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AMON AMARTH: Interview mit Jocke Wallgren

03.08.2022 | 12:19

Mit "The Great Heathen Army" stürzt sich die Wikingerhorde AMON AMARTH zurück ins Getümmel. Grund genug, sich nach Frankfurt zu begeben, um sich mit der Band über das zwölfte Album zu unterhalten. Interviewpartner ist in diesem Falle Jocke Wallgren, der seit 2016 die Trommelstöcke bei den Nordmännern schwingt.

Hallo Jocke. Erst einmal herzlichen Glückwunsch. Ich habe das Album zum ersten Mal im Auto während einer Fahrt zu einem Festival gehört. Es ist gewissermaßen der perfekte Soundtrack, um zu einem Festival zu fahren. Ich gebe zu, ich bin Fan der Band seit 2004, dennoch hat mich dieses Album mehr als positiv überrascht.

Hallo Frank. Ich war ja auch lange ein Fan, lange bevor ich 2016 in die Band eingestiegen bin. Daher kann ich das nachvollziehen.

"The Great Heathen Army" ist das zweite Album, an dem du mitwirkst. Ist der Job bei AMON AMARTH exakt so, wie du ihn dir damals vorgestellt hast?

Zunächst war es einfach großartig, in solch einer Band einzusteigen. Das ist von jeher der größte Traum gewesen. Schon als Kind wollte ich immer in einer großen Band spielen. Es ist, als wäre ich in eine neue, große Familie gekommen. Sie haben mich echt mit offenen Armen empfangen, das war schon toll. Der Job per se ist in vielen Dingen ziemlich gut und das Drumming sehr anspruchsvoll. Aber es sind die Dinge außerhalb der eigentlichen Arbeit, die meine Erwartungen übertroffen haben. Der Kontakt mit den Fans zum Beispiel oder die vielen Reisen in die ganze Welt. Das ist ein Bonus, sozusagen die Sahne auf dem Kuchen. Klar musst du performen und die Musik abliefern, aber alles andere obendrauf ist eben auch einfach super.

Lass uns mal über das neue Album sprechen und zunächst einmal über den Titel. Erzähl unseren Lesern doch mal etwas über "The Great Heathen Army". Was bedeutet der Titel? Steckt ein Konzept oder eine Story dahinter?

Was die Lyrics angeht, solltest du besser Johan fragen, der hat alle Texte geschrieben. Bei der Heidenarmee geht es eben darum, dass die Wikinger über die Meere gezogen sind, um andere Länder zu erobern, ganz speziell das christlich orientierte Großbritannien.

Genau da hake ich mal ein. Denn beim Track 'Saxons And Vikings' geht es ebenfalls genau um das Thema. In diesem Song übernimmt Biff Byford (SAXON) den Gesangspart der "Saxons". Mir fällt niemand ein, der dafür besser geeignet wäre. Kennst du ihn persönlich?

Ja, wir alle kennen Biff aus der Vergangenheit, wenn auch nur flüchtig. Klar ist er der perfekte Sänger für diesen Part. Er wollte es unbedingt singen und er hatte Zeit, also ging es los. Es ist für uns eine große Erfahrung, eine Legende dabei zu haben, die einen Teil unseres Songs singt. Es geht im Prinzip darum, dass die britischen und die normannischen Armeen sich gegenüberstehen und die Anführer ihre jeweiligen Ansprachen halten.

Nochmal zurück zum Titelsong. Eine gelungene Mischung zwischen modernen Elementen und eben diesen typischen AMON AMARTH-Trademarks, wie ich finde.

Ja, das stimmt. Aber ich denke, du musst den Song mehrmals hören, um die typischen AMON AMARTH-Elemente herauszuhören. Aber sie sind da. Und wenn du sie erst herausgehört hast, dann wirst du sie nicht mehr los. Der Song ist ziemlich catchy.

'Odin Owns You All' hingegen ist sehr old-school. Ein Song mit wuchtigen Drums und rasendem Tempo. Bist du mit in das Songwriting eingebunden?

Ja, bin ich. Die Jungs schicken mir Gitarrenharmonien und Riffs. Dann fragen sie mich, ob ich eine Idee für den Rhythmus hätte und wie ich die Drums dazu spielen würde. So fügt sich das dann zusammen, bevor wir ins Studio gehen.

Apropos Studio: Wie ist es, mit Andy Sneap zusammen zu arbeiten? Der Drummer ist ja für gewöhnlich der erste Musiker einer Band, der das Studio entert. Es müssen dann viele Dinge vorbereitet werden, zum Beispiel muss das Schlagzeug editiert werden und so weiter. Die Drums bilden also das Grundgerüst einer Produktion. Alles muss dabei schon perfekt laufen.

Zunächst einmal, er ist großartig. Es war für mich das erste Mal, dass ich mit ihm zusammenarbeiten durfte. Du hast recht, normalerweise ist der Drummer der Erste im Studio und da darf bereits nichts schiefgehen. Doch Andy hat einen separaten Schlagzeugraum, daher konnten wir sozusagen parallel aufnehmen und umgehend die eine oder andere Ergänzung vornehmen. Andy hat ein enormes Fachwissen und kann somit sehr viel Input geben, auch was die Drums angeht.

Einer meiner absoluten Hits auf dem neuen Album ist 'Heidrun'. Auch ein für AMON AMARTH-Verhältnisse außergewöhnlicher Track.

Das finde ich auch. Vor allem der Mittelalter-Part in der Mitte ist sehr speziell. Keine Ahnung, was die Fans sagen werden, aber ich find, das passt sehr gut. Mir persönlich hat der Song beim Proben und beim Aufnehmen sehr viel Spaß gemacht.

Demnächst geht ihr auf Tour, zusammen mit MACHINE HEAD und THE HALO EFFECT. Das wird hart für die Headbanger und vor allem für deren Nackenmuskulatur.

Yeah, das ist ein tolles Billing. Auf der einen Seite ist es zwar eine ganz "normale" Tour. Auf der anderen Seite ist es für uns alle die erste Tour nach Corona. Insofern ist es also doch etwas ganz Besonderes. Seit ich bei AMON AMARTH bin, ist die Band immer größer geworden. Das gilt nicht nur für die Venues, sondern auch für das Bühnenprogramm, die Pyros und dergleichen. Wir wollen immer besser werden und jetzt haben wir ja auch genug Zeit zum Proben gehabt. (lacht)

Was wäre für dich ein besonderer Ort, wo du gern mit der Band spielen möchtest, wenn du die Möglichkeit hättest?

Ich würde gern wieder nach Südamerika reisen. Auch wenn ich bereits schon da gewesen bin, aber ich liebe es, dort zu spielen. Asien im Allgemeinen und speziell Ostasien wäre cool. Und Afrika steht ganz oben auf meiner Liste. Ich denke, wir haben zwar keine große Fanbase in Afrika, aber es wäre definitiv cool, auf dem Kontinent zu spielen.

Letzte Frage: Wenn du keinen extremen Heavy Metal hörst, was ist ansonsten deine Lieblingsmusik und welche Einflüsse würdest du nennen?

Wenn ich eine etwas weniger aggressive Musik spielen sollte, dann würde ich Power Metal nennen, denn ich bin ein riesiger Fan. Ich bin mit der Musik aufgewachsen, habe 24/7 nur Power Metal gehört. Als Idole würde ich vermutlich die deutschen Power-Metal-Bands nennen, denn die mag ich sehr gern. Vor allem gefallen mir die Bands von Tobias Sammet, AVANTASIA und EDGUY. Wer weiß, vielleicht ergibt sich in ferner Zukunft diesbezüglich mal eine Zusammenarbeit.

Redakteur:
Frank Wilkens

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