song pro Album selbst singen werde.

Martin:
Vor drei Jahren führte ich schon einmal ein Interview für ein anderes Webzine namens DARK TALES (R.I.P) mit dir, als "All For You" herauskam. Ich erinnere mich sehr gut, dass du damals "All For You" als dein "Back In Black"-Album bezeichnet hattest. Damals war es aus deiner Sicht die beste ANNIHILATOR-Scheibe deiner Karriere. Wie bewertest du heute dieses Album und wie würdest du es mit "Schizo Deluxe" und "Metal" vergleichen?

Jeff:
Da hast du mich aber ganz schön erwischt, das war nicht gerade ein kluger Vergleich. Ich dachte damals wirklich, dass jedes Lied auf "All For You" richtig gut ist. Rückblickend betrachtet waren die meisten auch gut, aber eben nicht alle. Ich denke, dass man ein Album halt so einschätzt, wenn man eine CD mit einem neuen Sänger im Kasten hast, und sie dich sehr viel Blut und Schweiß gekostet hat. Ich denke, dass die CD verdammt gut ist und auch insgesamt unterbewertet wurde. "Metal" rangiert wahrscheinlich auf Platz 3 oder 4 meiner besten Scheiben. Willst du meine absoluten Favoriten wissen?

Platz 1: "Neverland"
Platz 2: "Alice In Hell"
Platz 3: "King Of The Kill"
Platz 4: "Metal"
Platz 5: "Schizo Deluxe"

Martin:
Also ich muss zugeben, dass es mich doch etwas überrascht hat, das ANNIHILATOR die Newcomer TRIVIUM als "very special guest" supporten. Meiner Ansicht nach müsste das genau umgekehrt laufen! Bestand da keine Chance, dass ihr eine Headliner-Tour durch Europa macht und dass ihr eine Band mit auf Tour nehmt?

Jeff:
ANNIHILATOR verkaufen nur sehr wenige CDs im Vereinigten Königreich und in Skandinavien. Corey (Beaulieu, Gitarre und Gesang - Anm. d. Verf.) und TRIVIUM waren SEHR cool und nett, uns einen Platz als Supportband anzubieten, zumal sie sehr viele CDs absetzen, viel mehr als ANNIHILATOR. Das hilft uns natürlich, in die CD-Märkte in Skandinavien und UK hinein zu kommen und natürlich auch, vor vielen TRIVIUM-Fans in Europa zu spielen. Das ist großartig für uns. Ich plane, dass ANNIHILATOR für den Rest des Jahres 2007 als Supportband mit größeren Gruppen auf Tour gehen, um dann im Jahr 2008 mit einer richtig großen Headliner-Tour unterwegs zu sein. Wir haben immerhin über 135 Songs in unserem kleinen ANNIHILATOR-Backkatalog, die wir spielen können!

Martin:
Im Text zu 'Army Of One' (featuring Lips von ANVIL) wird Einigkeit innerhalb der Metalszene eingefordert. Wie würdest du denn die heutige Metalszene insgesamt betrachtet mit der vergleichen, wie sie in den 1980ern war?

Jeff:
Also, es ist ganz offensichtlich, dass die heutige Metalszene einfach kleiner ist (das betrifft zumindest die ECHTE Metalszene). Gerade aus diesem Grund ist es wichtiger als je zuvor, dass die echten Metalbands zusammen halten und einander auch mal helfen. TRIVIUM verdienen zu 100 Prozent den Respekt jedes ANNIHILATOR-Fans, da sie uns die Chance für diese Killer-Tour eröffnet haben und weil sie die alten Metal-Traditionen fortführen. Mitte der 1990er Jahre war es um die Metalszene sehr schlecht bestellt. Und auch das Internet hat dazugeführt, dass die CD-Verkäufe schlechter wurden. In dieser Zeit gaben sehr viele Bands einfach auf. Die Liveclubs und Agenturen buchten einfach keine Metalbands mehr. Und die Plattenfirmen nahmen nur noch Bands unter Vertrag, die "New Metal", Hardcore-Metal oder Rap-Metal-Zeugs spielten. Nur etwa zwei Dutzend ECHTER Heavy-Metal-Bands überlebten diese Zeit, und konnten sich über Wasser halten, ohne sich zwischendrin aufzulösen. Auch wenn die Plattenverkäufe zurückgegangen sind und wir auch zwischendrin nicht mehr so populär waren, so bin ich doch sehr stolz darauf, dass ANNIHILATOR zu diesen Bands zählten. Und dass wir eine der wenigen Gruppen waren und sind, die weiterhin Alben veröffentlicht, ohne sich vom klassischen Metalsound zu entfernen.

Martin:
Auf dem neuen Album "Metal" hast du wieder alle Bassspuren aufgenommen. ANNIHILATOR touren in einer anderen Besetzung als auf dem Album. Mike Magnini (Schlagzeug) begleitet euch nicht auf Tour. Warum? Ist es für ihn zeitlich nicht möglich? Wird auf zukünftigen ANNIHILATOR-Veröffentlichungen spielen?

Jeff:
Ich habe halt immer unterschiedliche Line-Ups mit ANNIHILATOR. Ich mag das und diese unterschiedlichen Besetzungen machen alles halt recht interessant. Ich liebe es, mit talentierten Leuten zu arbeiten! Mike Magnini tourt nicht mit ANNIHILATOR. Er lehrt am "Berkley College" in Boston, USA. Ich mache keine Planungen für ein neues Album, so lange sich der Kreis für die aktuelle Veröffentlichung noch nicht geschlossen hat. Ich habe mit Joey Jordison (SLIPKNOT) und einigen anderen großartigen Schlagzeugern gesprochen, um vielleicht das Nachfolgealbum von "Metal" einzuspielen. Aber Mike Mangini ist immer willkommen, denn er ist eine Schlagzeug-Legende und ein unglaublich netter und freundlicher Mensch. Es ist mir eine Ehre mit solch tollen Leuten zu arbeiten!

Martin:
Herzlichen Dank für dieses Interview! Ich wünsche dir persönlich sowie für die Band alles Gute!

Jeff:
Vielen Dank, Mann! Ich hoffe, wir sehen uns auf der Tour! Tschüss!

Redakteur:
Martin Loga

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