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ACCEPT: Interview mit Wolf Hoffmann

10.04.2005 | 21:58

ACCEPT sind wohl innerhalb der Heavy-Metal-Szene die Band der Stunde. Nach zahlreichen Reunion-Gerüchten haben die Mitglieder Ende letztes Jahres endlich grünes Licht gegeben und werden im Sommer 2005 auf diversen europäischen Festivals noch einmal zeigen, wofür der Begriff Teutonen-Stahl steht. Oder wie es Gitarrist Wolf Hoffmann im Interview selber sagt: "Wir werden den Leuten noch einmal zeigen, wie Heavy Metal aus der guten alten Schmiede klingt." Wie das genau ausscheuen wird, kann man zum ersten Mal beim Rock Hard-Festival in Gelsenkirchen sehen. Die genauen Beweggründe für die erneute Wiederkehr und die Möglichkeit eines eventuellen Hintertürchens erklärte Wolf mir hingegen schon jetzt.


Björn:
ACCEPT sind wieder da, und damit haben in den letzten Jahren nur wenige Leute wirklich noch mal gerechnet. Hättest du je geglaubt, dass es für die Band noch eine weitere Chance geben würde, nachdem ihr euch das letzte Mal aufgelöst habt?

Wolf:
Nein, ich selber nicht. Ich hatte es mir zwar immer gewünscht, aber gerechnet habe ich damit überhaupt nicht mehr. Ich habe jetzt mittlerweile auch ein ganz anderes Leben begonnen, und wir sind ja auch in alle Winde zerstreut gewesen.

Björn:
Es wurde ja schon längere Zeit gemunkelt, dass ihr auf dem Rock Hard-Festival noch einmal eine Reunion-Show spielen würdet. Seit wann verhandelt ihr denn über die ganze Sache?

Wolf:
Seit zwei Jahren. Das sollte eigentlich letztes Jahr schon stattfinden.

Björn:
War das Rock Hard schließlich auch der Initiator für die ganze Sache?

Wolf:
Ja, nicht der einzige, aber der Götz Kühnemund und die Gabi haben die ganze Zeit davon gesprochen und gesagt: "Mensch, wir haben doch damals mit ACCEPT angefangen", und ich glaube wir waren auch damals auf dem ersten Cover gewesen. Er hat sich halt gewünscht, dass wir noch einmal darüber nachdenken, wie toll das denn wäre, wenn wir vielleicht dort noch mal auftreten würden. Dann sind wir auch an Udo herangetreten, aber er hat es dann nicht gewollt, und das war dann wohl nix.

Björn:
Was hat dann den Ausschlag dafür gegeben, dass ihr es doch noch gemacht habt?

Wolf:
Keine Ahnung, Udo hat plötzlich ja gesagt, ich weiß nicht, haha! Er hat es sich eben doch anders überlegt und sich ein bisschen bequatschen lassen. Es wäre ja auch zu blöde gewesen. Ich meine, die Nachfrage ist so groß wie nie zuvor und wir leben ja auch alle noch und können es alle noch. Darum: Warum sollten wir es nicht machen? Das wäre ja idiotisch! Und es macht auch riesigen Spaß, das nach den ganzen Jahren noch mal zu machen.

Björn:
Im Gegensatz zu den Reunions von beispielsweise JUDAS PRIEST und IRON MAIDEN wird euch nur von wenigen Seiten vorgeworfen, dass ihr das ausschließlich aus finanziellen Gründen macht. Ist das denn tatsächlich purer Idealismus?

Wolf:
Ach nein, natürlich spielt Geld eine Rolle, es geht ja auch um eine Menge Geld. Aber ich sage mal, wir, der Peter und ich, hätten das sicherlich am allerwenigsten nötig, und nur wegen Geld hätte ich das ganz bestimmt nicht gemacht. Wenn das jetzt zum Beispiel eine Qual wäre, dann wäre das ja was ganz Anderes. Wenn es unter Umständen jemand nötig hat, dann vielleicht der Udo, aber da musst du ihn selber fragen, das weiß ich jetzt nicht. Geld ist also ganz sicher nicht der Hauptgrund, denn wenn ich keinen Bock dazu hätte, würde ich das auch nicht machen.

Björn:
Habt ihr zunächst nur geplant, die eine Show in Gelsenkirchen zu spielen, oder wolltet ihr von Anfang an auch durch ganz Europa ziehen?

Wolf:
Ja, sagen wir mal so: eines kam dann zum anderen. Nur eine Show zu machen, ergibt ja gar keinen Sinn. Es kam irgendwann so eine Welle ins Rollen, und da haben dann plötzlich die anderen Veranstalter Wind von bekommen und gesagt: "Hey, könnt ihr bei uns auch spielen?", und dann war auf einmal der ganze Sommer mit Festivals gebucht.

Björn:
Ihr habt im Voraus schon klar gesagt, dass es nur bei diesen Shows bleiben und auch kein neues Album kommen wird. Wärt ihr trotzdem bereit, in ein oder zwei Jahren so wie jetzt noch einmal ein paar Festivals zu spielen?

Wolf:
Ja, also ich bin da schon immer zu bereit gewesen, ich kann mir alles vorstellen. Aber jetzt haben wir uns erst einmal auf diese Dinger geeinigt, und alles Weitere steht in den Sternen. Aber so schwierig wie das jetzt auch wieder war, uns alle da irgendwie zusammenzutrommeln und das alles noch mal ins Leben zu rufen, das ist halt nicht mehr so einfach wie früher nach den ganzen Jahren. Vom Musikalischen her - wir haben ja jetzt schon geprobt – läuft das eigentlich schon wieder supergut, so wie eh und je. Die Chemie in der Band stimmt immer noch, die musikalische... Nur die Logistik, die dahinter steht, das ist eben alles doch nicht so einfach.

Björn:
Ihr spielt jetzt in Europa und danach noch einige Shows in Japan. Was ist mit den Staaten? Hat es von dort her gar keine Anfrage gegeben?

Wolf:
Doch, tierisch viele sogar, aber wir wollten eigentlich nicht, und Udo hat uns da auch ein Limit gesetzt, was er alles nicht machen will, weil er sich auch auf seine eigene Band konzentrieren will. In den Staaten ist es alles auch ein bisschen anders, da gibt es diese schönen Metal-Festivals nicht so wie hier. Und genau das hat uns auch besonders gereizt, diese Festival-Geschichte, wir wollten jetzt gar nicht mehr so eine Headliner-Tour oder dergleichen machen. Diese Festivals sind da viel schöner!

Björn:
Was können wir von der Show an sich so alles erwarten?

Wolf:
Hehe, wir versuchen ganz klar, die ACCEPT der Achtziger wieder aufleben zu lassen. Von der Songauswahl und der Show wollen wir schon wieder ein bisschen an früher anknüpfen. Wir sind natürlich alle ein bisschen älter geworden, ist ja auch klar, also genauso wie früher wird es sowieso nicht, aber in diese Richtung soll es irgendwie gehen.

Björn:
Und was erwartet ihr euch so als Band von den Shows?

Wolf:
Eine Menge Spaß! Es macht schon riesigen Spaß, noch einmal vor Publikum zu spielen und die alten Songs zu spielen. Ich denke, das wird schon cool sein.

Björn:
Es ist ja jetzt schon eine Weile her, dass ihr zum letzten Mal zusammen aufgetreten seid. Fällt es euch da trotzdem relativ leicht, euch wieder aufeinander einzuspielen? Braucht man da als Routinier nicht ganz so viel Zeit beim Proben wie eine Newcomer-Band?

Wolf:
Ja, wir mussten jetzt schon ein paar Wochen proben. Wir haben uns schon zweimal getroffen und werden uns auch im April noch mal zum Proben sehen. Aber so lange brauchen wir jetzt auch nicht. Wir haben ja auch den Stefan Schwarzmann dabei und Hermann Frank, und da muss man schon wieder alles noch mal durchgehen und einproben, logisch, aber das macht ja auch Spaß.

Björn:
Die Fans erwarten ja ganz klar ein Best-Of-Programm von euch. Kannst du mir da schon mal verraten, womit man rechnen kann?

Wolf:
Hm, nein, das will ich eigentlich nicht so verraten, aber ich kann dir soviel schon sagen: Die Zeit von 1982-86 wird repräsentiert, mit "Balls To The Wall", "Restless & Wild" und "Breaker". Halt Songs von diesen Alben und nichts von den letzten Veröffentlichungen wie "Predator", "Death Row", "Eat The Heat" oder "Objection Overruled". Es ist ja auch mehr so eine Nostalgiekiste. Ich denke, dass das die Fans auch in die Richtung erfreut. Wir haben aber auch ein paar ältere Songs ausgebuddelt, die wir früher nicht so oft gespielt haben. Das wird schon ganz cool, aber klar, bei 70 Prozent der Sachen weiß man ja eh, was kommen wird.

Björn:
Viele Bands geben den Fans ja auch die Möglichkeit, das Programm mitzubestimmen, beispielsweise via Internet-Voting. Ist das bei euch auch der Fall?

Wolf:
Udo hat das mal gemacht, aber das überlassen wir ihm. Er hat dann bei seinen Shows auch mal so Sachen am Eingang verteilt, wo die Leute irgendetwas ausfüllen konnten. Aber das geht ja bei uns jetzt gar nicht, und darum machen wir das auch nicht.

Björn:
Eine Frage darf nicht ausbleiben: Was würde passieren, wenn die Nachfrage nach neuen ACCEPT-Sachen plötzlich so groß werden würden, dass euch die Fans gar nicht mehr gehen lassen möchten? Ihr habt zwar klare Statements abgegeben, denen zufolge ihr nachher auf keinen Fall weitermachen werdet, aber gibt es da nicht doch noch ein kleines Hintertürchen?

Wolf:
Ähem, man sollte ja niemals nie sagen. Letztendlich haben wir ja auch mal gesagt, wir machen das alles nicht mehr, aber ich kann nur sagen, dass das sehr unwahrscheinlich ist. Ein paar Shows zu kreieren ist ja eine Sache, aber noch einmal ins Studio zu gehen und neue Songs zu schreiben... Es ist ja ein offenes Geheimnis, dass wir immer ein wenig Stress hatten zwischen Udo und dem Rest der Band, was die musikalischen Stilrichtungen und die Karriereentscheidungen anbelangt, und das kommt ja dann auch alles wieder hoch, wenn es dann um neue Songs geht. Diesen ganzen Kleinkrieg kann man sich getrost ersparen. Man weiß ja auch gar nicht, ob die Fans das überhaupt noch wollen, aber wer weiß, vielleicht, wenn alles super läuft und wir uns gut verstehen... Aber ich halte das wie gesagt für sehr unwahrscheinlich.

Björn:
Und wie sieht es mit den Shows aus, werdet ihr da vielleicht irgendwas mitschneiden, gegebenenfalls für eine Live-DVD?

Wolf:
Ja, sicherlich. Wir werden da bestimmt einiges mitschneiden, weil es kann ja auch das letzte Mal sein, dass wir je zusammen auf der Bühne stehen werden, und da wären wir ja blöd, wenn wir das nicht wenigstens mitschneiden würden. Ob wir das dann veröffentlichen, weiß ich nicht. Die Songs sind ja nun auch von Udo schon ganz schön ausgeschlachtet worden, immer und immer wieder, und hier und da live und in Russland usw. Es sind ja auch immer die gleichen Songs, die er dann auch gespielt hat, weshalb ich mir nicht vorstellen kann, dass da wieder etwas kommen wird. Ich bin da eher skeptisch, ob das nicht nach Melken aussieht, "melking the cow" sozusagen, hehe!

Björn:
Wofür steht der Name ACCEPT im Jahre 2005?

Wolf:
Für die Fans sicherlich für eine Erinnerung an die Vergangenheit und guten handgemachten Heavy Metal aus der guten alten Schmiede, hehe! Wir sind ja schon immer für die Live-Shows bekannt gewesen, und das wollen wir auch alles so noch einmal hinkriegen. Irgendwie ist das auch alles ziemlich witzig. Ich habe mich jetzt zehn Jahre da herausgehalten und gedacht, das wäre alles im Sande verlaufen, und das ist ja normalerweise auch so, wenn man als Band aufhört, hört man auch nicht mehr viel davon. Aber dass die Nachfrage sogar noch mehr gestiegen ist, das hat mich schon verwundert. Ich habe selber so viele eMails und Nachrichten auf meiner Website bekommen, und es ist schon Wahnsinn, wie viele Leute immer noch dem hinterher trauern, dass es uns nicht mehr gibt, oder sich zumindest immer noch erinnern und es geil finden. Und deswegen bin ich sehr gespannt auf die anstehenden Shows!

Björn:
Dem habe ich schlussendlich dann auch nichts mehr hinzuzufügen und lasse mich wie so viele andere davon überraschen, wie ihr euch am Pfingstwochenende in Gelsenkirchen präsentieren werdet!

Redakteur:
Björn Backes

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